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Forscher fanden Mikroplastik  in hoher Menge nun auch in einer einsamen Bergregion in den Pyrenäen - und ziehen ihre Schlüsse daraus.

Umwelt

Mikroplastik schwebt auch in der Luft

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Die winzigen Kunststoffpartikel können über die Atmosphäre bis in entlegene Regionen transportiert werden.

Sie schwimmen in Flüssen und Ozeanen, verbergen sich sogar im Polareis: Winzige Kunststoffpartikel gelangen mit dem Wasser in die entlegensten Gegenden der Erde. Die französische Umweltforscherin Deonie Allen vom Institut „Ecolab“ in Castanet-Toloson und ihre Kollegen haben Mikroplastik nun auch in einer einsamen Bergregion in den Pyrenäen gefunden – in „unerwartet hoher Menge“, wie die Wissenschaftler schreiben: Demnach lagerten sich dort täglich im Schnitt 365 Mikropartikel pro Quadratmeter ab.

Die französischen Forscher gehen davon aus, dass Mikroplastik nicht nur über Wasser, sondern auch durch die Luft über große Strecken transportiert werden und sich dann in Regionen ablagern kann, die unter Umständen weit von den ursprünglichen Emissionsquellen entfernt sind. Ihre Erkenntnisse haben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Nature Geoscience“ veröffentlicht.

Der Begriff Mikroplastik bezeichnet Partikel aus festen Kunststoff, deren Durchmesser kleiner als fünf Millimeter ist. Sie stammen aus unterschiedlichen Quellen: So werden die winzigen Teilchen in vielen Kosmetikartikeln wie Duschgels oder Hautpeelings verarbeitet, sie finden sich in den Fasern von Kleidungsstücken oder entstehen beim Zerfall von Produkten aus Plastik. Auch im Straßenverkehr werden durch Reifenabrieb Mikropartikel freigesetzt. Bekannt ist, dass sie als Abfall und über Kläranlagen in die Flüsse und weiter in die Meere gelangen und deshalb die aquatischen Ökosysteme weltweit stark belasten. Allerdings war bislang noch nicht klar, ob Mikroplastik auch über die Atmosphäre transportiert werden kann.

Diesen Nachweis wollen Deonie Allen und ihre Kollegen nun erbracht haben. Mit Simulationen vollzogen sie nach, dass die in den Pyrenäen gefunden Mikropartikel über die Luft von bis zu 95 Kilometern weit her in die entlegene Bergregion gelangt sein müssen. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Plastikpartikel aus kleineren Städten in Südfrankreich stammen.

Hartmut Herrmann, Leiter der Abteilung „Chemie der Atmosphäre“ des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung in Leipzig, bewertet die französische Studie in einem Kommentar als „interessantes Paper“, das weitere Forschungen nach sich ziehen sollte. So müsse nun untersucht werden, wie das Mikrosplastik in die Atmosphäre gelangt. Er geht davon aus, dass sich zum Beispiel Teilchen vom Reifenabrieb in den Städten auf die gleiche Weise wie Bodenpartikel oder Saharastaub fein in der Luft verteilen können.

Volker Matthias vom Helmholtz-Zentrum für Material- und Küstenforschung in Geesthacht überrascht es nicht, dass Plastikteilchen auch über die Atmosphäre große Distanzen zurücklegen können. „Wenn die Partikel durch turbulente Luftbewegungen einmal in größere Höhen angehoben wurden, können sie – analog zu Sahara- und Vulkanstaub – auch über größere Entfernungen transportiert werden“, erklärt er. Dabei würden Fasern wegen ihrer speziellen Form langsamer zu Boden sinken als kugelförmige Teilchen der gleichen Masse.

Für Hartmut Herrmann lautet eine Konsequenz der Studie, dass man sich künftig mehr darum kümmern müsse, die Freisetzung von Mikroplastik „an den Quellen“ einzuschränken. 

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