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Künstlerische Darstellung der Rovers „Opportunity“ auf dem Mars.

Nasa-Mission

Nasa gibt den Mars-Rover „Opportunity“ auf

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Er hat Rekorde aufgestellt und den Mars erforscht, doch seit acht Monaten reagiert „Opportunity“ nicht mehr. Die Nasa gibt den Rover endgültig auf.

Es ist ein langer Weg, den der Mars-Rover „Opportunity“ zurückgelegt hat. Erst die lange Strecke zum Mars und dann gut 45 Kilometer auf dem roten Planeten. Mehr als 5000 Mars-Tage hat „Opportunity“ auf dem Mars geforscht - geplant waren etwa 90 Mars-Tage. Doch nun ist das Abenteuer für den ausdauernden kleinen Rover endgültig beendet, wie Nasa-Wissenschaftsdirektor Thomas Zurbuchen auf einer Pressekonferenz am Mittwochabend mitteilte. „Ich stehe hier mit einem tiefen Gefühl von Dankbarkeit und teile Ihnen mit, dass die Mission von ‚Opportunity‘ zu Ende ist.“ Die Arbeit der „Mars Exploration Rover“ „Opportunity“ und „Spirit“ habe jedoch alles verändert, was man über den Mars wisse.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hatte die US-Raumfahrtorganisation Nasa einen letzten Versuch unternommen, mit „Opportunity“ Kontakt aufzunehmen. Der Rover hatte darauf erwartungsgemäß nicht reagiert. Am Abend gab ein hochkarätiges besetztes Panel - Nasa-Chef Jim Bridenstine, Zurbuchen, „Opportunity“-Projektmanager John Callas und weitere beteiligte Forscher - die Entscheidung bekannt. „‚Spirit‘ und ‚Opportunity‘ haben uns ein Erbe hinterlassen“, betonte JPL-Chef Mike Watkins auf der Pressekonferenz. Die Erforschung des Mars gehe weiter - mit dem Rover „Curiosity“ und dem geplanten „Mars 2020“-Rover.

Seit dem 10. Juni 2018 hatte sich „Opportunity“ nicht mehr auf der Erde gemeldet. Die Wissenschaftler vermuten, dass ein schwerer Staubsturm dem alten Rover zugesetzt hat. Staub verdunkelte damals den Himmel, so dass der Rover nicht mehr genügend Sonnenenergie tanken konnte. Lange Zeit hoffte man, dass „Opportunity“ sich zurückmelden würde, sobald der Staubsturm vorüber war. Doch die Hoffnung schwand mit jedem Tag, den „Opportunity“ still blieb, ein Stückchen mehr.

Vielleicht wurde es dem Rover auf dem Mars zu kalt und seine Instrumente wurden in Mitleidenschaft gezogen? Das Rover-Team weiß es nicht. Es weiß auch nicht, ob vielleicht einfach nur die Solarpaneele so staubig sind, dass der Rover nicht genügend Sonnenlicht abbekommt, um daraus Energie zu gewinnen. Für diesen Fall hofften die Experten auf so genannte „Dust Devils“, Luftverwirbelungen, die die Solarpaneele vom Staub säubern. 2014 hatte ein solches Ereignis das Energielevel von „Opportunity“ um 70 Prozent gesteigert. Doch bisher ist nichts Vergleichbares geschehen.

Letzte Chance: neue Kommandos für „Opportunity“

Ende Januar, rund um den 15. Jahrestag der Landung „Opportunitys“ auf dem Mars, gab die Nasa bekannt, dass nun ein neuer Versuch unternommen werde, den Rover zu erreichen. Neue Kommandos wurden zum Mars geschickt. So wollte man auf „sehr unwahrscheinliche Ereignisse“ reagieren, die an Bord des Rovers hätten geschehen können und die ihn vom Senden abhalten könnten. „Wir werden weiterhin verschiedene Techniken nutzen, um den Rover zu kontaktieren“, sagte „Opportunity“-Projektmanager John Callas damals.

Mehr als 600 Mal hat das Projektteam den Rover kontaktiert, seit er im vergangenen Juni verstummt ist. „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir je wieder von dem Rover hören, sinkt mit jedem Tag“, erklärte Callas Ende Januar. Damals war bereits klar: Die Zeit für „Opportunity“ wird knapp. Die Jahreszeit auf dem Mars, in dem Winde die Solarpaneele reinigen könnten, nähert sich ihrem Ende. Es wird langsam Winter in der Gegend des roten Planeten, in der sich „Opportunity“ befindet. Die extrem kalten Temperaturen könnten den Batterien und dem Computersystem des abgeschalteten Rovers irreparablen Schaden zufügen - wenn das nicht längst geschehen ist.

Auf Twitter verabschieden sich zahlreiche ehemalige und aktuelle Teammitglieder von „ihrem“ Rover. „Heute denke ich an mein liebstes Weltraumbild aller Zeiten: Diesen verrückten Haufen Schrott, der wie ein Leuchtfeuer glüht, inmitten eines Meeres aus Sand“, schreibt Scott Hulme auf Twitter und meint damit ein Bild, das den Hitzeschild von „Opportunity“ auf dem Mars zeigt. „Gut gemacht, Tochter. Gut gemacht“, twittert Scott Maxwell, der auf Twitter als @marsroverdriver firmiert.

„Opportunity war die langlebigste Mission auf einer Oberfläche und der Rover, der am weitesten gefahren ist“, betont Mike Seibert auf Twitter. „„Opportunity“ übertraf alle Erwartungen mit 45,2 gefahrenen Kilometern und 5111 Mars-Tagen. Gegrüßt sei die Königin des Mars!“

Dr. Tanya Harrison, die früher zum Team der Mars-Rover „Opportunity“, „Spirit“ und „Curiosity“ gehörte, war beim Senden der letzten Kommandos an „Opportunity“ dabei. „Da war Stille. Da waren Tränen. Da waren Umarmungen. Es gab Erinnerungen und Lachen, das wir geteilt haben“, schreibt sie auf Twitter und spricht damit etwas an, das immer wieder deutlich wird: Ein Rover wie „Opportunity“ wird für das Team mit der Zeit zu einem echten Teammitglied - um das nun gebührend getrauert wird.

Dabei hat das Team hinter dem Rover auch allen Grund, stolz zu sein: Statt geplanten 90 Mars-Tagen war „Opportunity“ mehr als 5000 Tage auf dem roten Planeten aktiv. Schon während der Primärmission konnten der Rover und sein Zwilling „Spirit“ nachweisen, dass es auf dem Mars einst Wasser gegeben haben muss. Bereits sechs Wochen nach der Landung des Rovers konnte die Nasa Erfolge vermelden - da hatte sich „Opportunity“ noch gar nicht von seiner Landestelle entfernt.

Es folgten Jahre der Erfolge, Momente des Hoffens und Bangens - und immer wieder neue Erkenntnisse vom Mars. Das Abenteuer von „Opportunity“ auf dem Mars ist nun endgültig vorbei - doch die Erforschung des Mars geht weiter: Mit „Curiosity“ ist seit 2012 ein weiterer Rover auf dem Mars aktiv und seit vergangenem Jahr ist mit „InSight“ ein Landegerät auf dem roten Planeten stationiert, das wortwörtlich Temperatur und Puls des Mars messen soll. Außerdem steht mit „Mars 2020“ ein weiterer Rover in den Startlöchern - denn „Opportunity“ hat noch längst nicht alle Geheimnisse des roten Planeten gelüftet.

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