Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Gehörschäden und mehr

Long-Covid-Syndrom: Immer mehr von Corona-Spätfolgen betroffen

  • VonMirko Schmid
    schließen

Eine Ansteckung mit Corona ist gefährlich und für viele Menschen tödlich. Doch auch nach überstandener Infektion klagen viele Menschen über Spätfolgen.

Corona-Spätfolge Hörbeschwerden: Welche Folgen hat das Long-Covid-Syndrom? (Symbolbild)

Manchester - Dass das Coronavirus die Lunge angreift, zu Atemnot und Fieber führt, ist längst bekannt. Auf den Intensivstationen der Krankenhäuser werden die akuten Symptome bekämpft, werden Erkrankte medizinisch versorgt und nicht selten künstlich beatmet. Wer die ersten Wochen übersteht, gilt zumeist als geheilt. Und doch hat das Virus für nicht wenige Menschen über die erste Symptomatik hinausgehende Spätfolgen - sogenannte Symptome infolge des Long-Covid-Syndroms.

Long-Covid-Syndrom: Das Coronavirus greift verschiedene Organe an

Dass das Coronavirus eine Menge von Organen angreift, geht in der öffentlichen Wahrnehmung häufig unter. Neben der Lunge und den Atemwegen schädigt der Erreger häufig die Nieren und den Darm, auch das Herz und die Nervensysteme bis hin zum Gehirn. Dies kann selbst bei einem weniger gefährlich anmutenden Verlauf der ersten Symptomatik zu neurologischen Folgen führen. Bekannt sind unter anderem Konzentrationsstörungen, Hirnentzündungen und Riechstörungen.

Die Universität von Manchester wertete in Zusammenarbeit mit dem NIHR Manchester Biomedical Research Centre (BRC) insgesamt 56 Studien aus, die einen Zusammenhang zwischen dem Coronavirus und Folgeschäden im Bereich der Gehörgänge und des Mundvorhofs nahelegen. Professor Kevin Munro und Doktorand Ibrahim Almufarrij bündelten Daten aus 24 dieser Studien. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass 7,6 Prozent der an Corona erkrankten Menschen im Anschluss über einen Hörverlust klagten, 14,8 Prozent erlitten einen Tinnitus und 7,2 Prozent berichteten über Schwindelgefühle, welche ihre Ursache wohl in Funktionsstörungen im Innenohr haben dürften.

Das Long-Covid-Syndrom führt bei vielen Patient:innen zu Schädigungen des Hörvermögens

Kevin Munro, Professor für Audiologie an der Universität von Manchester und Leiter des BRC Hearing Health in Manchester, erklärt: „Es ist dringend erforderlich, eine sorgfältig durchgeführte klinische und diagnostische Studie durchzuführen, um die langfristigen Auswirkungen von COVID-19 auf das auditorische System zu verstehen.“ Er führt weiter aus: „Es ist bekannt, dass Viren wie Masern, Mumps und Meningitis zu Hörverlust führen können. Über die auditorischen Wirkungen des SARS-CoV-2-Virus ist wenig bekannt.“

Munro drängt darauf, die Forschungen in Hinsicht auf das Long-Covid-Syndrom weiter fortzuführen. Zwar hätte seine Auswertung weitere Beweise für eine Verbindung zwischen einer Corona-Infektion und diversen Spätfolgen geliefert, dennoch seien die zugrunde liegenden Studien von „unterschiedlicher Qualität“, sodass weitere Forschungsarbeit geleistet werden müsse. Selbst erforscht Munro im Rahmen einer einjährigen Studie mögliche langfristige Auswirkungen einer Corona-Erkrankung auf das Gehör von Menschen, die zuvor im Krankenhaus bedingt durch eine Corona-Infektion behandelt werden mussten.

Professor Munro fordert weitere Forschungen über Folgen des Long-Covid-Syndroms

Sein Team hofft, die Anzahl und den Schweregrad von Covid-19-bedingten Hörstörungen in Großbritannien genau abschätzen zu können und herauszufinden, welche Teile des auditorischen Systems betroffen sein könnten. Um einen Forschungsfortschritt zu erreichen, untersuchen Munro und sein Team die bekannten Faktoren der Symptome des Long-Covid-Sydroms unter Einbindung von Variablen wie dem Lebensstil, Vorerkrankungen und vergangenen Intensivbehandlungen der untersuchten Patient:innen.

Eine erst kürzlich von Professor Munro veröffentlichte Studie zeigt auf, dass mehr als 13 Prozent der aus einem Krankenhaus entlassenen Corona-Erkrankten über eine Veränderung ihres Gehörs berichteten. Sein Doktorand Ibrahim Almufarrij erklärt: „Obwohl die Evidenz von unterschiedlicher Qualität ist, werden immer mehr Studien durchgeführt, um die Evidenzbasis anwachsen zu lassen. Was wir wirklich brauchen, sind Studien, die Covid-19-Fälle mit Kontrollen vergleichen, beispielsweise von Patienten, die mit anderen gesundheitlichen Problemen ins Krankenhaus eingeliefert wurden.“ Denn noch ist die Frage weitgehend unerforscht, ob das Coronavirus selbst für Entzündungen am Hörnerv bzw. im Innenohr verantwortlich ist, oder ob beispielsweise eine Autoimmunreaktion das Gewebe im Ohr schädigt.

Nicht nur das Long-Covid-Syndrom könnte zu den Folgeschädigungen führen

Dies soll auch der Zielrahmen der eigenen Forschung sein, erläutert Almufarrij: „Obwohl Vorsicht geboten ist, hoffen wir, dass diese Studie das Gewicht der wissenschaftlichen Beweise erhöht, wonach ein starker Zusammenhang zwischen Covid-19 und Hörproblemen besteht.“ Professor Munro gibt zu bedenken, dass nicht nur das Coronavirus selbst zu Long-Covid-Symptomatiken führen könnte: „Obwohl dies alarmierend ist, ist Vorsicht geboten, da unklar ist, ob Veränderungen des Hörvermögens direkt auf COVID-19 zurückzuführen sind, oder auf andere Faktoren, wie beispielsweise Behandlungen im Rahmen einer dringenden Versorgung oder Reaktionen des Immunsystems.“ (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Jochen Lübke/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare