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Der Luchs mit seinen typischen Pinselohren ist die größte Raubkatze Europas.

Luchs

Luchse sind wieder stark bedroht

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Im Grenzgebiet von Deutschland, Tschechien und Österreich ist die Sterberate von Luchsen gestiegen. Forscher vermuten als Grund illegale Jagden.

Sie schienen zurück zu sein in Deutschland: Eine gezielte Wiederansiedelung hat dazu geführt, dass Luchse erneut in unseren Breiten heimisch geworden sind, nachdem sie rund 100 Jahre lang als ausgerottet galten. Doch die einzelgängerischen Jäger mit den charakteristischen Pinselohren sind in einigen Regionen nach wie vor gefährdet. Ihr größter Feind damals wie heute: der Mensch. Und so wie einst die gezielte Bejagung den Wildkatzen den Garaus machte, so setzen ihnen auch heute noch illegale Abschüsse oder Vergiftungen zu.

So kommt ein Forschungsteam der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung Berlin zu dem Ergebnis, dass illegale Jagd den Bestand der Luchse, die im Grenzgebiet von Deutschland, Tschechien und Österreich wiederangesiedelt wurden, stark beeinträchtigt.

Ihre Studie wurde von der Naturschutzorganisation WWF Deutschland in Auftrag gegeben und jetzt in der Fachzeitschrift „Biological Conservation“ veröffentlicht. Die Leitung des Teams hatten der Freiburger Naturschutzbiologe Marco Heurich und die Berliner Landschaftsökologin Stephanie Kramer-Schadt.

Der Luchs ist nach dem Braunbär und dem Wolf das drittgrößte Raubtier in Europa. Sein Revier kann ja nach Landschaftstyp – am liebsten halten sich Luchse in Wäldern auf – bis zu 450 Quadratkilometer umfassen. Die Tiere gehen in der Dämmerung und nachts auf die Jagd. Wie es für Katzen typisch ist, lauert auch der Luchs seiner Beute auf, bevor er angreift und tötet sie schließlich durch einen Biss in die Kehle. Zu seiner bevorzugten Nahrung zählen in Mitteleuropa Rehe, aber auch andere Säugetiere und Vögel frisst er. Ein ausgewachsener Luchs benötigt etwa ein Kilogramm Fleisch am Tag. Einige Jäger fürchten durch die Existenz von Luchsen um ihren Wildbestand, wenig beliebt sind die Wildkatzen traditionell auch bei Landwirten, die Schafe halten. Denn auch diese können zur Beute für Luchse werden.

Bereits in den 1980er Jahren hat man in der Grenzregion von Deutschland, Tschechien und Österreich – auf dem Gebiet des heutigen Nationalparks ?umava 18 Luchse wiederangesiedelt. Die Population entwickelte sich zunächst positiv – geht jedoch seit einigen Jahren zurück, heißt es in der Studie. Demnach breiteten sich die Luchse in der ersten Zeit nach der Wiederansiedlung entlang der Grenze nach Norden bis ins Fichtelgebirge und nach Süden bis ins Waldviertel in Österreich aus. Zwischen 1998 und 2014 ging der Bestand dann aber wieder zurück. Seither, so die Wissenschaftler, stagniere die Zahl der Tiere „auf niedrigem Niveau“. 

In mehreren Forschungsarbeiten war bereits vermutet worden, dass bei diesem Schwund die illegale Jagd auf die Wildtiere eine große Rolle spielen dürfte. Diese Annahme wollten die Naturschutzbiologen aus Freiburg und Berlin in ihrer Studie nun überprüfen. Die Wissenschaftler erfassten dafür in einem Computermodell Daten zur Fortpflanzung, Sterberate, Bewegungsökologie und Größe des Streifgebiets der Tiere. Diese Daten stammten von Satellitenaufnahmen, Fotofallen und Zufallsbeobachtungen. Außerdem errechneten sie ein sogenanntes „Habitatmodell“, das widerspiegelt, wie geeignet das Gebiet als Lebensraum für die Luchse ist. 

Auf Grundlage der Daten simulierte das Modell dann „Computerluchse“, die sich in einer realitätsgetreuen Nachbildung der untersuchten Waldlandschaft bewegten und über die gleichen Eigenschaften wie die Tiere in freier Wildbahn verfügten. Dabei bildete das Modell das reale Straßennetz im Rechner ab. Denn auch der Verkehr stellt eine große Gefahr für Luchse in freier Wildbahn dar – und deshalb sollten auch ihre digitalen Ebenbilder fahrenden Autos zum Opfer fallen können. Auf diese Weise simulierten die Forscher verschiedene Szenarien für die Entwicklung der Luchspopulation und verglichen diese dann mit dem beobachteten Verlauf. 

 Dabei stellten sie fest, dass sich in der ersten Phase von 1982 bis 1996 nur drei bis vier Prozent der Sterberate der Tiere nicht erklären ließen und die Wahrscheinlichkeit, dass die Population aussterben würde, bei weniger als fünf Prozent lag. In der zweiten Phase von 1998 bis 2014 allerdings schnellte die Rate der nicht erklärbaren Sterblichkeit nach oben, sie lag nun bei 15 bis 20 Prozent. „Dahinter stehen mit großer Wahrscheinlichkeit illegale Tötungen“, vermutet das Forscherteam. 

„Leider liegen wir damit im internationalen Vergleich voll im Trend, was die Höhe der vom Menschen verursachten Mortalität anbetrifft“, sagt Stephanie Kramer-Schadt. Da Experten andere Ursachen wie Krankheiten im Untersuchungsgebiet bislang nur in geringem Umfang beobachtet haben, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass vor allem illegale Tötungen die Ursache für die hohe Sterblichkeit der Tiere sind. Die Zahl dieser Tötungen ist zwischen 1998 und 2014 stark gestiegen, so die Schlussfolgerung der Forscher. Mittlerweile sei ein „kritischer Punkt“ erreicht. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Population wieder aussterben kann, liegt im ungünstigsten Fall bei bis zu 74 Prozent“, sagt Marco Heurich. 

Nach den Anforderungen der Weltnaturschutzunion (International Union for Conservation of Nature/IUCN) an eine lebensfähige Population sei dieses Risiko zu hoch. Um die Luchse dauerhaft in der Region zu halten, müsse das illegale Töten der Tiere verfolgt und unterbunden werden, fordern die Wissenschaftler. Außerdem müsse der Lebensraum erhalten und dürfe nicht von Straßen zerschnitten werden.

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