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Überraschender Fund: In tonnenschwerem Meteoriten stecken zwei neue Mineralien

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Von: Tanja Banner

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Forschende finden in einer 70 Gramm schweren Probe eines Meteoriten gleich zwei neue Mineralien. Auch die Materialforschung ist interessiert.

Edmonton – In einem 16,8 Tonnen schweren Meteoriten, der in der Nähe der somalischen Stadt El Ali gefunden wurde, haben Forschende eine überraschende Entdeckung gemacht: Zwei bis dato unbekannte Mineralien. Eine 70 Gramm schwere Probe des außerirdischen Steins landete zur Analyse bei Chris Herd, Meteoriten-Experte an der Universität von Alberta in Edmonton, Kanada. Der bemerkte etwas Seltsames, als er das Gestein analysierte, heißt es in einer Mitteilung seiner Universität. Daraufhin habe er den Stein in ein Labor gebracht, das schon am ersten Tag feststellte: „Sie haben da drin mindestens zwei neue Mineralien.“

„Das war phänomenal, denn meistens bedeutet es viel mehr Arbeit, zu sagen, dass es ein neues Mineral ist“, freut sich Herd. Die beiden Mineralien hat er Elaliit und Elkinstantonit genannt – ersteres leitet sich vom Namen des Meteoriten („El Ali“) ab, der nach der Stadt benannt wurde, in dessen Nähe er eingeschlagen ist.

Tonnenschwerer Meteorit in Somalia enthält mindestens zwei unbekannte Mineralien

Der zweite Name bezieht sich auf die Planetologin Lindy Elkins-Tanton. „Lindy hat viel daran gearbeitet, wie sich die Kerne von Planeten bilden, wie sich diese Eisen-Nickel-Kerne bilden, und das nächste Analogon, das wir haben, sind Eisenmeteoriten. Es machte also Sinn, ein Mineral nach ihr zu benennen und ihre Beiträge zur Wissenschaft zu würdigen“, erklärt Herd.

Name:El-Ali (Nightfall)
Typ:Meteorit
Wissenschaftlich bestätigt:2020
Gewicht:16,8 Tonnen
Fundort:Bei El Ali in Somalia
Besonderheit:Vor Ort war der Meteorit seit fünf bis sieben Generationen bekannt, in Liedern wird er Nightfall genannt.

In der 70 Gramm schweren Meteoriten-Probe gibt es möglicherweise noch ein drittes bisher unbekanntes Mineral, heißt es bei der University of Alberta. Könnten die Forschenden weitere Proben des Meteoriten aus Somalia untersuchen, würden sie möglicherweise noch weitere bisher unbekannte Mineralien darin finden, betont Herd. Offenbar wurde der Meteorit jedoch nach China transportiert, wo ein Käufer für den außerirdischen Stein gesucht wird. Ob er in Zukunft der Forschung weiter zur Verfügung steht, ist offen.

Unbekannte Mineralien in Meteorit interessieren auch die Materialforschung

Die Meteoriten-Probe, die den Forschenden um Herd zur Verfügung steht, soll nun weiter untersucht werden. Das Forschungsteam interessiert vor allem, welche Bedingungen bei der Entstehung des Meteoriten herrschten. „Das ist mein Fachgebiet – wie man die geologischen Prozesse und die geologische Geschichte des Asteroiden, von dem dieses Gestein einst ein Teil war, ermittelt“, erklärt Herd. Er habe „nie gedacht, dass ich einmal an der Beschreibung ganz neuer Mineralien beteiligt sein würde, nur weil ich an einem Meteoriten arbeite.“

Ein Gesteinsbrocken aus dem Weltall dringt in die Erdatmosphäre ein. Erreicht er den Boden, wird er Meteorit genannt. (Archivbild)
Ein Gesteinsbrocken aus dem Weltall dringt in die Erdatmosphäre ein. Erreicht er den Boden, wird er Meteorit genannt. (Archivbild) © dpa/Nasa

Die schnelle Bestimmung der neuen Mineralien war nur möglich, weil beide Mineralien zuvor synthetisch hergestellt worden waren. Auf der Erde wurden sie vor dem Meteoriten-Fund jedoch noch nicht entdeckt. An den beiden neuen Mineralien sind nicht nur Geolog:innen, sondern auch Materialforscher:innen interessiert, erklärt Herd: „Wann immer ein neues Material bekannt wird, sind auch die Materialwissenschaftler daran interessiert, weil es möglicherweise in vielen Bereichen der Gesellschaft eingesetzt werden kann.“ (tab)

Erst kürzlich haben Forschende Hinweise auf außerirdisches Wasser in einem Meteoriten entdeckt.

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