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Ein Berggorilla im Osten der Demokratischen Republik Kongo.
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Wie lange gibt es noch ein Zuhause für ihn? Ein Berggorilla im Osten der Demokratischen Republik Kongo. 

Düstere Zukunft

Menschenaffen in Afrika: Der gesamte Lebensraum droht zu verschwinden

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Die andere Flüchtlingskrise in Afrika: Menschenaffen verlieren bis 2050 mehr als 90 Prozent ihres Lebensraums.

Afrika - Um die Zukunft der Menschenaffen in Afrika steht es nicht gut. Vermutlich werden unsere nächsten Verwandten bis zum Jahr 2050 den größten Teil ihres Lebensraums auf dem Kontinent verlieren, vielerorts droht ihnen das Aussterben. Zu diesem erschreckenden, wenn auch keineswegs überraschenden Ergebnis kommt eine im Fachmagazin Diversity and Distributions beschriebene Studie.

Ein Team aus mehr als 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Organisationen hat ermittelt, dass bis zur Jahrhundertmitte 94 Prozent der Gebiete, wo heute noch Gorillas, Schimpansen oder Bonobos leben, für die Primaten unbewohnbar sein werden. Es gibt einige Gründe dafür: der Klimawandel, die veränderte Landnutzung – konkret das Abholzen von Wäldern – sowie das Bevölkerungswachstum Afrikas. Wobei diese Faktoren auch global gelten. Das Forschungsteam, befürchtet, dass sie nicht gesondert auftreten, sondern einander durch „synergetische Interaktionen“ noch in ihrer schädlichen Wirkung verstärken.

Während man leicht nachvollziehen kann, warum das Vordringen von Homo sapiens und das Schwinden einst artenreicher Wälder zugunsten von Monokulturen die Menschenaffen und viele andere Tierarten bedroht, ist die Rolle des Klimawandels komplexer – aber auch nicht weniger verheerend. In der Studie mit dem Titel „Predicting range shifts of African apes under global change scenarios“ haben die Forschenden die Folgen verschiedener Szenarien untersucht. Bestenfalls geht man davon aus, dass die CO2-Emissionen langsam weniger werden, schlimmstenfalls steigen sie ungebremst weiter. Käme es zu Letzterem, so würde das den Verlust fast des gesamten Verbreitungsgebietes der Menschenaffen in Afrika binnen 30 Jahren bedeuten.

Menschenaffen: Jetzige Schutzgebiete gelten als völlig unzulänglich

Aber selbst das Best-Case-Szenario macht wenig Hoffnung: Dann würden immer noch 85 Prozent Fläche wegfallen, wo heute noch Menschenaffen anzutreffen sind. Der meiste Lebensraum – 50 Prozent im besten, 61 Prozent im schlimmsten Fall – ginge in jenen Gebieten verloren, die nicht wie Nationalparks unter Schutz stehen. Außerhalb dieser ausgewiesenen Areale sei ein „besonders massiver Verlust des Verbreitungsgebietes“ zu erwarten, sagt Joana Carvalho von der John Moores University in Liverpool, Hauptautorin der Studie. „Diese Erkenntnis zeigt uns, wie unzulänglich die Schutzgebietsnetzwerke in Afrika derzeit sind, um geeignete Lebensräume für Menschenaffen zu erhalten und die Populationen miteinander zu verbinden.“

Die Situation für die Menschenaffen ist auch deshalb so prekär, weil die für sie passenden Umgebungen sich bereits in den vergangenen 20 Jahren dramatisch verändert haben. Die Populationen, so Carvalhos Team, seien deshalb vielerorts schon dramatisch reduziert. Es lässt Schlimmes erahnen, wenn man in der Studie liest, dass in Afrika viele Gebiete, in denen es Menschenaffen gibt, als passend für die Expansion der Landwirtschaft angesehen werden. So würden sich 58,7 Prozent der Konzessionen für die Anpflanzung von Ölpalmen mit Flächen überschneiden, wo Affen leben. Überall in den Tropen schießen solche Plantagen aus dem Boden, Palmöl ist eines der am häufigsten verwendeten Pflanzenöle, es steckt in unzähligen Lebensmitteln, Kosmetikprodukten und Reinigungsmitteln.

Als entscheidend für das Schicksal der Menschenaffen sieht das Forschungsteam die Frage an, ob es gelingt, die Primaten aus ihren durch Zerstörung bedrohten Lebensräumen umzusiedeln. Die Erderwärmung könne dazu führen, dass Tieflandgebiete wärmer und trockener werden und die Affen dort dann weniger Nahrung finden.

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Menschenaffen: In Gebirgen scheint ein Überleben möglich

Möglicherweise verändern sich aber Gebirgslandschaften so, dass die Tiere dort dann bessere Lebensbedingungen vorfinden – ähnlich wie zuvor im Tiefland. Es bleibt allerdings die Frage, ob die Affen den notwendigen Umzug annehmen und bewältigen. Sollten sie dazu in der Lage sein, könnten sie dort überleben und ihr Verbreitungsgebiet theoretisch sogar ausweiten, heißt es in einer Mitteilung des WWF.

„Flüchten oder lokal aussterben – vor dieser Alternative werden unzählige Tier- und Pflanzenarten stehen“, sagt Ilka Herbinger, Programmleiterin für Zentral- und Westafrika beim WWF und Co-Autorin der Studie: „Die Erderhitzung wird sie dazu zwingen, sich neue Lebensräume zu suchen, aber in den meisten Fällen wird die Zeit nicht reichen, um auszuweichen.“ Viele Arten, so fürchtet Herbinger, „werden einfach verschwinden“.

Der Klimakollaps müsse deshalb gestoppt, die Zerstörung des Affen-Lebensraums aufgehalten, neue und „gemeindebasierte“ Schutzgebiete gehörten eingerichtet und miteinander vernetzt. „Das ist unsere Chance, das Menschenaffen-Massensterben soweit wie möglich abzumildern“. (Pamela Dörhöfer)

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