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Moderna-Impfstoff
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Dosen des Corona-Impfstoffs von Moderna.

Corona-Impfstoff von Moderna

Corona-Impfstoff von Moderna: Deutlich geringere Dosen nötig

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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Die Forschung untersucht seit geraumer Zeit einen neuartigen Ansatz bei Corona-Impfungen. Möglicherweise reichen bereits deutlich geringere Impfdosen für eine starke Immunantwort aus.

Frankfurt – Der Corona-Impfstoff von Moderna wurde als einer der ersten weltweit zugelassen. Als mRNA-basiertes Vakzin, wie bei Biontech/Pfizer, müssen zwei Dosen verabreicht werden, damit es die volle Schutzwirkung gegen das Coronavirus entfalten kann. Zwischen den beiden Impfungen wird ein Abstand von sechs Wochen empfohlen.

Doch wie Tests zeigen, ist der Impfstoff von Moderna möglicherweise viel höher dosiert als nötig. Sollte sich die Annahme bestätigen, wären das positive Nachrichten für ärmere Länder, die nur über wenig Corona-Impfstoff verfügen – und ein Ansatz, der globalen Vakzin-Knappheit entgegenzuwirken.

Corona-Impfstoff von Moderna: Bereits ein Viertel der üblichen Dosis löst starke Immunantwort aus

In der ersten Studienphase zum Moderna-Impfstoff erhielten Testpersonen entweder eine Dosis von 25, 100 oder 250 Mikrogramm, wie das Nature-Magazin berichtet. Letztere erwies sich als deutlich zu hoch und „toxisch“. Die kleinste Dosis löste die schwächste Immunantwort aus. Die mittlere Dosis, mit einer starken Immunantwort und nicht allzu starken Nebenwirkungen und Reaktionen, schien die beste Balance zu bieten und kam schließlich in dutzenden Ländern zum Einsatz. Anfang dieses Jahres teilten Forschende von Moderna Erkenntnisse, wonach eine halbe Dosis, also 50 Mikrogramm, eine genauso starke Immunantwort hervorrufe.

Es wurden weitere Tests durchgeführt. Dafür untersuchte man die Blutwerte von 35 Teilnehmer:innen der ersten Studienphase, denen jeweils zwei 25-Mikrogramm-Dosen verimpft wurden, mit 28 Tagen Abstand. Sechs Monate später fand man, dass fast alle Testpersonen „neutralisierende“ Antikörper hatten, die das Coronavirus daran hindern, Zellen zu infizieren, wie es in einem Preprint vom 5. Juli heißt. Im Blut konnten zudem verschiedene T-Zellen gefunden werden. Darunter sind sogenannte Killerzellen, die infizierte Zellen zerstören können sowie Helferzellen, die den Körper bei der Immunabwehr unterstützen. Die Zahl der Antikörper und T-Zellen sei mit den Werten von Corona-Genesenen vergleichbar.

„Es ist ziemlich erstaunlich und äußerst vielversprechend, dass man die Immunantwort einfach über solch eine lange Zeit feststellen kann“, meint die Immunologin Daniela Weiskopf, tätig am La Jolla Insitute in Kalifornien und Co-Verfasserin der Studie, bei der die Peer Review, also ein Gutachten durch unabhängige Fachleute, noch aussteht. Corine Geurts van Kessel vom Medizinischen Zentrum der Erasmus-Universität in Rotterdam stimmt zu. „Das sind recht gute Nachrichten. Selbst mit einer kleinen Dosis kann man sein Immunsystem auf einen guten Weg bringen.“

Daniela Weiskopf und Shane Crotty, ein weiterer Verfasser der Studie, sprechen sich für ein umfangreiches Sammeln von Daten und sorgfältig durchgeführten Studien aus, um die Wirksamkeit einer reduzierten Dosis zu bestätigen. Derzeit wird in Belgien geforscht, inwiefern sich eine niedrigere Dosis des Corona-Vakzins von Biontech/Pfizer im Vergleich zur vorgeschriebenen Dosis auswirkt.

Sarah Cobey forscht an der University of Chicago im Gebiet der Infektionskrankheiten und ist gegen die „zeitraubende“ Ansammlung von Daten, wie sie Weiskopf und Crotty bevorzugen. Sie setzt sich entschieden für eine Fraktionierung der Impfdosen ein. „Wir sollten nicht so lange warten“, sagt sie gegenüber Nature. „Es sterben Leute, und wir haben historische Präzedenzfälle, um wohlüberlegte Vermutungen aufzustellen, die womöglich Leben retten könnten.“ „Wenn wir im Januar damit angefangen hätten, dann könnten wir zehn, vielleicht hunderte Millionen von Leuten mehr geimpft haben“, behauptet der Ökonom Alex Tabarrok, dessen Modellstudie zum Thema ebenfalls noch geprüft werden muss.

Fraktionierung von Corona-Impfdosen? Strategie bereits gegen Gelbfieber eingesetzt

Auch Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD) hält die ersten Erkenntnisse aus den Tests für vielversprechend: „Der Moderna-Impfstoff war von Anfang an hoch dosiert. Falls es sich bestätigt, dass er mit 1/4 Dosis wirkt, wie diese Studie zu zeigen scheint, wäre dies für ärmere Länder ein Segen“, schrieb er am Samstagabend (10. Juli 2021) bei Twitter.

Die Strategie, die Dosis zu verringern, wird seit 2016 erfolgreich im Kampf gegen Gelbfieber in Afrika und Südamerika verwendet. Ähnliche Schritte in der Coronavirus-Pandemie gab es hingegen noch nicht. (Lukas Rogalla)

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