Roboter werden programmiert.

Minstitut

Mathematik erfordert Mut

  • Franziska Schubert
    vonFranziska Schubert
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Frankfurter Naturwissenschaftlerinnen fördern mit ihrem Verein gezielt Mädchen.

Für Rut Waldenfels ist es nicht verwunderlich, dass sich nach wie vor verhältnismäßig wenig Frauen für ein Studium der Mathematik oder Naturwissenschaften entscheiden: „Schon früh prägen gesellschaftliche Bilder die Interessen der Kinder und Jugendlichen. Das fängt bei den Hobbys an. Wer sich in den Spielwarenabteilungen umsieht, stellt fest, dass Technik überwiegend für Jungen angeboten wird, um mit Entdeckertum kreativ selbst etwas herzustellen.“

Die Frankfurter Physikerin beschloss, etwas dagegen zu unternehmen und gründete zusammen mit Katharina Storch 2018 den gemeinnützigen Verein „das Minstitut“. Unterstützt wurden sie dabei unter anderem mit rechtlicher Expertise vom „Social Impact Lab Frankfurt“, das Projektgründungen mit sozialem Schwerpunkt in der Region fördert und vernetzt.

Während ihres Physikstudiums in Freiburg, erinnert sich die 34-Jährige, waren Studentinnen in der Minderheit, und „es gab keine einzige Professorin“. Das ist bezeichnend für ein weiteres Problem: In vielen naturwissenschaftlichen Bereichen fehlen schlichtweg weibliche Vorbilder.

Bislang als Präsenzveranstaltung geplant ist ein Matheworkshop vom 27. bis 31. Juli für Schülerinnen der achten bis zehnten Klassenstufe (je nach Entwicklung der Corona-Pandemie auch online durchführbar).

Zum Start ins neue Schuljahr sollen die Teilnehmerinnen täglich zwischen 13.30 und 17.30 Uhr gut vorbereitet werden mit einem intensiven Mathetraining, das vorhandene Blockaden abbauen soll. Der Preis (ab 60 Euro) wird gestaffelt nach dem Familieneinkommen.

Anmeldung und Kontakt sowie weitere Informationen auch zu den Onlinekursen im Internet unter: www.minstitut.de.

Beruflich und privat beschäftigte sich Rut Waldenfels immer wieder mit der Frage, wie man Frauen für mathematische und technische Fragen begeistern und ihnen Mut machen kann, diesen Weg einzuschlagen. Schließlich war sie sich zunächst nicht sicher, ob Physik wirklich das richtige Fach für sie sei. So studierte sie anfangs Chemie, doch als sie merkte, dass die Arbeit im Labor sie nicht erfüllte, wechselte sie in die Physik. Es gibt zwar in Deutschland viele engagierte Initiativen für angehende Naturwissenschaftlerinnen – darunter etwa die Deutsche Physikerinnentagung, die unter anderem der Karriereförderung von Frauen dient. Viele Programme versuchen darüber hinaus junge Frauen anzusprechen, damit diese ein sogenanntes MINT-Fach (darunter fallen die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) studieren.

Rut Waldenfels war es jedoch ein Anliegen, selbst ein Projekt ins Leben zu rufen, das bereits deutlich früher ansetzt – bei den Schülerinnen. In den Naturwissenschaften, betont sie, seien vor allem bestimmte Soft Skills wichtig, die Jungen mehr vermittelt würden: „Es geht etwa darum, selbstbewusst Projekte auszuprobieren, darüber in einer Gruppe zu diskutieren und zu fragen, wer mitmacht“, betont Waldenfels, die beruflich zu Big Data in der Mobilität forscht, sich aber derzeit in Elternzeit befindet. Zusammen mit den Trainerinnen des Minstituts will sie Mädchen Mut machen und ihren Selbstwert stärken, damit diese eigenständig über Mathe sprechen. Das sei zentral, denn wenn Mädchen in der Schule den Eindruck hätten, von der Welt der Zahlen überfordert zu sein, komme es häufig zu einer Selbstverstärkung dieser Einschätzung. Die Folge seien dann oft Hemmungen.

Mit Aktionstagen und Workshops will das Minstitut frühzeitig gegensteuern. Neben fachlicher Ausbildung bekommen die Teilnehmerinnen auch ein Persönlichkeitstraining. Zielgruppe sind vor allem Mädchen aus der gymnasialen Mittelstufe mit der Note Drei und schlechter in den entsprechenden Fächern.

Kostenlos ist beispielsweise der für alle offene Coding-Kurs, bei dem Mädchen zwischen zehn und 15 Jahren online angeleitet werden, mit der speziell für Kinder entwickelten, visuellen Programmiersprache „Scratch“ zu üben. Außerdem kommen bei Präsenzveranstaltungen kleine, programmierbare Roboter (Mbots oder Bob3 für Fortgeschrittene) zum Einsatz. Im August ist in Kooperation mit dem Frankfurter Mitmach-Museum zudem eine E-Werkstatt für Mädchen ab zehn Jahren geplant. Dort werden einfache Elektronikbausteine zusammengebastelt. „Die Mädels können etwa eine Solarzelle auf einen kleinen Propeller löten.“

Wegen der Corona-Pandemie probierte das Minstitut im „digitalen Mai“ neue Onlineformate aus: „Das lief besser als erwartet“, berichtet Waldenfels, die damit zukünftig weitermachen will. Die Mädchen waren etwa eingeladen, Matheexperimente zu Hause durchzuführen: So berechnete die Gruppe neben mathematischen Rätseln auch, wie viele Meter Spaghetti und Klopapier sich im Haushalt befanden.

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