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„ExoMars“-Mission: Europäischer Mars-Rover soll im September starten

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Von: Tanja Banner

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Der ExoMars-Rover „Rosalind Franklin“ soll im Juni 2023 auf dem Mars landen, der Start ist für September 2022 anvisiert.
Der ExoMars-Rover „Rosalind Franklin“ soll im Juni 2023 auf dem Mars landen, der Start ist für September 2022 anvisiert. © Esa/ATG Medialab

Der europäische Mars-Rover „Rosalind Franklin“ soll im September zum roten Planeten aufbrechen. Doch die Landung ist heikel – wie immer auf dem Mars.

Paris – Der Mars ist der Planet, der von den meisten Raumsonden erforscht wird – und im Herbst 2022 soll noch eine weitere Mission den roten Planeten ins Visier nehmen. Die europäische Raumfahrtorganisation Esa will ihre „ExoMars“-Mission vervollständigen und den Rover „Rosalind Franklin“ samt der russischen Landeplattform „Kazachok“ zum Mars schicken. „Der Rover ist bereit und wir sind zuversichtlich, dass wir den Starttermin im September einhalten können“, zitiert die Esa den Leiter des „ExoMars“-Rover-Teams Pietro Baglioni in einer Mitteilung.

Der Start des Rovers wurde bereits mehrmals verschoben: Zuerst war der Start von Mars-Rover und Landeplattform für 2018 geplant, wurde dann aber wegen Verzögerungen auf ein günstiges Startfenster im Sommer 2020 verschoben. Da es jedoch Probleme mit den Fallschirmen gab, die den Rover bei der Landung auf dem Mars abbremsen sollen, wurde die Mission erneut verschoben. Im September 2022 öffnet sich für zehn Tage erneut ein günstiges Startfenster zum Mars, das die Esa nun anpeilt.

Mission zum Mars: Esa und Roskomos wollen im Herbst 2022 starten

Der Rover „Rosalind Franklin“ und seine Landeplattform, die von der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos zugeliefert wird, befinden sich derzeit in einem Reinraum in Italien. Nach einer letzten Überprüfung im April sollen alle Komponenten nach Baikonur transportiert und auf den Start mit einer russischen Proton-Rakete vorbereitet werden. Etwa neun Monate dauert der Flug zum roten Planeten, die Ankunft ist für den 10. Juni 2023 geplant. Dann folgt der wohl schwierigste Teil der Mission: die Landung auf dem Mars.

Die gilt als besonders schwierig, weil der atmosphärische Druck auf dem Mars weniger als ein Prozent des Drucks der Erde beträgt. Das führt dazu, dass Raumsonden sehr schnell zu Boden fallen und in kürzester Zeit sehr stark abgebremst werden müssen. Gleichzeitig ist der Mars so weit von der Erde entfernt, dass die Kommunikation nicht in Echtzeit stattfinden kann – die Raumsonde muss alle Manöver autonom durchführen. Nach Angaben der US-Raumfahrtorganisation Nasa waren bisher nur etwa 40 Prozent aller zum Mars gestarteten Missionen erfolgreich.

Landungen auf dem Mars scheitern immer wieder – „Sieben Minuten des Schreckens“

Landungen auf dem Mars scheitern immer wieder, wie auch die Esa aus leidvoller Erfahrung weiß: Beim Start des ersten Teils der „ExoMars“-Mission im Jahr 2016 scheiterte die Landung von „Schiaparelli“, einem Gerät, mit dem die Landung auf dem Mars erprobt werden sollte. Bei den Landungen der letzten beiden Nasa-Rover „Curiosity“ und „Perseverance“ galt die Zeit vom Eintritt in die Mars-Atmosphäre bis zur Ankunft auf der Oberfläche deshalb als die „sieben Minuten des Schreckens“. Es ist eine Zeit, in der die Missions-Beteiligten auf der Erde nichts anderes tun können als zu warten und zu hoffen: Warten auf die ersten Signale vom Mars und hoffen, dass alle Manöver funktionieren und die Sonde heil auf der Oberfläche ankommt.

Start- und Landetermin

Der Start des „ExoMars“-Rovers „Rosalind Franklin“ ist für den 20. September 2022 um 15.10 Uhr (dt. Zeit) vorgesehen. Das ideale Startfenster für den Mars schließt sich am 1. Oktober 2022. Die Landung auf dem Mars ist für den 10. Juni 2023 um 16.32 (dt. Zeit) geplant. (tab)

Ein besonderes Augenmerk dürfte bei der Esa-Mission auf den Fallschirmen liegen. Sie waren der Hauptgrund, warum der Start des „ExoMars“-Rovers von 2020 auf 2022 verschoben wurde. Nach erfolgreichen Fallschirmtests Ende vergangenen Jahres gibt sich die Esa nun zuversichtlich, im September 2022 starten zu können. Der Rover „Rosalind Franklin“ hat zwei große Fallschirme, die ihn vor der Landung abbremsen sollen – nach Angaben der Esa ist es das größte Fallschirm-Set, das bisher auf dem Mars im Einsatz war. Der erste Fallschirm hat einen Durchmesser von 15 Metern und öffnet sich noch bei Geschwindigkeiten jenseits der Schallgeschwindigkeit. Der zweite Fallschirm, der sich etwas später öffnet, hat einen Durchmesser von 35 Metern. In den kommenden Monaten soll es noch weitere Tests mit den Fallschirmen geben.

Mars: Esa-Rover „Rosalind Franklin“ soll im Herbst 2022 starten

Ist die Landung auf dem Mars gelungen, soll der Rover „Rosalind Franklin“ von seiner russischen Landeplattform fahren. Ein Vorgang, der auf der Erde bereits mit einem Zwilling des Rovers geübt wird. „Das Verlassen der Landeplattform ist ein langer und kritischer Vorgang. Wir müssen behutsam vorgehen und ihn aus Sicherheitsgründen wie in Zeitlupe herunterfahren lassen“, erklärt Andrea Merlo, Leiter der „ExoMars“-Robotikabteilung von Thales Alenia Space, dem industriellen Hauptauftragnehmer der „ExoMars“-Mission. Nach der Landung wird es mehr als eine Woche dauern, bis der Rover seine Räder und seinen Mast ausgeklappt hat, Tests durchgeführt hat und von der Plattform heruntergefahren ist.

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„Sobald die sechs Räder auf der Marsoberfläche aufkommen, beginnt die Geschichte dieses Rovers auf dem Mars. Wir sind bereit und freuen uns auf die eigentliche Mission“, schaut Merlo voraus. Zur Mission des Rovers „Rosalind Franklin“ gehört, nach vergangenem oder aktuellem Leben auf dem Mars zu suchen. Außerdem soll der Rover in den Boden des Mars hineinbohren, um Proben aus einer Tiefe von bis zu 1,7 Metern zu entnehmen. Unterstützt wird „Rosalind Franklin“ dabei vom „Trace Gas Orbiter“ (TGO) der Esa, der den Mars im Rahmen des ersten Teils der „ExoMars“-Mission bereits seit 2016 umkreist und zuletzt eine Entdeckung unter dem „Grand Canyon“ des Mars gemacht hat.

„Nicht mehr lange und der europäische Rover kann 2023 mit einem wissenschaftlichen Labor der Spitzenklasse an Bord endlich zu den anderen Marsfahrzeugen stoßen“, freut sich Esa-Mitarbeiter Baglioni. Doch vor den Forschungsarbeiten auf dem Mars steht die Landung, die bisher nur der Nasa und der chinesischen Raumfahrtbehörde CNSA gelungen ist. Übersteht der Rover „Rosalind Franklin“ im Juni 2023 die „sieben Minuten des Schreckens“, darf sich die Esa also in eine sehr elitäre Runde einreihen. (tab)

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