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Wandlungsfähige Mimik: Fußballtrainer Christoph Daum während einer Pressekonferenz.

Mimik

Mimik der Menschen ähnelt sich

US-Forscher entdecken eine starke Übereinstimmung beim Ausdrücken von Gefühlen.

Von Walter Willems

Freudige Überraschung, traurige Wut, ängstlicher Ekel: Selbst für komplexe Gefühle nutzen die meisten Menschen offenbar ähnliche Mimiken. US-Forscher haben ein Modell entwickelt, das 21 verschiedene Gesichtsausdrücke recht zuverlässig erkennt.

Das Team um den Kognitionsforscher Aleix Martinez von der Ohio State University in Columbus stellt die Studie in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften („PNAS“) vor. Das Modell könnte etwa bei der Diagnose und Behandlung von Problemen wie Autismus, Schizophrenie oder Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) eingesetzt werden.

Bislang untersuchten Forscher nur die Gesichtsausdrücke zu sechs Gefühlen – glücklich, traurig, ängstlich, wütend, überrascht und angeekelt. Diese Zahl haben die Forscher mehr als verdreifacht. „Wir haben eine starke Übereinstimmung darin gefunden, wie Menschen ihre Gesichtsmuskeln bewegen, um 21 Gefühlskategorien auszudrücken“, wird Martinez in einer Mitteilung der Universität zitiert. „Das ist einfach verblüffend. Das bedeutet, dass fast jeder Mensch diese 21 Emotionen auf die gleiche Art ausdrückt, zumindest in unserer Kultur.“

Die Forscher konfrontierten zunächst 230 Männer und Frauen mit jeweils einem Satz zu verschiedenen Gefühlen – etwa: Sie riechen einen üblen Geruch. Dabei fotografierten sie die Gesichter. Anschließend analysierten sie die rund 5000 Aufnahmen auf typische Veränderungen der Mimik. Am Ende fanden sie 21 Gefühle und Gefühlsverbindungen, die mit typischen Gesichtern einhergingen.

Lernhilfe für Autisten

So ging etwa die Mimik für „glücklich“ bei 99 Prozent der Teilnehmer der Studie mit hochgezogenen Wangen und dem Verbreitern des Mundes zu einem Lächeln einher. Bei „überrascht“ öffneten 92 Prozent der Menschen ihre Augen weit und ließen auch den Mund offen. Bei der Gefühlsverbindung „glücklich überrascht“ öffneten 93 Prozent die Augen weit, zogen zudem die Wangen hoch, verbreiterten den Mund und ließen ihn offen. Selbst widersprüchliche Emotionen ließen sich so zuordnen: „Freudig angeekelt“ kombiniert etwa ein angedeutetes Lächeln mit einer gerümpften Nase.

Insgesamt identifizierte das erstellte Computerprogramm die sechs Grundgefühle zu 97 Prozent richtig. Bei den 15 Gefühlsverbindungen lag die Zuverlässigkeit noch bei 77 Prozent. Mit dem Modell könnten etwa Autisten lernen, die Gefühle anderer Menschen besser zu erkennen, betonen die Forscher. Auch Computerprogramme könne man so auf eine neue Komplexitätsstufe stellen.

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