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Gesundheitsminister Spahn will im Mai konkrete Vorschläge zu einer Impfpflicht gegen Masern in Deutschland vorlegen.

WHO schlägt Alarm

Masern: Zahl der Fälle steigt drastisch

Die Zahl der Masern-Infektionen ist laut WHO weltweit um 300 Prozent gestiegen. Bei der Impfpflicht sind sich die Länder in Deutschland weiter uneinig.

Die Masern breiten sich in diesem Jahr nach UN-Angaben weltweit sehr stark aus. Von Januar bis Mitte April 2019 seien nach vorläufigen Daten 112.000 Fälle der schweren Infektionskrankheit in 170 Ländern erfasst worden, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Montag in Genf mit. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres seien 28.000 Fälle in 163 Staaten registriert worden, hieß es. Die Zahlen dürften noch steigen, wenn Nachmeldungen kommen. Es wird zudem eine Dunkelziffer vermutet.

Die hochansteckende und mitunter lebensgefährliche Krankheit ist aufgrund von Impfmüdigkeit wieder auf dem Vormarsch. Besonders stark breiten sich die Masern laut WHO derzeit in folgenden Ländern aus: Demokratische Republik Kongo, Äthiopien, Georgien, Kasachstan, Kirgistan, Madagaskar, Myanmar, Philippinen, Sudan, Thailand und Ukraine. Unter den Toten infolge von Masern seien viele Kinder. 

WHO: 110.000 Tote durch Masern

Viele Menschen in abgelegenen Gebieten oder in Konfliktregionen seien für Impfteams schwer oder überhaupt nicht zu erreichen. Zudem habe das Vertrauen in die Immunisierung in vielen Ländern abgenommen. Der Vertrauensschwund sei auch durch gezielte Desinformation verursacht, erklärte die WHO. 

Den Angaben zufolge starben 2017 rund 110.000 Menschen an den Masern, die durch Viren übertragen werden. Es kommt zu hohem Fieber, Schnupfen, Husten sowie Hautausschlag. Die Masern greifen das Immunsystem an. Die Erkrankten sind auch anfälliger für andere Krankheiten.

Impf-Debatte in Deutschland: Länder uneins

In Deutschland hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Debatte über eine Masern-Impfpflicht begrüßt. Ihm gehe es insbesondere um den Schutz von Kindern in Gemeinschaftseinrichtungen, sagte eine Sprecherin des Ministers am Montag in Berlin. Konkrete Vorschläge für eine Masern-Impfpflicht in Deutschland werde Spahn im Mai vorlegen. Bis dahin würden noch technische und inhaltliche Fragen geprüft.

Masern-Impfpflicht: Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen skeptisch

Die Haltung der Bundesländer zu einer Impfpflicht ist unterschiedlich: Aus Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen kamen skeptische Stimmen. Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sprach sich für eine Impfpflicht aus: Wenn man das Ziel der Weltgesundheitsorganisation erreichen und die Masern ausrotten wolle, brauche Deutschland „einfach zwei, drei Prozent höhere Durchimpfungsraten“, als sie mit Aufklärung in den vergangenen Jahren erreicht werden konnten, sagte er im Deutschlandfunk.

Rheinland-Pfalz halte eine Impfpflicht bei Kindern nur als „Ultima Ratio“ für denkbar, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums in Mainz dem epd. Aufgrund der hohen Impfquoten von 98 Prozent bei der ersten und 94 Prozent bei der zweiten Masern-Impfung sehe man derzeit keinen dringenden Handlungsbedarf. Die meisten Masern-Fälle im Land gebe es bei Erwachsenen, daher unterstützt das Land eine Impfpflicht für medizinisches Personal.

Impfpflicht in Hessen: Das sagt Landesminister Kai Klose

In Bayern sei die Impfquote ausreichend, so dass über solche Maßnahmen noch nicht nachgedacht werden müsse, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dem Radiosender B5 zufolge. Der hessische Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) hält die Pflicht zur Impfung ebenfalls „für nicht angezeigt“. Statt einer Pflicht wolle man in Hessen stärker auf immer wiederkehrende Beratung setzen, die jedes Lebensalter erreiche.

In Sachsen-Anhalt und Bremen wird eine Impfpflicht den Gesundheitsministerien zufolge derzeit nicht diskutiert, man lehne sie aber nicht ab. Die Gesundheitsministerin von Sachsen-Anhalt, Petra Grimm-Benne (SPD), sagte dem epd, sie begrüße die Debatte zwar ausdrücklich: „Ob eine Impfpflicht umsetzbar ist, oder zu stark in das Elternrecht eingreifen würde, muss auf Bundesebene geklärt werden.“ Eine Sprecherin der Stadt Bremen sagte, man wolle zunächst auf bessere Aufklärung setzen. Wenn das nicht fruchte, stehe Bremen „einer Impfpflicht, wie sie auf Bundesebene geplant ist, positiv gegenüber“.

Impfpflicht für Kinder: Diese Bundesländer sind dafür

Die Gesundheitsministerien in Nordrhein-Westfalen, dem Saarland, Niedersachsen, Brandenburg, Thüringen, Baden-Württemberg, Sachsen, Berlin, Bremen, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern sprachen sich für eine Impfpflicht aus. Eine Impfpflicht für Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen dürfe kein Tabu sein, sagte der baden-württembergische Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne).

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) kündigte am Wochenende an, seine Landesregierung zu einer Unterstützung der Initiative für eine Impfpflicht bei Masern zu bewegen. Es müsse geprüft werden, welche gesetzlichen Voraussetzungen für eine Impfpflicht notwendig sind.

Ein Vorstoß aus Brandenburg für eine bundesweite Masern-Impfpflicht hatte am Wochenende Unterstützung in Politik und Ärzteschaft gefunden. Auch die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles und Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) machten sich am Wochenende für Pflichtimpfungen stark, ebenso der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery. (epd/afp/dpa)

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