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Der Marderhund ist mit dem Fuchs verwandt. Senckenberg
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Der Marderhund ist mit dem Fuchs verwandt. Senckenberg

Coronavirus

Marderhunde: Invasive Art und potenzielle Wirte für Sars-CoV-2

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Forschende aus Frankfurt sequenzieren das Genom der Marderhunde und finden Belege dafür, dass die Tiere das Coronavirus übertragen können.

Wie Waschbären haben sich auch Marderhunde in Europa stark verbreitet, obwohl sie hier nicht heimisch sind – die einen sind aus Nordamerika gekommen, die anderen aus Asien über Russland, wo sie ab 1928 als Pelztiere angesiedelt wurden. Um 1960 herum tauchten die ersten Marderhunde in der Bundesrepublik auf, wo sie heute als „invasive Art“ gelten.

Denn die mit dem Fuchs verwandten Allesfresser sehen zwar putzig aus, ähnlich wie Waschbären, können nach Ansicht von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als Futterkonkurrenten und Räuber aber die Bestände einheimischer Tiere gefährden – etwa die von Vögeln, die am Boden brüten. Und sie können Krankheiten wie Tollwut, Staupe und Fuchsbandwurm übertragen, auf Haustiere und bei engem Kontakt auch auf Menschen.

Corona: Marderhunde ein Reservoir für Sars-CoV-2

Ein Forschungsteam des Loewe-Zentrums für Translationale Biodiversitätsgenomik am Senckenberg Biodiversität und Klimaforschungszentrum in Frankfurt hat nun im Erbgut der Marderhunde Belege dafür gefunden, dass die Tiere auch ein Reservoir für Sars-CoV-2 sein und den Erreger somit potenziell weitergeben können. Dafür sequenzierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das gesamte Genom des Marderhundes. Ihre Studie wurde im Fachmagazin „Frontiers in Genetics“ veröffentlicht.

Der Marderhund ist mit dem Fuchs verwandt.

Das Erbgut hat das Team um Sven Klimpel, Professor für Parasitologie und Infektionsbiologie an der Goethe-Universität Frankfurt, aus Blut- und Gewebeproben der Tiere gewonnen. Insgesamt umfasst das Genom des Marderhundes 2,39 Milliarden Basenpaare, die in ihrer Abfolge die Erbinformation der DNA bilden. Wo in dieser riesigen Datenmenge welches Gen für welches Protein zu finden ist, fanden die Forscherinnen und Forscher anhand von Laboruntersuchungen sowie mithilfe von Hochleistungsrechnern am Loewe-Zentrum heraus.

Marderhunde können sich mit Coronavirus infizieren und es auf Menschen übertragen

„Im Genom des Marderhundes haben wir die Gene für zwei Membranproteine gefunden, die an Sars-CoV-2 andocken können“, berichtet Molekularökologe Marks Pfenninger: „Sie bilden die genetische Grundlage dafür, dass sich Marderhunde mit dem Coronavirus infizieren und es übertragen können.“ Eines dieser Marderhund-Membranproteine bindet demnach mit größerer Affinität an das Spike-Protein des Coronavirus als es bei verwandten Arten wie Füchsen oder Wölfen oder auch Fledermäusen und asiatischen Schuppentiere der Fall ist.

Bislang geht man in der Wissenschaft davon aus, dass der erste tierische Wirt von Sars-CoV-2 die Fledermaus war. Nicht ganz sicher ist, ob es einen Zwischenwirt gegeben hat und welches Tier das gewesen sein könnte; als Kandidat dafür gilt seit Beginn der Pandemie insbesondere das Schuppentier. „Von welchem tierischen Wirt das Coronavirus letztendlich auf den Menschen übertragen wurde, ist immer noch ungeklärt“, sagt Sven Klimpel: „Unsere Studie zeigt jedoch, dass der Marderhund als geeigneter Reservoirwirt für das Coronavirus fungieren kann.“

Möglicher Reservoirwirt für das Coronavirus: Marderhunde sind eine „invasive Art“

In dem Projekt „Zoonotische und wildtierökologische Auswirkungen invasiver Carnivoren“ untersuchen Klimpel und sein Team, unter anderem, wie einzelnen Gene mit der Übertragung bestimmter Krankheiten zusammenhängen – nicht nur für den Marderhund, sondern auch für andere eingewanderte Arten.

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