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Brasilien ist der zweitgrößte Sojaproduzent der Welt: Sojafelder kurz vor der Ernte nahe Santarem.

Lebensmittelproduktion

Metropolen als Selbstversorger

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Soja aus Brasilien, Schweine nach China – der globale Transport von Lebensmitteln verursacht einen hohen CO2-Ausstoß. Ein Teil könnte vermieden werden, wenn sich Städte aus dem Umland ernährten.

In einem Hamburger Supermarkt türmen sich die Äpfel aus dem Alten Land. Direkt daneben liegen die aus Neuseeland, die eine 18 000-Kilometer-Reise hinter sich haben. Deutschland weist etwa 30 bekannte Apfelsorten auf und verkauft trotzdem Äpfel von der anderen Seite der Erde. Doch die Bundesrepublik importiert nicht nur Äpfel, sondern verschifft beispielsweise auch Schnitzel aus Niedersachsen.

Elf Prozent der Treibhausgasemissionen im Lebensmittelbereich entfallen allein auf den Transport. Doch was wäre, wenn Städte wie Hamburg oder Berlin ihre Äpfel ausschließlich aus dem Umland bekämen? Oder größer gedacht: Wie viel CO2-Emissionen könnten eingespart werden, wenn Städte auf der ganzen Welt ihre Lebensmittel aus lokaler Landwirtschaft beziehen würden?

Eine Antwort liefern Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in einer nun veröffentlichten Studie. Das Ergebnis: Mit einer stadtnahen Landwirtschaft könnte ein Zehntel aller beim Lebensmitteltransport entstehenden Emissionen verhindert werden. Die Studienautoren gehen von einem weltweiten Emissionsaufkommen im Lebensmittel-Verkehr von mindestens 1,5 Gigatonnen jährlich aus, was etwa dem doppelten CO2-Ausstoß Deutschlands entspricht. „Damit könnten umgerechnet etwa vier Prozent der gesamten globalen CO2-Emissionen eingespart werden“, sagt Jürgen Kropp, Mitautor der Studie.

Da Emissionsangaben zur Luftfracht fehlten, beziehen sich die Daten nur auf den Schiffs- und Landtransport von Lebensmitteln. Das Einsparpotenzial sei damit vermutlich höher, als die Studie errechnet habe, sagt Studienautor Kropp. Die Potsdamer Forscher untersuchten mehr als 4000 Städte mit jeweils mehr als 100 000 Bewohnern. Die Städte wurden als funktionelle Ballungsräume betrachtet, sodass beispielsweise Berlin und Potsdam in einer Einheit zusammengefasst sind.

Treibhauseffekt
Lebensmittel verursachen Treibhausgasemissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Laut Umwelt-stiftung WWF haben Lebensmittel in Industrieländern je nach Studie einen Anteil von 15 bis 31 Prozent an allen Treibhausgasemissionen.

Global gesehen dürfte allein der Anteil der Landwirtschaft an den Emissionen bei mehr als zehn Prozent liegen. Doch auch durch Verpackung, Lagerung, Transport, Handel und nicht zuletzt bei den Endkonsumenten entstehen Emissionen. Entscheidend ist auch, was wir essen. Tierische Produkte erzeugen wesentlich mehr Treibhausgase als pflanzliche.

Insgesamt könnten Metropolen mit der jeweiligen lokalen Landwirtschaft eine Milliarde ihrer Bewohner ernähren. Die Produktion von Lebensmitteln vor Ort könne als eine Form der Anpassung dienen, die „lokale Ernährungssicherheit gewährleistet, lokale Nährstoffkreisläufe schließt und damit zum Klimaschutz beiträgt“, ergänzt Kropp.

Das Potenzial der Selbstversorgung ist je nach Ballungsraum unterschiedlich. Während Südasien und Ostafrika große Möglichkeiten für städtische Landwirtschaft aufweisen, ist in Nordamerika das Gegenteil der Fall. Der Studie zufolge liegt das an der Beschaffenheit des direkten Umlandes. Die großen Städte in den USA sind von Naturgebieten umgeben, die für eine Nahversorgung in Acker umgewandelt werden müssten. Das würde die Emissionen jedoch eher erhöhen als verringern, weil die Landwirtschaft – vor allem bei Viehzucht – mehr Treibhausgase freisetzt.

So gut die Option „Metropolen als Selbstversorger“ klingt, so schnell könnte sie auch andernorts wieder zerfallen. Denn weiteres Städtewachstum würde dazu führen, dass sich die Ballungsräume auf Kosten landwirtschaftlicher Nutzflächen ausweiten. Außerdem könnten veränderte Ernährungsgewohnheiten wie etwa die Zunahme des Fleischkonsums vor allem in Entwicklungsländern die Möglichkeiten lokaler Landwirtschaft zunichtemachen.

Ein weiterer Gegner der städtischen Nahversorgung ist der Klimawandel. Dieser trifft laut Studie besonders die Regionen in Nord- und Westafrika und in Westasien. Die Folgen der Urbanisierung und des Klimawandels zusammengenommen würden allein in Nordafrika dazu führen, dass das Potenzial der lokalen Ernährung um 30 Prozent sinkt, warnen die Wissenschaftler.

„Unsere Studie liefert die erste Analyse des globalen Potenzials einer Selbstversorgung von Städten aus lokaler Landwirtschaft und kombiniert dies mit anderen relevanten Effekten“, sagt der Forscher Kropp. Bisherige Studien hätten sich auf einzelne Städte konzentriert oder nur auf die Produktionsseite von Lebensmitteln. Die neue Studie verbinde auch Auswirkungen von Urbanisierung, Klimawandel oder Ernährungsumstellung mit dem globalen Potenzial der lokalen Landwirtschaft.

Natürlich könne nicht einfach ein Schalter umgelegt werden, der die Ernährung der Städte nun auf die Nahversorgung umstelle, räumt Mitautor Steffen Kriewald vom PIK ein. „Die regionale Landwirtschaft kann nicht den gesamten Speiseplan einer globalisierten Landwirtschaft produzieren – der Ernährungsbedarf könnte jedoch in vielen Regionen der Welt gedeckt werden.“

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