1. Startseite
  2. Wissen

Mangelnde Flexibilität wurde den Dinosauriern zum Verhängnis

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Pamela Dörhöfer

Kommentare

Dinosaurier waren sehr gut an bestimmte Ökosysteme angepasst, konnten sich aber nicht umstellen. Getty
Dinosaurier waren sehr gut an bestimmte Ökosysteme angepasst, konnten sich aber nicht umstellen. © Getty Images

Eine internationale Studie geht der Frage nach, warum die Urzeitriesen ausstarben, während viele Säugetiere überlebten

Frankfurt – Unglaubliche 170 Millionen Jahre lang dominierten die Dinosaurier das Leben auf der Erde – bis sie vor 66 Millionen Jahren von der Bildfläche verschwanden. Eine maßgebliche, wenn auch wohl nicht die alleinige Ursache war nach Ansicht der meisten Fachleute der Einschlag eines gewaltigen Asteroiden auf dem Gebiet der heutigen Halbinsel Yucatan in Mexiko, von dem heute noch der rund 200 Kilometer große Chicxulub-Krater zeugt. Danach hatten sich die klimatischen Bedingungen auf der Erde dramatisch verändert. Auch lang anhaltende Vulkanausbrüche haben beim Exitus der Urzeittiere vermutlich eine Rolle gespielt.

Warum aber starben die sogenannten Nicht-Vogel-Dinosaurier aus, während die vermutlich von Dinosauriern abstammenden Vögel, die Säugetiere und Arten wie Schildkröten oder Krokodile besser damit umgehen konnten und überlebten? Dieser Frage sind bereits mehrere Studien nachgegangen. So stellten Forschende der französischen Université de Montpellier in einer 2021 erschienenen Arbeit die These auf, dass sich die Artenvielfalt der Dinosaurier bereits zehn Millionen Jahre zuvor verringert hatte und diese schwindende Diversität wesentlich zu ihrem Ende beitrug.

1600 Fossilien aus Nordamerika untersucht

Die jüngste Arbeit zum Thema stammt von einem internationalen Team um den Paläoontologen und Evolutionsforscher Steve Brusatte von der University of Edinburgh (Schottland) und wurde im Fachmagazin Science Advance veröffentlicht. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass den Dinosauriern ihre Fixierung auf bestimmte Ökosysteme und ihre daraus resultierende mangelnde Anpassungsfähigkeit zum Verhängnis wurde. Die Forschenden hatten dafür rund 1600 Fossilien aus Nordamerika analysiert sowie Nahrungsketten und Lebensräume von Land- und Süßwassertieren während der letzten Millionen Jahre der Kreidezeit (sie endete vor 66 Millionen Jahren) und der ersten Millionen Jahre der folgenden Paläogenzeit modelliert.

Knochen von neuer Dinosaurier-Art in Argentinien entdeckt

Bereits vor dem Asteroideneinschlag waren die Dinosaurier nicht alleine auf dem Planeten, sondern teilten ihn mit anderen Lebewesen, zu denen auch viele kleine Säugetiere gehörten. Letzteren sei es während der Kreidezeit gelungen, sich an die Umwelt anzupassen, während sich die Dinosaurier „in der Zwischenzeit in stabilen Nischen verschanzten, an die sie sich äußerst gut angepasst haben“, heißt es in einer Mitteilung der University of Edingburgh zur aktuellen Studie.

Die Säugetiere hätten sich demnach „ihre eigenen Vorteile durch Diversifizierung geschaffen, indem sie neue ökologische Nischen besetzten, vielfältigere Ernährungs- und Verhaltensweisen entwickelten und durch schnelle Anpassung Klimaveränderungen ertrugen“. Damit seien sie besser als die Dinosaurier in der Lage gewesen, mit der „radikalen und abrupten Zerstörung“ ihrer Umwelt durch den Asteroideneinschlag fertig zu werden.

Säuegtieren zogen sich „in Nischen“

Dass die letzten Dinosaurier in zuvor stabilen Ökosystemen lebten, habe ihr Überleben nach dem Asteroideneinschlag behindert, erklärt Co-Autor Alessandro Chiarenza von der Abteilung für Ökologie und Tierbiologie der Universität Vigo (Spanien). Denn die aus dem All gekommene Katastrophe habe die „ökologischen Regeln der Zeit“ mit einem Schlag verändert: „Umgekehrt waren einige Vögel, Säugetiere, Krokodile und Schildkröten zuvor besser an instabile und schnelle Veränderungen in ihrer Umgebung angepasst, was möglicherweise ihr Überleben erleichterte, als die Dinge plötzlich schlecht wurden.“

Auch als die Dinosaurier von der Erde verschwunden waren, half diese Anpassungsfähigkeit den Säugetieren, sich auf dem gesamten Globus zu verbreiten, sagt Steve Brusatte: „Sie zogen in die Nischen, die von den ausgestorbenen Dinosauriern frei gegeben wurden.“ (pam)

Auch interessant

Kommentare