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Verschmutzung der Weltmeere: So gelangt Mikroplastik in die menschliche Lunge

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Von: Pamela Dörhöfer

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Ein Mantarochen schwimmt durch Plastikmüll. Dass Kunststoffe auch an die entlegensten Orte der Erde gelangen und in Meerestieren und Vögeln nachgewiesen werden können, weiß man schon länger.
Ein Mantarochen schwimmt durch Plastikmüll. Dass Kunststoffe auch an die entlegensten Orte der Erde gelangen und in Meerestieren und Vögeln nachgewiesen werden können, weiß man schon länger. © Elitza Germanov/dpa

Nicht nur in Tieren reichert sich Mikroplastik an: Mediziner:innen aus Großbritannien machten erschreckende Funde bei Menschen, die an der Lunge operiert werden.

Leeds – Mikroplastik kann von Menschen eingeatmet werden und auf diesem Weg in die Lunge wandern: Darauf weisen Funde hin, die Medizinerinnen und Mediziner des Castle Hill Hospital (Großbritannien) bei Operationen gemacht haben: Sie haben erstmals winzige Kunststoffpartikel im Lungengewebe von Patientinnen und Patienten identifiziert; nie zuvor waren solche Materialien in einem lebenden Menschen entdeckt worden. Das Team des Krankenhauses hat dazu zusammen mit Forschenden der University of Hull (ebenfalls Großbritannien) einen wissenschaftlichen Bericht geschrieben, der im Fachmagazin „Science of the Total Environment“ veröffentlicht wurde.

Dass Kunststoffe auch an die entlegensten Orte der Erde gelangen können, haben bereits zahlreiche Studien gezeigt. Plastikpartikel wurden zudem in Meerestieren und Vögeln, die sich ihre Nahrung in den Ozeanen suchen, gefunden. Auch in Menschen hat man die Kunststoffteilchen schon nachgewiesen: in der Milz, den Nieren und in der Leber. Erst Ende März berichteteten Forschende aus den Niederlanden zudem, Mikroplastik im menschlichen Blutkreislauf gefunden zu haben. Sie stellten die Frage, ob die Partikel von dort aus in die Organe gelangen und möglicherweise sogar die Blut-Hirn-Schranke überwinden können. In der Lunge allerdings hatte man bislang keine der winzigen Teilchen entdeckt.

Studie zu Mikroplastik im menschlichen Körper: In elf von 13 Proben fanden sich Plastikteile

Die Patientinnen und Patienten waren am Castle Hill Hospital wegen verschiedener Lungenerkrankungen operiert worden. Alle hatten vorher zugestimmt, dass das während des Eingriffs entfernte Gewebe hinterher untersucht wurde. Auf diese Weise sammelten die Forschenden 13 Proben – und fanden in elf davon Plastikteile. Bei der genaueren Analyse identifizierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zwölf verschiedene Kunststoffarten, darunter solche, die in gängigen Alltagsprodukten wie Verpackungen, Flaschen oder Kleidung verwendet werden.

Besonders überrascht zeigten sich die Forschenden darüber, dass sich die Plastikpartikel nicht nur im oberen Teil der Lunge sammelten, sondern auch in den unteren Regionen, wo die Atemwege viel zarter und verästelter sind – was es für Partikel schwieriger macht, sie zu erreichen. Eine weitere Beobachtung: Die Plastik-Konzentration war bei den Männern höher als bei den Frauen.

Eine Erklärung dafür gibt es nicht – auch lässt sich bislang noch nicht einschätzen, welche gesundheitlichen Auswirkungen Mikroplastik hat. Das britische Team schlägt deshalb vor, mehr auf diesem Gebiet zu forschen. (Pamela Dörhöfer)

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