Ein Blick auf die Milchstraße, die Galaxie, in der wir leben.
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Ein Blick auf die Milchstraße, die Galaxie, in der wir leben.

Astronomie Galaxie

Die Milchstraße im 360-Grad-Panorama

  • Tanja Banner
    vonTanja Banner
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Der Blick von außen auf die Milchstraße ist nicht möglich, da die Entfernungen zu groß sind. Doch die Nasa veröffentlicht eine interessante Alternative: Ein 20 Gigapixel großes 360-Grad-Panorama unserer Galaxie. Das Bild ist keine Spielerei, sondern hilft den Forschern bei der Arbeit.

Die Milchstraße ist unser Zuhause in den unendlichen Weiten des Universums. Schaut man in einer klaren Nacht zum Sternenhimmel hinauf, sieht man das Band, das scheinbar aus tausenden funkelnden Sternen besteht. Könnten wir die Milchstraße von außen betrachten, würden wir eine Balkenspiralgalaxie sehen: eine flache Scheibe mit spiralartigen Armen, in deren Mitte sich ein gerades Band heller Sterne befindet.

Da es uns aber nicht möglich ist, die Milchstraße von außen zu betrachten - die Menschheit hat es bisher gerade einmal geschafft, eine Raumsonde an der äußeren Grenze des Sonnensystems kratzen zu lassen - müssen wir uns mit dem Blick aus einem Spiralarm der Milchstraße auf unsere Galaxie begnügen. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa macht das jetzt besonders leicht: Ein 360-Grad-Panorama, bestehend aus mehr als zwei Millionen Infrarot-Aufnahmen unserer Milchstraße, zeigt die ganze Schönheit unserer Heimatgalaxie.

Die Aufnahmen wurden über einen Zeitraum von zehn Jahren vom Weltraumteleskop "Spitzer" geschossen und von Mitarbeitern des Spitzer Space Science Centers im kalifornischen Pasadena zusammengesetzt. "Wenn wir das Panorama ausdrucken würden, bräuchten wir eine Tafel, die so groß ist wie das Rose Bowl Stadium [ein Stadion in Pasadena, hier fand u.a. das Finale der Fußball-WM 1994 statt, d. Red.]", erklärt Robert Hurt vom Spitzer Space Science Center. "Stattdessen haben wir es digital visualisiert, so dass es jeder nutzen kann."

Zwanzig Gigapixel ist das Mosaik groß, es bildet trotzdem nur etwa drei Prozent unseres Himmels ab. Weil es sich aber auf das Band der Milchstraße fokussiert und infrarotes Licht abbildet, sind mehr als die Hälfte der Sterne unserer Galaxie zu sehen. Das Mosaik ist online abrufbar, es ist Teil des Projekts "Galactic Legacy Mid-Plane Survey Extraordinaire" (GLIMPSE360).

Die roten Bereiche im Panorama zeigen Gegenden, in denen Sterne entstehen. Ein blauer Schleier liegt über dem Zentrum der Milchstraße - dieser Bereich ist zu weit weg, um einzelne Sterne auszumachen. Die schwarzen Bereiche können nicht einmal von infrarotem Licht durchdrungen werden. Wenn man genau hinschaut, kann man sogar Galaxien erkennen, die hinter der Milchstraße liegen. Doch beim Projekt GLIMPSE geht es in erster Linie um unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße: "Wir kartografieren die Anordnung der Spiralarme und die Form der Galaxie", erklärt Ed Churchwell, ein Leiter des GLIMPSE-Teams. "Spitzer hilft uns herauszufinden, wo die Grenzen der Galaxie liegen." Mit Hilfe der GLIMPSE-Daten konnten Astronomen die bisher genaueste Karte des Zentrums der Milchstraße erstellen. Dabei stellte sich heraus, dass dieser Bereich etwas größer ist, als bislang angenommen wurde.

Mit Hilfe der Informationen aus dem 360-Grad-Panorama unserer Galaxie soll das James-Webb-Weltraumteleskop, dessen Mission nach aktuellem Stand im Oktober 2018 beginnen soll, zu den Stellen gelenkt werden, die im Hinblick auf die Entstehung von neuen Sternen besonders spannend sind. Dort soll das Weltraumteleskop noch detailliertere Infrarot-Aufnahmen machen.

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