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Mikroben gegen Fettleber

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Europäisches Forschungsprojekt

Bei einer Fettleber denken viele Menschen vermutlich an eine Erkrankung, die durch übermäßigen Alkoholgenuss hervorgerufen wird. Doch das ist keineswegs immer der Fall. Es gibt auch eine sogenannte „nicht-alkoholische Fettleber“ – und diese ist sogar eine der häufigsten Erkrankungen weltweit. Experten schätzen, dass bis zu 27 Prozent der Gesamtbevölkerung darunter leiden. Allerdings merken viele dieser Betroffenen lange nichts davon. In vielen Fällen wird die nicht-alkoholische Fettleber erst sehr spät erkannt, wenn massive Beschwerden auftreten. Unbehandelt kann sie lebensbedrohlich werden, zu Leberverfettung bis hin zur Zirrhose oder Leberkrebs führen. Ursachen einer nicht-alkoholischen Fettleber können Ernährungsgewohnheiten, genetische Faktoren und ein Ungleichgewicht im Mikrobild – der Gemeinschaft der Mikroorganismen – im Darm sein.

Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen aus acht europäischen Forschungseinrichtungen haben sich im EU-Netzwerk „BestTreat“ zusammengeschlossen, um neue Methoden der Diagnose und der Behandlung der nicht-alkoholischen Fettleber zu entwickeln. Die Leitung hat Gianni Panagiotou vom Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie in Jena. Dort liegt ein Forschungsschwerpunkt auf der Rolle komplexer Mikrobengemeinschaften bei der Entstehung von Krankheiten, erklärt Gianni Panagiotou.

Mechanismen entschlüsseln

Die Forscher wollen sich dabei Mikroorganismen zunutze machen, die bei gesunden Menschen für eine funktionierende Verdauung und ein intaktes Immunsystem sorgen. Dieses Gleichgewicht des Darmmikrobioms ist bei der nicht-alkoholischen Fettleber gestört; wie bei vielen anderen Erkrankungen auch. Allerdings sind die zugrunde liegenden Mechanismen noch nicht entschlüsselt, die genaue Rolle der Mikroben beim Krankheitsgeschehen ist unklar. Auch gibt es bislang noch keine Möglichkeit, um den individuellen Verlauf bei einem Patienten vorherzusagen. Deshalb wollen die Wissenschaftler zunächst herausfinden, auf welche Weise sich das Mikrobiom des Darms bei einer nicht-alkoholischen Fettleber entwickelt. Zu diesem Zweck wollen sie wiederkehrende Muster im Mikrobiom von Kranken identifizieren.

Weiter sollen dann Ansätze für Therapien gefunden werden, mit denen sich das gestörte Mikrobiom des Darms wieder ins Gleichgewicht bringen lässt. Die Forscher wollen dabei bestimmte Mikroorganismen als Biotherapeutika einsetzen. pam

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