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Pluto wurde 2006 zum Zwergplaneten degradiert - nur Monate, nachdem die Mission "New Horizons" zu dem Himmelskörper aufgebrochen ist. 2015 schickte "New Horizons" dieses Bild zur Erde.

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Make Pluto great again

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Seit 2006 ist Pluto kein Planet mehr - das könnte sich ändern. Mehrere Wissenschaftler schlagen vor, die Planeten-Definition zu überarbeiten. Dann gäbe es statt acht gleich 110 Planeten im Sonnensystem.

Der Zwergplanet Pluto bewegt immer wieder die Gemüter. 2006 wurde ihm von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) der Planetenstatus aberkannt - ein Aufschrei unter Experten und Laien folgte. 2015 bekam er Besuch von der Sonde "New Horizons", die spektakuläre Bilder von der fremden Welt zur Erde schickte. Nun melden sich mehrere Wissenschaftler - unter ihnen der wissenschaftliche Leiter der "New Horizons"-Mission, Alan Stern - mit einem Vorschlag (PDF) zu Wort. Sie empfehlen der IAU, die Definition für Planeten zu ändern - ein Vorschlag, der aus Pluto wieder einen Planeten machen könnte.

Viele Menschen würden "Nicht-Planeten" als  "zu uninteressant für wissenschaftliche Erforschung" warhnehmen, haben die Wissenschaftler bei der "New Horizons"-Mission zu Pluto beobachtet. Die brach zu dem Himmelskörper auf, als Pluto noch ein Planet war, erreichte ihn jedoch erst neun Jahre nach der Aberkennung des Planetenstatus. Das Ergebnis: Die Wissenschaftler wurden häufig gefragt, warum ein Raumschiff zu Pluto geschickt wurde, wenn der doch "gar kein Planet mehr" sei.

Die neue Definition soll eine einwandfreie wissenschaftliche Klassifizierung und die Intuition der Menschen in Einklang bringen. Die Wissenschaftler wollen die physikalischen Eigenschaften der Himmelskörper betonen und äußerliche Eigenschaften wie die Position im Weltall - umkreist der Planet die Sonne oder einen anderen Himmelskörper? - zurückstellen. Ihr Definitions-Vorschlag: "Ein Planet ist ein sub-stellarer Körper, der nie eine nukleare Fusion durchlaufen hat und der genug Schwerkraft hat, um annähernd kugelförmig zu sein".

Vereinfacht bedeutet ihr Vorschlag für eine neue Definition: "Planeten sind runde Objekte im Weltraum, die kleiner sind als Sterne". Mit dieser Definition hätte man Sterne und Objekte wie weiße Zwerge, Neutronensterne und schwarze Löcher ausgeschlossen, auch Kometen fallen nicht darunter. Pluto dagegen wäre plötzlich wieder ein ernstzunehmender Planet. Und nicht nur Pluto: "Mit unserer Definition zählen wir mindestens 110 bekannte Planeten in unserem Sonnensystem", schreiben die Wissenschaftler. Die sollten Schüler jedoch nicht alle lernen müssen - neun, zwölf oder 25 Planeten würden reichen, glauben die Forscher, die dafür plädieren, künftig nicht mehr nur Planetennamen auswendig zu lernen, sondern die unterschiedlichen Zonen des Sonnensystems ausgehend von der Sonne zu unterrichten: Felsige Planeten in der Nähe der Sonne, Gas-, Fels- und Eis-Planeten in der mittleren Zone und eisige Planeten im äußeren Bereich.

Auch Himmelskörper wie der Jupitermond Europa, der Zwergplanet Ceres oder der Erdmond würden mit der neuen Definition zu den Planeten zählen. Besonders im Licht der komplexen Geologie und Geophysik dieser Himmelskörper sei das naheliegend, so die Wissenschaftler um Alan Stern. In Gesprächen mit der Öffentlichkeit habe man festgestellt, dass die vorgeschlagene Definition gut ankomme, stellen die Forscher fest.

Jetzt ist die IAU am Zug: In der Planeten-Definition von 2006 wird festgelegt, dass ein Planet im Sonnensystem ein Himmelskörper ist, der die Sonne umkreist, genügend Masse hat um nahezu rund zu sein und "die Nachbarschaft" in seiner Umlaufbahn von anderen Himmelskörpern "gereinigt" hat. Das bedeutet: In der Nähe des Planeten dürfen sich nur noch Himmelskörper befinden, die unter dem Einfluss der Schwerkraft des Planeten stehen. Letzeres war der Punkt, der dafür sorgte, dass Pluto 2006 zu einem Zwergplaneten degradiert wurde. Doch die Forscher, die die Planetendefinition ändern wollen, argumentieren, das sei falsch. "Kein Planet in unserem Sonnenystem kann diesen Punkt erfüllen", schreiben sie.

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