Chinesische Raumfahrt

China startet Mission zum Mond: „Chang‘e 5“ soll noch 2020 Mondgestein zur Erde bringen

  • Tanja Banner
    vonTanja Banner
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China hat ehrgeizige Pläne, was den Mond angeht. Die gerade gestartete Mond-Mission „Chang‘e 5“ soll schon im Dezember Mondgestein zur Erde bringen.

  • China will mit der komplexen Mission „Chang‘e 5“ Mondgestein zur Erde holen.
  • Die Mission dauert etwa drei Wochen: Nach dem Start der Rakete soll die Sonde auf dem Mond landen und Proben zur Erde bringen.
  • Neues rund um Weltraumforschung, den Mond und das Weltall.

Update vom Dienstag, 24. November 2020: Eine chinesische Rakete vom Typ „Langer Marsch 5“ hat die Mond-Mission „Chang‘e 5“ ins All befördert. Etwa eineinhalb Stunden nach dem Start faltete „Chang‘e 5“ die Sonnensegel für die Stromversorgung aus, kurz darauf verkündete der Kommandeur des Kontrollzentrums den „vollen Erfolg“ des Starts. Die Proben vom Mond, die etwa 23 Tage nach dem Start mit einer Kapsel in der inneren Mongolei ankommen sollen, sollen nach Auskunft aus China von chinesischen und ausländischen Forschern untersucht werden.

Eine Rakete vom Typ „Langer Marsch 5“ startet mit Chinas Mond-Mission „Chang‘e 5“.

China und der Mond: Ehrgeizige Mission „Chang‘e 5“ soll Gestein zur Erde bringen

Erstmeldung vom Donnerstag, 19. November 2020: China verfolgt seit vielen Jahren ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm. Nach dem Start der Mars-Sonde „Tianwen-1“ im Sommer, ist nun der Mond erneut das Ziel Chinas. Noch bevor „Tianwen-1“ im Februar 2021 den Mars erreicht, soll die Mond-Mission „Chang‘e 5“ abgeschlossen sein, denn sie verfolgt nur ein Ziel: Sie soll Mondgestein zur Erde bringen. Allerdings macht dieses Ziel die Mission sehr komplex.

China: Mond-Mission „Chang‘e 5“ soll Mondgestein zur Erde bringen

Die Mission „Chang‘e 5“ soll mit einer Rakete vom Typ „Langer Marsch 5“ vom chinesischen Weltraumbahnhof Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan abheben. An Bord der Rakete wird die Sonde sein, die etwa 8,2 Tonnen wiegt und aus vier Modulen besteht:

  • Der Lander: Er wird (gemeinsam mit der Aufstiegsstufe) auf dem Mond landen.
  • Die Aufstiegsstufe: Sie wird mit dem Lander auf dem Mond landen und anschließend - mit Mondgestein - in die Umlaufbahn zurückkehren.
  • Der Orbiter: Er umkreist (gemeinsam mit der Wiedereintrittskapsel) den Mond - an ihn dockt die Aufstiegsstufe an.
  • Die Wiedereintrittskapsel: Sie umkreist mit dem Orbiter den Mond und bringt die Mond-Proben zurück zur Erde.

Chinesische Mond-Mission „Chang‘e 5“: Zwei Kilogramm Mondgestein

Ziel der Mission „Chang‘e 5“ ist es, zwei Kilogramm Mondgestein zur Erforschung auf die Erde zu bringen. Für die Entnahme der Proben wurde der Vulkanberg Mons Rümker im Nordwesten des Mondes ausgesucht. Die Region liegt im so genannten Oceanus Procellarum, dem größten „Mondmeer“, und enthält geologische Formationen, die etwa 1,2 Milliarden Jahre alt sind. Zum Vergleich: die Mondproben, die die „Apollo“-Astronauten der Nasa in den 1960er und 1970er Jahren zur Erde zurückbrachten, sind zwischen 3,1 und 4,4 Milliarden Jahren alt. Gelingt die Mission, wäre China das dritte Land nach den USA und der ehemaligen Sowjetunion, das Mondgestein zur Erde gebracht hat.

Die Rakete vom Typ „Langer Marsch 5“ steht schon in Wenchang bereit. Noch im November soll die chinesische Mond-Mission „Chang‘e 5“ starten.

Mond-Mission „Chang‘e 5“: Chinas Sonde soll nach Sonnenaufgang landen

Weil die Temperaturen auf dem Mond sehr unangenehm werden können - bis zu 127 Grad Celsius bei Sonneneinstrahlung und bis zu -183 Grad Celsius in der Nacht - gibt es einen genauen Plan, wann die chinesische Sonde landen soll: Kurz nach Sonnenaufgang auf dem Mond. Ein Mondtag dauert etwa zwei Wochen - und noch bevor die Sonne wieder untergeht, soll die Aufstiegsstufe mit den Gesteinsproben wieder von der Mondoberfläche abheben und in die Umlaufbahn zurückkehren. Dort wartet in einer Höhe von etwa 200 Kilometern der Orbiter mit der Wiedereintrittskapsel. Die Aufstiegsstufe soll an den Orbiter ankoppeln und das Mondgestein in der Wiedereintrittskapsel unterbringen. Diese Kapsel wird etwa 23 Tage nach dem Start der Rakete in der inneren Mongolei erwartet.

Der Start der Rakete vom Typ „Langer Marsch 5“, die die Raumsonde „Chang‘e 5“ in Richtung Mond befördern soll, ist offiziellen chinesischen Angaben zufolge für „Ende November“ geplant. Experten gehen davon aus, dass der Start am 24. November 2020 (Ortszeit) stattfinden wird. Die Landung des Mondgesteins dürfte dementsprechend am 16. oder 17. Dezember zu erwarten sein.

China hat eine ehrgeizige Raumfahrt-Strategie und erforscht den Mond gezielt

Die chinesische Mondmission „Chang‘e 5“ ist nur ein Baustein einer ehrgeizigen chinesischen Raumfahrt-Strategie. Seit etwa 20 Jahren hat China ein Programm, das den Mond in mehreren Phasen erforscht:

  • Phase 1: „Chang‘e 1“ und „Chang‘e 2“ umkreisten den Mond.
  • Phase 2: „Chang‘e 3“ gelang die weiche Landung auf dem Mond und das Aussetzen des Rovers „Yutu“.
  • Phase 2: „Chang‘e 4“ gelang die weiche Landung auf der Rückseite des Mondes und das Aussetzen des Rovers „Yutu 2“.

China landet auf dem Mond: Zwei Kilogramm Mondgestein zur Erde holen

Nachdem das Umkreisen des Mondes und die weiche Landung inklusive Aussetzen eines Orbiters gelang, ist die Mission „Chang‘e 5“ der erste Versuch der chinesischen Raumfahrt, Phase 3 durchzuführen: Mondgestein auf die Erde zu holen. Diese Phase der Monderkundung gilt als deutlich herausfordernder als die ersten beiden Phasen. Um auf einen Fehlschlag vorbereitet zu sein, wurde parallel zur Sonde „Chang‘e 5“ gleich auch die baugleiche Sonde „Chang‘e 6“ gebaut. Sie gilt als Backup, sollte etwas schiefgehen. Gelingt die Mission jedoch, dürfte „Chang‘e 6“ für den nächsten Schritt genutzt werden und in den kommenden Jahren am Südpol des Mondes landen.

Mittelfristig hat China das Ziel ausgegeben, eine „internationale Mondforschungs-Station“ auf dem Erdtrabanten einzurichten. Früher oder später sollen auch Astronaut:innen aus China zum Mond fliegen. Derzeit stammen die einzigen aktiven Gerätschaften auf dem Mond aus China: Der Lander „Chang‘e 3“ ist seit seiner Landung im Dezember 2013 auf dem Mond aktiv und auch die komplette „Chang‘e 4“-Mission, die auf der Rückseite des Mondes gelandet ist, ist noch im Einsatz: Neben dem Lander „Chang‘e 4“ ist das der Mondrover „Yutu 2“. (Tanja Banner)

Rubriklistenbild: © Mark Schiefelbein/dpa

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