1. Startseite
  2. Wissen

So klingt ein riesiger „Staubteufel“ auf dem Mars

Erstellt:

Von: Tanja Banner

Kommentare

Dieser „Staubteufel“ auf der Oberfläche des Planeten Mars wurde von der Nasa-Raumsonde „Mars Reconnaissance Orbiter“ fotografiert. (Archivbild)
Dieser „Staubteufel“ auf der Oberfläche des Planeten Mars wurde von der Nasa-Raumsonde „Mars Reconnaissance Orbiter“ fotografiert. (Archivbild) © IMAGO/piemags

Der Nasa-Rover „Perseverance“ zeichnet erstmals den Sound eines „Staubteufels“ auf – und liefert den Forschenden wichtige Informationen.

Toulouse – Der Begriff „Staubteufel“ klingt ungewöhnlich, doch das Phänomen ist auf dem Mars weit verbreitet. Es handelt sich um Luftwirbel, die Staub aufsammeln und ihn in die Höhe tragen – ein „Staubteufel“ ist entstanden. Der Rover „Perseverance“, der seit etwa eineinhalb Jahren auf dem roten Planeten forscht, wird Daten der US-Raumfahrtorganisation Nasa zufolge von mindestens einem Staubteufel pro Tag „besucht“. Im Jezero-Krater, der Region, in der er gelandet ist, kommen „Staubteufel“ besonders häufig vor.

Dem Rover ist es vor einiger Zeit bereits gelungen, einige dieser Phänomene zu filmen. Doch bisher war es noch nicht geglückt, die Geräusche aufzunehmen, die durch einen „Staubteufel“ auf dem Mars entstehen. Da der Mars-Rover „Perseverance“ jedoch Mikrofone an Bord hat, war es nur eine Frage der Zeit, bis eine Aufnahme gelingen würde. In einer neuen Studie, die im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht wurde, beschreibt ein Forschungsteam nun erstmals, wie einer der Wirbelstürme klingt.

Geräusch eines „Staubteufels“ auf dem Mars erstmals aufgenommen

Das Geräusch des „Staubteufels“ selbst ist dabei jedoch nicht weiter überraschend – auf der Erde würde das Phänomen wohl ganz ähnlich klingen. Doch für die Forschenden ist es trotzdem von großem Interesse: Sie können anhand der Daten einige Rückschlüsse ziehen. So konnte das Team um die Planetologin Naomi Murdoch von der Hochschule in Toulouse daraus beispielsweise ermitteln, wie groß der „Staubteufel“ war, den „Perseverance“ mit einem seiner Mikrofone aufgenommen hat. Den Forschungsergebnissen zufolge hatte der Wirbelwind eine Höhe von mindestens 118 Metern und war etwa 25 Meter breit – fast zehnmal breiter als der Rover selbst.

Gelungen ist die Aufnahme mit dem Mikrofon der „SuperCam“ an Bord von „Perseverance“. Das Geräusch stammt von einem „Staubteufel“, der direkt über den Rover hinweggezogen ist. In die Berechnungen flossen auch Daten aus anderen Instrumenten des Rovers mit ein. So hatte „Perseverance“ unter anderem auch Aufnahmen des Ereignisses gemacht, mehrere Analysegeräte sammelten weitere Daten.

Mars-Rover „Perseverance“ liefert Forschung spannende Daten

Besonders interessant sind für die Forschenden die „akustischen Signale von Staubkorn-Einschlägen“, wie es in der Studie heißt. So können die Forschenden berechnen, wie viele Staubpartikel sich in einem „Staubteufel“ befinden. „Ein besseres Verständnis des Staubauftriebs und des atmosphärischen Transports ist der Schlüssel für eine genaue Simulation des Staubkreislaufs und für die Vorhersage von Staubstürmen“, schreiben die Forschenden in ihrer Studie. Für die künftige Erforschung des Weltraums sei das wichtig, „da der Aufprall von Staubkörnern mit der Zerstörung von Geräten auf der Marsoberfläche in Verbindung gebracht wird“.

Es gibt jedoch auch Fälle, in denen hätten sich die verantwortlichen Forschenden dringend einen vorbeiziehenden „Staubteufel“ gewünscht: Der längst aufgegebene Nasa-Rover „Opportunity“ beispielsweise bekam 2014 „Besuch“ von einem solchen Wirbelwind – dadurch wurden seine Solarpanels vom Staub befreit und das Energielevel des Rovers um 70 Prozent gesteigert. Beim Nasa-Lander „InSight“ hofften die Verantwortlichen bis zuletzt auf ein solches Ereignis, um das Forschungsgerät zu retten – vergeblich. (tab)

Auch interessant

Kommentare