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Wasser auf dem Mars: Forscherinnen schreiben die Geschichte des roten Planeten neu

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Von: Tanja Banner

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Die Nasa erforscht den Mars – und weiß jetzt auch, wie sich Geräusche dort ausbreiten. (Symbolbild)
Die Nasa erforscht den Mars – und weiß jetzt auch, wie sich Geräusche dort ausbreiten. (Symbolbild) © imago

Einst gab es Wasser auf dem Mars – doch wie lange? Zwei Forscherinnen beantworten diese Frage neu – und werfen weitere Fragen rund um Leben auf dem roten Planeten auf.

Pasadena – Dass es einst Wasser auf dem Mars gab, da ist sich die Forschung relativ einig. Gängige Theorien gehen davon aus, dass das Wasser, das Teile der Mars-Oberfläche bedeckte, vor etwa drei Milliarden Jahren verdunstete. Doch nun zeichnen Daten, die eine alte Raumsonde der US-Raumfahrtorganisation Nasa in ihrer Umlaufbahn um den Mars gesammelt hat, ein anderes Bild: Offenbar gab es an der Oberfläche des roten Planeten vor zwei bis 2,6 Milliarden Jahren noch flüssiges Wasser – bis zu einer Milliarde Jahre länger als bisher gedacht.

Herausgefunden haben das zwei Forscherinnen, die Daten der Nasa-Raumsonde Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) analysiert haben. MRO umkreist den Mars seit 2005, mithilfe seiner Instrumente kartierten Ellen Leask und Bethany Ehlmann Chlorsalz-Vorkommen in den lehmhaltigen Hochländern in der südlichen Hemisphäre des roten Planeten. Die Salzablagerungen interpretieren die Forscherinnen als Überbleibsel eisigen Schmelzwassers, das durch die Landschaft floss: Als es verdunstete, blieben die Chlorsalze zurück. Ihre Studie, in der die Forscherinnen ihre Erkenntnisse zu Wasser auf dem Mars detailliert schildern, wurde im Fachjournal AGU Advances veröffentlicht.

Wasser auf dem Mars? Forscherinnen kartieren Überbleibsel auf der Oberfläche des Planeten

Bei den Salzablagerungen handele es sich um den ersten mineralischen Beweis, der die Anwesenheit von flüssigem Wasser bestätige, heißt es bei der Nasa. Das Alter der Salzablagerungen bestimmten die Forscherinnen, indem sie die Krater in deren Umgebung zählten. Je weniger Krater eine Oberfläche auf dem Mars hat, desto jünger ist sie. Mithilfe zweier Kameras an Bord des Mars-Orbiters MRO stellten Hauptautorin Leask und Co-Autorin Ehlmann fest, dass sich viele der Salzablagerungen in Senken auf sanft abfallenden vulkanischen Ebenen befanden – frühere flache Teiche. In der Nähe entdeckten die Forscherinnen gewundene, trockene Kanäle – ehemalige Bäche, die Wasser, das durch das Schmelzen von Eis oder Permafrost entstand, in diese Teiche leitete.

Die Aufnahme der Context Camera des Mars Reconnaissance Orbiters (MRO) der Nasa zeigt die Region Bosporos Planum auf dem Mars. Die weißen Flecken sind Salzablagerungen in einem trockenen Bachlauf. Größenvergleich: Der größte Krater im Bild hat einen Durchmesser von etwa 1,5 Kilometern.
Die Aufnahme der Context Camera des Mars Reconnaissance Orbiters (MRO) der Nasa zeigt die Region Bosporos Planum auf dem Mars. Die weißen Flecken sind Salzablagerungen in einem trockenen Bachlauf. Größenvergleich: Der größte Krater im Bild hat einen Durchmesser von etwa 1,5 Kilometern. © Nasa/JPL-Caltech/MSSS

„Es ist unglaublich, dass MRO nach mehr als einem Jahrzehnt neue Entdeckungen über die Art und den zeitlichen Ablauf dieser mit Flüssen verbundenen alten Salzteiche ermöglicht hat“, freut sich Ehlmann, die das CRISM-Instrument an Bord des Orbiters mitbetreut.

Gab es einst Leben auf dem Mars? Suche nach Wasser und Leben hängt zusammen

Wenn es um Wasser auf dem Mars geht, stellt sich den Forschenden auch immer die Frage, ob es Leben auf dem roten Planeten gab. Die Entdeckung, dass es auf dem Mars wohl länger Wasser gab als gedacht, werfe neue Fragen auf, heißt es deshalb auch bei der Nasa. Wie lange konnte mikrobielles Leben auf dem Mars überleben? Wenn es je welches gegeben hat – schließlich weiß man noch nicht, ob es überhaupt jemals Leben auf dem roten Planeten gab.

In der Mars-Forschung geht es häufig um Fragen rund um Wasser und früheres Leben. Zuletzt hatte eine Studie gezeigt, dass es offenbar doch kein flüssiges Wasser unter dem Eis am Südpol des Mars gibt. Zwei ältere Studien hatten das vermutet, doch offenbar steckt ein anderes Phänomen dahinter. Eine Esa-Raumsonde ließ Forschende dagegen an einer unerwarteten Stelle Unmengen von Wasser finden: Unter dem „Grand Canyon“ des Mars.

Der Nasa-Rover „Perseverance“ ist dagegen in einem früheren See gelandet, der von einem Fluss gespeist wurde. „Ohne irgendwohin zu fahren hat der Rover eines der größten Rätsel gelöst“, freuten sich die Verantwortlichen nach der Entdeckung. Auch der Rover „Curiosity“ machte kürzlich einen für die Wissenschaft spannenden Fund auf dem Mars – auf der Erde würde er auf Leben hindeuten. (tab).

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