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Der Mensch hat 350 Riechsensoren überall am Körper. Deshalb richt er nicht nur mit der Nase sondern auch mit der Haut.

Geruchsforschung

Die Macht der Gerüche

Gerüche steuern unbewusst das Verhalten von Menschen. Sie treffen Entscheidungen, ohne zu wissen, dass sie sie aufgrund eines Geruchts getroffen haben, weiß Wissenschaftler Hanns Hatt .

Bochum. Gerüche beeinflussen das Leben des Menschen maßgeblich. Ganz besonders das von Professor Hanns Hatt aus Bochum.Nach vielen Jahrzehnten Arbeit hat der 61-Jährige dazu beigetragen, dass die Geruchsforschung heute als ein anerkanntes Forschungsfeld gilt.

Als Lehrstuhlinhaber für Zellphysiologie an der Ruhruniversität Bochum zählt er zu den bedeutendsten Geruchsforschern der Welt.In der Abteilung, die er 1992 mit 15 Mitarbeitern übernahm, arbeiten mittlerweile rund 60 Leute. Die Erkenntnisse aus mehr als 30 Jahren Geruchsforschung hat der Forscher jetzt zusammengefasst und im September in einem Buch veröffentlicht.

Wie Gerüche den Menschen steuern, ist dabei nur eines seiner Forschungsgebiete. Einige Mitarbeiter seines Teams arbeiten am Riechverhalten von Insekten, andere befassen sich mit der Funktionsweise des Riechens beim Menschen, erklärt der aus Bayern stammende Hatt.

Die vielen verschiedenen Teilgebiete innerhalb der Geruchsforschung hätten sich aber erst im Laufe der Jahre entwickelt, betont er. Denn das Riechen sei lange als minderwertiger Sinn des Menschen abgetan worden. "Zwanzig Jahre lang fiel es bei großen Kongressen unter 'Sonstiges'", erinnert sich der Forscher.

"Größere Aufmerksamkeit kam dem Sehen und Hören zu." Vor rund zehn Jahren hätten Forscher dann erkannt, welche große Bedeutung das Riechen für den Menschen einnehme. Nicht zuletzt die Erkenntnis, dass der Mensch 350 Riechsensoren überall am Körper hat, habe schließlich den Durchbruch für die Geruchsforschung gebracht.

"Denn nicht nur die Nase, sondern auch Hautzellen, Prostatazellen und sogar Spermien riechen." Letzteres ist eine Erkenntnis aus seinem eigenen Labor, mit der er und sein Team weltweit Anerkennung erlangten.

Heute sei auch bekannt, dass das Riechen eines Menschen schon lange vor der Geburt beginnt. "Es ist nachgewiesen, dass ein Baby sogar schon im Mutterleib Gerüche wahrnehmen kann", sagt Hatt. Dabei sei dem Menschen die Bewertung eines Duftes jedoch nicht angeboren, er müsse sie vielmehr erst mit der Zeit erlernen. Würde eine Mutter einem Kleinkind also nicht sagen, dass Ausscheidungen unangenehm riechen, könnte es das Kind nicht von einem angenehmen Geruch unterscheiden.

Das Duftgedächtnis sei das längste, das der Mensch kennt, sagt Hatt. "Bilder prägen sich bei uns viel besser in Kombination mit einem Duft als alleine ein." So sei auch zu erklären, dass Menschen im Erwachsenenalter ein Bild aus ihrer Kindheit sehen und direkt den entsprechenden Duft in der Nase hätten.

Besonders interessant für ihn sei, wie Gerüche den Menschen unterbewusst steuern. "Oft treffen wir eine Entscheidung, ohne zu wissen, dass wir sie aufgrund eines Geruchs getroffen haben", erklärt Hatt. Vor allem in der Partnerwahl seien Düfte des anderen ausschlaggebend.

In diesem Zusammenhang sehe er "einen klaren Vorteil" in dem kürzlich eingeführten Rauchverbot in Kneipen und Gaststätten. Denn jetzt würden Körpergerüche wie Schweiß erneut wahrnehmbar. "So merken einige vielleicht schon in der Disco, wenn sie jemanden nicht riechen können", meint Hatt.

Von sich selbst sagt Hatt, dass er gerne mal Menschen hinterher riecht. "Ich finde es total faszinierend, was ein Geruch über einen Mensch aussagt", sagt er. "Aber manchmal ist es auch enttäuschend, wenn eine nette Frau vorbeiläuft und sie nicht so toll riecht, wie man vom Aussehen her gedacht hatte." (ddp-nrw)

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