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Das Rauchen von Cannabis-Produkten führt zu einer besonders hohen Konzentration der berauschenden Substanz THC.

Gesundheit

Konsum von Marihuana kann zu Herzproblemen führen

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US-Kardiologen warnen vor Gesundheitsrisiken und Wechselwirkungen von Marihuana mit Medikamenten.

  • Marihuana-Rauchen könnte das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen
  • Marihuana könnte außerdem die Wirksamkeit verbreiteter Medikamente verändern
  • Weltweit konsumieren Schätzungen zufolge rund 190 Millionen Menschen gelegentlich Marihuana

Das Rauchen von Marihuana könnte das Risiko für mehrere Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen und zudem die Wirksamkeit verbreiteter Medikamente verändern, die weltweit von Millionen Menschen eingenommen werden. Das haben US-amerikanische Kardiologen vom Women’s Hospital in Boston herausgefunden, wie das „Ärzteblatt“ berichtet.

Anlass für die im „Journal of the American College of Cardiology“ veröffentlichte Studie war unter anderem der steigende Marihuana-Konsum in den USA. In den Vereinigten Staaten ist der Besitz, Gebrauch und Verkauf der Droge zwar laut Bundesrecht verboten, elf Bundesstaaten haben Marihuana jedoch als Rauschmittel für Personen ab 21 Jahren legalisiert. Schätzungen zufolge konsumieren weltweit rund 190 Millionen Menschen gelegentlich Marihuana. In Deutschland sollen 3,7 Millionen Menschen wenigstens einmal im Jahr zu der Droge greifen, ohne dafür einen medizinischen Grund zu haben.

Marihuana wird aus getrockneten weiblichen Blüten der Hanfpflanze gewonnen

Marihuana oder auch „Gras“ wird aus den getrockneten weiblichen Blüten der Hanfpflanze gewonnen (während Haschisch vor allem aus deren Harz besteht). Der lateinische Name Cannabis bezeichnet sowohl die Hanfpflanze selbst als auch ihre Produkte mit psychoaktiver Wirkung. Wegen der schmerzstillenden und krampflösenden Wirkung können Ärzte seit 2017 auch in Deutschland Cannabis bei einigen Krankheitsbildern auf einem Betäubungsmittelrezept verordnen, unter anderem bei schweren Spasmen.

Die Wissenschaftler um Muthiah Vaduganathan schätzen, dass unter den regelmäßigen Marihuana-Rauchern in den USA auch mehr als zwei Millionen Herzkranke sind. Als Basis dafür diente ihnen eine Analyse der „National Health and Nutrition Examination Survey“, Für diese Menschen könnte der Konsum des Rauschmittels laut den aktuellen Erkenntnissen ein besonders großes Risiko darstellen.

THC im Cannabis erhöht das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen

Im Fokus steht dabei die Substanz Tetrahydrocannabiol, kurz: THC. Sie ist in größeren Mengen vor allem in den unbefruchteten weiblichen Hanfblüten enthalten und für die psychoaktive Wirkung von Cannabisprodukten verantwortlich. Über das Rauchen - pur oder gemischt mit Tabak – oder das Inhalieren per Vaporizer kommt es zu einer besonders hohen Konzentration von THC im Blut.

Wie die Kardiologen berichten, hätten Beobachtungsstudien gezeigt, dass Cannabis das Risiko für verschiedene kardiovaskuläre Erkrankungen erhöhe. So würden Gefäßerkrankungen bei Menschen, die Marihuana rauchen, dreimal häufiger als beim Rest der Bevölkerung auftreten. Gefährdet sollen dabei vor allem junge Menschen sein. So habe eine Studie mit Patienten, die vor ihrem 45. Lebensjahr einen Schlaganfall erlitten, ergeben, dass 17 Prozent Marihuana-Konsumenten waren. Die Forscher vermuten, dass eine veränderte Durchblutung des Gehirns oder Funktionsstörungen des Endothels – der inneren Auskleidung von Blutgefäßen – dafür verantwortlich sein könnten.

Mögliche Folgen des Marihuana-Konsums: Herzrhythmusstörungen, Vorhofflimmern

Laut „Ärzteblatt“ schädigt gerauchtes Marihuana auch den Herzmuskel, weil viele toxische Stoffe, die in Zigaretten vorkommen, eben auch im Marihuana-Rauch enthalten seien. Weitere Folgen des Konsums können laut den US-Kardiologen Herzrhythmusstörungen sein, darunter das potenziell gefährliche Vorhofflimmern.

Auch habe eine kleine experimentelle Studie ergeben, dass das Rauchen von Marihuana bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit bereits bei einer geringeren Belastung als in der Gruppe, die nur einen Placebo rauchte, eine Angina pectoris auslöste. Bei einem Angina pectoris-Anfall kommt es zu einer Durchblutungsstörung des Herzens. Als Ursachen dieser negativen Effekte vermuten die Wissenschaftler durch Marihuana ausgelösten zellulären Stress und erhöhte Entzündungreaktionen.

Auswirkung von Cannabis auf Herz und Kreislauf

Bereits 2017 hatte es eine Studie zur Auswirkung von Cannabis auf Herz und Kreislauf gegeben. Die Mediziner des Einstein Medical Center in Philadelphia kamen damals zu dem Ergebnis, dass Marihuana das Risiko für einen Schlaganfall um 26 Prozent und das für ein Herzversagen um zehn Prozent erhöht. Die Forscher vermuteten, dass Letzteres mit der Tatsache zu tun hat, dass Herzmuskelzellen, die für die Kontraktionsfähigkeit wichtig sind, über Rezeptoren verfügen, an die das THC im Cannabis andocken kann.

In der aktuellen Studie entdeckten die US-Forscher um Muthiah Vaduganathan noch einen weiteren Zusammenhang, der sich für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen negativ auswirken könnte. So bauen die gleichen Enzyme in der Leber das THC ab, die auch für Statine und Warfarin zuständig sind. Statine sind Medikamente, die viele Menschen mit erhöhtem Cholesterinspiegel einnehmen. Warfarin ist ein Mittel, das die Blutverdünnung hemmt und vor allem in den USA häufig zur Vorbeugung und Therapie von Gefäßverschlusserkrankungen verordnet wird.

Konsum von Cannabis kann Wirkung von Medikamenten verändern

Beim Konsum von Cannabis müsse damit gerechnet werden, dass die Wirkstoffkonzentration dieser Medikamente im Blut steige, fürchten die Wissenschaftler. Bei Statinen könnte das dazu führen, dass sie weniger gut vertragen werden. Bei Warfarin besteht sogar die Gefahr tödlicher Folgen: In höherer Konzentration könnte der Blutverdünner zu lebensgefährlichen Blutungen führen.

Seine berauschende Wirkung entfaltet das THC, indem es sich an bestimmte Rezeptoren in den Nervenzellen des Gehirns bindet, an sogenannte Endocannabinoidrezeptoren. Das führt in den Synapsen zu einer unnatürlich starken Übertragung von Reizen zwischen den Nervenzellen. Das wiederum bewirkt, dass Cannabiskonsumenten Sinneseindrücke und Gefühle intensiver wahrnehmen, auch der schmerzlindernde und muskelentspannende Effekt ist darin begründet.

Auch Immunzellen besitzen übrigens Endocannabinoidrezeptoren. Deshalb ist davon auszugehen, dass Cannabisprodukte die Körperabwehr beeinflussen. In welcher Weise das geschieht, ist allerdings noch nicht erforscht. Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass Cannabis Immunreaktionen unterdrücken könnte.

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