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Bleierne Müdigkeit und Antriebslosigkeit sind häufige Beschwerden bei Long Covid.
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Bleierne Müdigkeit und Antriebslosigkeit sind häufige Beschwerden bei Long Covid.

Corona-Virus

Long Covid: Wenn man monatelang nicht richtig gesund wird

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Long Covid als Folge einer Infektion mit dem Coronavirus kann sich in einer Vielzahl von belastenden Symptomen äußern. Doch noch immer sind die Ursachen nicht ganz klar.

Frankfurt am Main - Nach überstandener Krankheit noch wochen- oder gar monatelang müde, schlapp, kraftlos, unkonzentriert – eine unangenehme, ja beängstigende Vorstellung. Long Covid ist eine gefürchtete Folge einer Infektion mit dem Coronavirus – auch, weil sie sogar nach mildem Verlauf auftreten kann, nicht leicht zu behandeln und schwer zu greifen ist. Bis heute weiß man nicht sicher, warum es den einen trifft und den anderen nicht und wie man gegensteuern kann. Das Phänomen ist erst in Teilen verstanden.

Die Verwirrung fängt schon bei den Begriffen an, man hört von Long Covid oder auch von Post Covid. 14 medizinische Fachgesellschaften haben unter der Leitung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin jetzt Leitlinien zu diesen beiden Syndromen erarbeitet, die auch Definitionen enthalten. Demnach spricht man von Long Covid, wenn Symptome mehr als vier Wochen nach der Infektion anhalten, bestehen sie auch noch nach der zwölften Woche fort, gilt es als Post Covid.

Long Covid: Von Schwindel bis Juckreiz

Bereits einige Monate nach Beginn der Pandemie fiel auf, dass ungewöhnliche viele Menschen, die mit Sars-CoV-2 infiziert waren, sich noch lange danach angeschlagen fühlten – unabhängig davon, wie schwer die Krankheit sie erwischt hatte. Besonders häufig und lange litten sie an bleierner Müdigkeit, auch „Fatigue“ genannt.

Dutzende mögliche Beschwerden sind bis heute dazugekommen. Eine auf einer Internetumfrage basierende Studie des University College London listet mehr als 200 Symptome auf, die zehn verschiedene Organsysteme betreffen. Bei 45,2 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren die Beschwerden zum Zeitpunkt der Umfrage so stark, dass sie nicht voll arbeiten konnten, 22,3 Prozent waren komplett freigestellt.

Zu den häufigsten Symptomen von Long Covid zählen demnach Müdigkeit, Kurzatmigkeit, geringe Belastbarkeit, Konzentrationsstörungen, Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis („Brain Fog“), Herzklopfen, Schwindel, Engegefühl in der Brust, Muskel- und Gelenkschmerzen, Beeinträchtigungen des Geruchs- und Geschmackssinns sowie Unwohlsein. Auch von Schlaflosigkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit, Magen-Darm-Problemen, Juckreiz und Menstruationsbeschwerden wird berichtet.

Long Covid kann auch dann auftreten, wenn man sich nur leicht erkältet gefühlt hat

Außerdem haben Studien gezeigt, dass es zu einer Reaktivierung früherer Infektionen durch das Epstein-Barr-Virus oder andere Herpesviren kommen kann. Nicht selten geht Long Covid auch mit Ängsten und depressiven Verstimmungen einher.

Long Covid kann auch dann auftreten, wenn man sich in der Akutphase nur leicht erkältet gefühlt hat. Laut einer Studie aus Israel sollen sogar vollständig Geimpfte, die sich infizieren, Long Covid bekommen können. Demnach seien 19 Prozent der „Impfdurchbrüche“ davon betroffen. Es wird vermutet, dass insgesamt zehn bis 25 Prozent der infizierten Erwachsenen mit länger andauernden Beschwerden zu kämpfen haben.

Laut einer im Fachmagazin „Nature Medicine“ veröffentlichen Analyse unter Beteiligung der Harvard Medical School (USA) und des King’s College London leiden etwa 13 Prozent der Infizierten nach mehr als 28 Tagen noch unter Beschwerden, 4,5 Prozent sind nach mehr als acht Wochen und 2,3 Prozent nach mehr als drei Monaten immer noch nicht ganz gesund. Damit wäre, unter Berücksichtigung der absoluten Zahlen, nur eine Minderheit der Infizierten betroffenen.

Long Covid bei Kindern

Grundsätzlich gilt: Infizierte Kinder erkranken wesentlich seltener als Erwachsene schwer an Covid-19. Auf die Frage, wie häufig das Long Covid nach sich zieht, liefern Studien widersprüchliche Antworten. Eine Auswahl:

Das King’s College London stellte nach Auswertung der Daten von mehr als 75 000 getesteten Kindern und Jugendlichen fest, dass Infizierte, wenn sie denn überhaupt erkranken, meist nur kurz Beschwerden haben. 95,6 Prozent waren binnen vier Wochen wieder völlig fit, nach acht Wochen hatten nur noch 1,8 Prozent Symptome.

Die Universitätsklinik Rom hingegen liefert einen Bericht, demzufolge mehr als ein Drittel von 126 befragten Kindern nach einer Covid-Erkrankung vier Monate oder länger noch über eines oder mehrere Symptome von Long Covid klagte.

Die Universität Zürich hat in ihre seit März 2020 laufende „Ciao Corona“- Langzeitstudie 2500 Sechs- bis 16-Jährige eingeschlossen. Vier Prozent der Kinder und Jugendlichen mit einem positiven Testergebnis berichteten zwölf Wochen später noch von einem Long-Covid-Symptom, bei den nicht-infizierten waren es zwei Prozent.

Einige Forschende vermuten, dass unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Konzentrationsschwäche bei Kindern als Long Covid fehlgedeutet werden – stattdessen psychosomatischer Natur sind und eher auf die Belastung durch die allgegenwärtige Krankheitsthematik, auf den Lockdown und fehlende soziale Kontakte zurückzuführen sind.

Unklar ist auch , welcher Zusammenhang zwischen Covid-19 und dem seltenen multisystemisches Entzündungssyndrom (MIC) bei Kindern besteht. Es gibt Berichte, wonach Kinder im Anschluss an eine Infektion mit Sars-CoV-2 daran erkrankt sind – ohne dass sie vorher Symptome einer Covid-Erkrankung hatten. Dazu ist jetzt unter anderem in den USA eine groß anlegte Studie gestartet. pam

Aus China kommen indes andere Zahlen. Wie es in einer in „Lancet“ publizierten Studie heißt, soll fast die Hälfte der Menschen, die sich Anfang 2020 in Wuhan infiziert hatten, nach einem Jahr noch unter mindestens einem Symptom leiden. Müdigkeit wurde auch hier am häufigsten genannt. Nach Erkenntnissen aus den USA könnte starkes Übergewicht ein Risikofaktor für Long Covid sein.

Bei Menschen, die mit sehr schweren Verläufen im Krankenhaus und dort vielleicht sogar auf der Intensivstation behandelt wurden, sieht die Situation noch einmal anders aus. Eine Beobachtungsstudie aus Deutschland auf Basis von Daten der Krankenkasse AOK ergab, dass ein Viertel der Covid-Kranken innerhalb von sechs Monaten nach der Entlassung erneut ins Krankenhaus musste.

Neben Symptomen, die aus der akuten Erkrankung fortbestehen, leiden dieser Patientinnen und Patienten oft unter Folgen, die die belastende Therapie und das lange Liegen mit sich bringen können. Beeinträchtigungen der Lungenfunktion, starker Muskelabbau, Sprech- und Schluckstörungen sind häufige Beschwerden nach solchen lebensbedrohlichen Verläufen. Die gute Nachricht: Auch wenn die Lunge durch Covid-19 stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, kann sie sich wieder ganz erholen.

Long Covid: Als ein Ursache gelten Autoimmunprozesse

Die Ursachen von Long Covid sind noch nicht eindeutig geklärt – auch nicht die Unterschiede zu anderen Infektionskrankheiten. Denn, das gerät bei der Fixierung auf Corona in der Hintergrund: Auch bei einer Grippe oder einem Pfeifferschen Drüsenfieber kann es Wochen bis Monate dauern, bis man sich vollständig erholt.

Als eine mögliche Ursache von Long Covid gelten Autoimmunprozesse. Im Laufe einer Covid-Erkrankung kann es zu einer Überreaktion des Immunsystems kommen, bei der sich Abwehrstoffe gegen eigenes Gewebe richten. Daneben kann auch das Virus selbst Schäden anrichten, die nicht so schnell wieder verschwinden: in den Gefäßen, in der Lunge und im Gehirn etwa.

So wird als weitere Ursache von Long Covid eine chronische Entzündung der Innenwände der Blutgefäße vermutet. Sie führt dazu, dass das Blut nicht mehr richtig zirkuliert und Organe nicht genug Sauerstoff erhalten. Zudem wurde festgestellt, dass bei Long Covid die Größe und Steifigkeit der roten und weißen Blutkörperchen verändert und Gerinnungsmarker im Blut erhöht sein können. Ein Team der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg will nun testen, ob ein zur Behandlung von Herzkrankheiten entwickeltes Medikament gegen Autoantikörper auch bei Long Covid hilft. Es könnte gegen die Durchblutungsstörungen wirksam sein.

Auch wird darüber diskutiert, dass bei einigen Infizierten Viren wie „Schläfer“ im Körper verbleiben und erst später „reaktiviert“ werden können. Es gibt deshalb Überlegungen, in Studien die Option einer therapeutischen Impfung zu prüfen.

Spezialambulanzen für die Behandlung von Long Covid nötig

Long Covid zu diagnostizieren ist derweil nicht einfach. Trotz starker Beschwerden lassen sich oft keine schwerwiegenden Organstörungen feststellen. Bildgebende Verfahren und Blutuntersuchungen geben deshalb wenig Aufschluss (Forschende hoffen aber darauf, einen Bluttest für Long Covid entwickeln zu können). Ein Problem besteht zudem darin, dass die Symptome theoretisch auch von anderen Ursachen herrühren können. Die Diagnose besteht deshalb wesentlich darin, andere Krankheiten auszuschließen.

Auch sei die Abgrenzung von psychischen und somatischen Symptomen schwierig, sagt Michael Pfeifer von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. „Viele Fragen zur Diagnose und Therapie von Long Covid sind noch offen.“ Bei der Fachgesellschaft rechnet man damit, dass schon jetzt rund 180.000 bis 380.000 Menschen in Deutschland betroffen sind. Deshalb müssten Versorgungsstrukturen im ambulanten Bereich und bei der Reha sowie Spezialambulanzen für komplexere Verläufe aufgebaut werden. (Pamela Dörhöfer)

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