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Ganz im Sinne der „Fridays-for-Future“-Kämpfer fordert die ehrwürdige Leopoldina, „mit Nachdruck die Klimakrise anzugehen und das längst Überfällige zu tun“.

Ökologisch

Leo mischt sich ein

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Experten empfehlen eine wirksame CO2-Bepreisung in allen Sektoren, gekoppelt mit einer Reinvestition der Einnahmen in grüne Infrastruktur, niedrigere Strompreise und einen sozialen Ausgleich in Form einer „Klimadividende“, und die Verkehrswende. Die FR-Kolumne „Ökologisch“.

Meldet sich die „Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina“ zu Wort, hat das Gewicht. Es handelt sich schließlich um die weltweit älteste Gelehrtenversammlung der Neuzeit, gegründet 1652, die heute knapp 1600 Mitglieder hat – Natur-, Geistes- und Kulturwissenschaftler. Eine der beiden Hauptaufgaben der Leopoldina ist „die Beratung von Politik und Öffentlichkeit“, und wenn sie sich in die aktuelle Klimapolitik einmischt, zumal mit so klaren Worten wie jetzt, sollte man aufhorchen.

„Klimaziele 2030 – Wege zu einer nachhaltigen Reduktion der CO2-Emissionen“ heißt die aktuelle „Ad-hoc-Stellungnahme“, und die Autoren machen klar, dass die Sache brandeilig ist. Inzwischen werde „eine ganze Generation mehr und mehr von Ungeduld und Unverständnis über das Versagen der Politik erfasst“, mahnen die Autoren. Sie stellen sich damit an die Seite der streikenden Schüler, die nicht einsehen wollen, dass die Bedeutung des Klimaproblems seit rund 30 Jahren auf der Hand liegt, Politik und Wirtschaft aber nicht richtig darauf reagieren. Ganz im Sinne der „Fridays-for-Future“-Kämpfer fordert die ehrwürdige Leopoldina, „mit Nachdruck die Klimakrise anzugehen und das längst Überfällige zu tun“.

Geld zurück per Dividende

Was die Experten dann empfehlen, ist nichts völlig Neues. Sie fordern eine wirksame CO2-Bepreisung in allen Sektoren, also auch Verkehr und Gebäuden, gekoppelt mit einer Reinvestition der Einnahmen in grüne Infrastruktur, niedrigere Strompreise und einen sozialen Ausgleich in Form einer „Klimadividende“. Sie plädieren für eine Verkehrswende, die Zu-Fuß-Gehen und Fahrradnutzung fördert, eine Elektrifizierung des ÖPNV, Ersatz der Verbrenner- durch Elektroautos. Zudem müsse der internationale Flug- und Schiffsverkehr mit einem CO2-Preis belegt werden.

Das sind alles Forderungen, die Klima- und Umweltschützer seit Jahrzehnten stellen, was sie freilich nicht falsch macht. Die Leopoldina aber betont, und dafür muss man ihr dankbar sein, dass es sich dabei um „umsetzbare Maßnahmen“ handele, „die bereits zwischen 2020 und 2030 ihre Wirkung entfalten können“. Die Wissenschaftler treibt offenbar ganz wie die FfF-Schüler die Sorge um, dass Deutschland nicht nur sein 2020er CO2-Ziel verpasst, sondern auch für 2030 nicht in die Spur kommt. Und das ist wahrlich Grund genug, sich „ad hoc“ einzumischen.

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