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Mars-Mission: Wird der Rover „Rosalind Franklin“ von der Nasa gerettet?

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Von: Tanja Banner

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Der ExoMars-Rover „Rosalind Franklin“ sollte eigentlich im Herbst 2022 zum Mars aufbrechen.
Der ExoMars-Rover „Rosalind Franklin“ sollte eigentlich im Herbst 2022 zum Mars aufbrechen. © Esa/ATG Medialab

Wegen des Ukraine-Kriegs liegt die europäisch-russische Mars-Mission auf Eis. Hilft die Nasa dabei, den Rover „Rosalind Franklin“ zu retten?

Paris – Durch den russischen Einmarsch in der Ukraine hat sich einiges in der Welt verändert, auch die Raumfahrt ist betroffen. Besonders hart getroffen hat es die europäische Raumfahrtorganisation Esa, die gemeinsam mit der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos seit vielen Jahren an einem Mars-Rover arbeitete. Nachdem der Start des ExoMars-Rovers „Rosalind Franklin“ mehrfach wegen technischer Probleme verschoben werden musste, sollte es im Herbst 2022 endlich so weit sein: Der europäische Rover sollte von einer russischen Rakete ins Weltall befördert werden und mithilfe der russischen Landeplattform „Kasatschok“ sicher auf dem Mars landen.

Doch der Ukraine-Krieg machte den Forschenden, die seit vielen Jahren an dem Rover arbeiten, einen Strich durch die Rechnung: Die Esa verkündete Mitte März 2022, dass der zweite Teil der ExoMars-Mission wegen des Ukraine-Konflikts ausgesetzt werde. Der erste Teil der Mission – der „ExoMars Trace Gas Orbiter“ – umkreist dagegen seit Oktober 2016 den roten Planeten. Wie geht es nun mit „Rosalind Franklin“ weiter? Der Rover ist einsatzbereit und wartet in einer Lagerhalle in Italien auf seinen Einsatz. Ob der so bald kommen wird, ist derzeit jedoch fraglich. Ein Blick auf die Optionen.

ExoMars-Mission der Esa: Wird der Mars-Rover „Rosalind Franklin“ gerettet?

Die ExoMars-Mission, zu der der Mars-Rover „Rosalind Franklin“ gehört, ist eine Kooperation zwischen der Esa und Russland. Um den Rover zum Mars zu bringen, müssen die Teile der Mission, die von Russland gestemmt werden, anderweitig vergeben werden. Konkret geht es dabei um die Rakete, die den Rover ins Weltall befördert sowie um die Landeplattform, die „Rosalind Franklin“ sicher landen lässt. Der Esa bleiben mehrere Möglichkeiten:

Rakete: Die Esa könnte den russischen Part hierbei quasi selbst übernehmen und auf eine „Ariane 6“-Rakete setzen, die derzeit im Auftrag der Esa entwickelt wird. Die Esa könnte den Raketenstart auch einem anderen Partner übergeben – etwa der US-Raumfahrtorganisation Nasa – oder bei einem privaten Raumfahrtunternehmen wie SpaceX in Auftrag geben.

Landeplattform: Die europäische Raumfahrtorganisation könnte eine eigene Landeplattform für ihren Mars-Rover bauen. Alternativ scheint eine Kooperation mit der Nasa bei der Landeplattform möglich.

Mission absagen: Als weitere Möglichkeit gilt, dass die Esa den zweiten Teil der ExoMars-Mission endgültig abblasen könnte. Alleine die sterile Einlagerung des Rovers ist sehr teuer.

Nasa und Esa sprechen über gestrandeten Mars-Rover „Rosalind Franklin“

Tatsächlich gibt es offenbar Gespräche zwischen Esa und Nasa zum ExoMars-Rover „Rosalind Franklin“. Im April bestätigte Esa-Generaldirektor Josef Aschbacher in einem Interview mit dem Portal SpaceNews: „Unsere Teams arbeiten mit den Teams der Nasa an den technischen Schritten, die unternommen werden müssten.“ Aschbacher meint damit die Möglichkeit, die russische Landeplattform selbst zu ersetzen – mithilfe der Nasa. Auch die Nasa bestätigt die Gespräche in einer Mail, aus der der Scientific American zitiert: „Wir haben kürzlich damit begonnen, die Optionen für die ExoMars-Mission gemeinsam zu bewerten“, heißt es darin.

Bei einer weiteren Sache könnte die Nasa die ExoMars-Mission unterstützen: Der Esa fehlt Plutonium, das für eine Radioisotopen-Heizung für den Rover benötigt wird. Die USA könnten – genau wie Russland – den radioaktiven Stoff liefern. „Wir fragen die Nasa, ob sie uns das zur Verfügung stellen könnte“, erklärt Esa-Mitarbeiter Jorge Vago gegenüber dem Scientific American.

Esa und Nasa wollten gemeinsam zum Mars – dann stieg Russland ein

Dass nun ausgerechnet die Nasa dabei helfen könnte, den ExoMars-Rover „Rosalind Franklin“ zu retten, ist äußerst ironisch: Ursprünglich gab es Gespräche zwischen Nasa und Esa über eine gemeinsame Mars-Mission, aus denen die Nasa wegen Finanzierungsfragen ausgestiegen war. Als Ersatz stieg die russische Raumfahrtbehörde in das Projekt ein – an deren Beteiligung das Mars-Projekt nun zu scheitern droht.

Mission zum Mars: Wird „Rosalind Franklin“ jemals zum roten Planeten fliegen?

Egal, wie die künftigen Pläne in Sachen ExoMars-Rover aussehen: Fest steht, dass ein möglicher Start des Rovers „Rosalind Franklin“ sich um weitere Jahre verzögern wird. Etwa alle zwei Jahre öffnet sich ein gutes Startfenster für den Flug zum Mars. 2022 wird der Rover nicht starten, so viel ist bereits klar. 2024 dürfte kaum machbar sein, wenn man bedenkt, wie lange Entwicklung und Tests neuer Geräte dauert. „Meine Erwartung ist, dass 2028 am wahrscheinlichsten ist für unsere Mission, aber es wird harte Arbeit bedeuten“, schreibt der Forscher Andrew Coates auf dem Portal The Conversation. Coates ist am „PanCam“-Instrument des europäischen Mars-Rovers beteiligt. „Positiv ist, dass die Esa und die Mitgliedstaaten nach wie vor daran interessiert sind, voranzukommen, und wir sehen dem Start, wann auch immer das sein wird, mit Spannung entgegen“, betont Coates.

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