„Leute scherzen über das Rülpsen von Kühen“, sagt ein Forscher, die Folge sei aber unwitzig.	panthermedia
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„Leute scherzen über das Rülpsen von Kühen“, sagt ein Forscher, die Folge sei aber unwitzig.

Massentierhaltung

Massiv steigende Methan-Werte gefährden Pariser Klimavertrag

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Keine gute Nachricht im Kampf gegen die Erderwärmung: Die Methan-Emissionen haben einen neuen Rekordstand erreicht. Ein Grund dafür ist die Massentierhaltung.

  • Der von Menschen verursachte Ausstoß von Methan trägt signifikant zum Klimawandel bei
  • Vor allem durch die Ausweitung der Massentierhaltung lässt die Methan-Werte ansteigen
  • Treibhausgase müssen massiv reduziert werden, um den Pariser Weltklimavertrag einhalten zu können

Methan ist ein starkes Treibhausgas. Es kommt unter anderem aus Rindermägen, Mülldeponien und undichten Erdgasleitungen. Um den Klimawandel zu begrenzen, muss der Ausstoß wie beim globalen Haupt-Einheizer Kohlendioxid (CO2) deutlich abgesenkt werden. Doch die Emissionen wachsen weiter.

Im Jahr 2017 – aktuellere vollständige Zahlen gibt es nicht – wurde ein neuer Rekordstand erreicht, wie zwei neue Studien zeigen. Vor allem die Landwirtschaft hat dazu beigetragen. Die Jahresfracht des Gases betrug den Hochrechnungen zufolge knapp 600 Millionen Tonnen, etwa die Hälfte davon verursacht durch menschliche Aktivitäten.

Klimawandel: Methan mach großen Teil des Treibhauseffektes aus

Gegenüber dem Jahresschnitt in der ersten Hälfte der 2000er Jahre bedeutet das eine Zunahme um 50 Millionen Tonnen oder rund neun Prozent. Diese Zahlen stammen aus Untersuchungen im Rahmen des „Global Carbon Project“ des US-Umweltforschers Rob Jackson von der Stanford University in Kalifornien, jetzt veröffentlicht in den Fachzeitschriften „Environmental Research Letters“ und „Earth System Science Data“.

Die durchschnittliche Verweildauer von Methan in der Atmosphäre beträgt 12,4 Jahre. Sie ist damit wesentlich kürzer als die von Kohlendioxid. Trotzdem macht das geruch- und farblose Gas einen substanziellen Teil des menschgemachten Treibhauseffektes aus.

Denn es ist hierbei 25-mal so wirksam wie CO2. Methan entsteht dort, wo organisches Material unter Luftabschluss abgebaut wird – in Deutschland vor allem im Agrarsektor, insbesondere bei der Massentierhaltung. Weitere Quellen sind Mülldeponien und Klärwerke.

Klimawandel: Ausstoß von Methan vor allem in Südasien und Ozeanien angestiegen

Methan ist Jackson zufolge inzwischen für 23 Prozent der globalen Erwärmung verantwortlich. Die Emissionen aus natürlichen Quellen, zum Beispiel Feuchtgebieten oder Vulkanen, blieben im Vergleich mit den 2000er Jahren in etwa gleich.

Auch ein Anstieg von Methanemissionen durch das befürchtete großräumige Auftauen von Permafrostböden war bis 2017 nicht zu beobachten. Bei dem vom Menschen verursachten Methan-Ausstoß hingegen gab es einen besonders starken Anstieg in Südasien und Ozeanien inklusive Australien, Afrika und Nahost sowie Nordamerika.

Hauptgründe dafür sind laut dem Wissenschaftler „die Ausweitung und Intensivierung der Landwirtschaft, insbesondere der Viehzucht“ sowie die Nutzung fossiler Brennstoffe. In den USA trägt vor allem die Förderung und Verteilung des per Fracking gewonnenen Erdgases dazu bei. Methan ist ein Hauptbestandteil dieses Brennstoffs.

Der Methan-Ausstoß muss im Kampf gegen den Klimawandel massiv abgesenkt werden

Europa ist demnach der einzige Kontinent, in der der Methanausstoß zurückgegangen ist. Schärfere Richtlinien und ein besseres Management hätten die Emissionen aus Deponien, Gülleverwendung und anderen Quellen reduziert, so die französische Co-Studienautorin Marielle Saunois von der Université de Versailles Saint-Quentin.

Auch spiele eine Rolle, dass Europäerinnen und Europäer heute weniger Rindfleisch und mehr Geflügel und Fisch äßen. Die von Jacksons Team festgestellten Trends entsprechen den pessimistischeren Szenarien des letzten Berichts des Weltklimarats IPCC.

Das heißt: Ohne starke Absenkung der Treibhausgase droht bis zum Jahr 2100 eine globale Erwärmung um drei bis vier Grad Celsius. Als gerade noch beherrschbar gilt allerdings ein Temperaturplus von zwei Grad, wie es auch im Pariser Weltklimavertrag fixiert ist.

Klimawandel: Die Corona-Krise hat die Emissionsmenge von Methan kaum verändert

Laut der Expertinnen und Experten entspricht der Erderwärmungsbeitrag des seit den frühen 2000er Jahren jährlich in die Atmosphäre gelangten Methans dem von 350 Millionen zusätzlichen Automobilen auf den Straßen oder einer Verdoppelung der Emissionen Deutschlands oder Frankreichs.

Die Corona-Krise hat die Methan-Emissionsmengen laut Jackson übrigens praktisch nicht verändert, während die von CO2 zeitweise stark zurückgingen; für das Gesamtjahr wird hier mit einem Minus von fünf Prozent gerechnet. Denn Wohnhäuser und andere Gebäude würden weiter beheizt, und der Agrarsektor wachse.

„Wir haben beim Methan die Wende noch nicht geschafft“, kommentiert Jackson. Bei dem leicht entzündlichen Gas seien die Emissionen von Rindern und anderen Wiederkäuern fast so hoch wie die der fossilen Brennstoffindustrie. „Die Leute scherzen über das Rülpsen von Kühen, ohne zu wissen, wie groß die Quelle wirklich ist.“

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