1. Startseite
  2. Wissen

Von Haarausfall bis Halluzinationen: Corona-Studie listet 62 Symptome von Long Covid auf

Erstellt:

Von: Tanja Banner

Kommentare

Dass die Symptome bei Long Covid eine große Bandbreite haben, ist bekannt. Nun zeigt eine neue Studie, welche Symptome am häufigsten vorkommen.

Birmingham – Etwa zehn bis 20 Prozent der Menschen, die sich mit Corona infiziert haben, leiden nach der Erkrankung an mittel- und langfristigen Folgen, heißt es bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese Folgen werden unter dem Begriff „Long Covid“ zusammengefasst. Laut WHO werden langfristige Symptome, die Menschen nach einer Corona-Erkrankung haben, dazugezählt. Die bekanntesten dieser Symptome sind Fatigue, Atemlosigkeit oder kognitive Dysfunktionen wie Vergesslichkeit oder ein fehlender mentaler Fokus.

Es gibt sowohl körperliche als auch geistige Symptome von Long Covid. Die Krankheit ist noch längst nicht ganz verstanden – da sie noch relativ neu ist, steht die Forschung noch am Anfang. Fest steht jedoch bereits eines: Menschen, die unter Long Covid leiden, berichten von unterschiedlichsten Symptomen. Eine neue Studie zeigt nun, wie groß die Bandbreite der Long-Covid-Symptome tatsächlich ist und welche Symptome möglich sind.

Wer an Long Covid leidet, kann eine große Bandbreite von Symptomen haben, zeigt eine neue Studie. (Symbolbild)
Wer an Long Covid leidet, kann eine große Bandbreite von Symptomen haben, zeigt eine neue Studie. (Symbolbild) © IMAGO/Mar

Corona: Neue Studie listet 62 Symptome von Long Covid auf

Um zu diesem Ergebnis zu kommen, analysierten Forschende um Shamil Haroon von der University of Birmingham die elektronischen Gesundheitsdaten von 2,4 Millionen Menschen in Großbritannien. In den Daten aus dem Zeitraum zwischen Januar 2020 und April 2021 fanden sich 486.149 Menschen, die eine Corona-Infektion hatten sowie 1,9 Millionen Menschen ohne einen Hinweis auf Corona. Die Forschenden schauten sich die Daten der Personen an, die an Covid-19 erkrankt waren, aber nicht ins Krankenhaus eingewiesen wurden.

Das Forschungsteam stellte dabei fest, dass die ehemaligen Corona-Patient:innen zwölf Wochen nach ihrer Infektion 62 Symptome deutlich häufiger meldeten als Personen, die sich nicht mit Corona infiziert hatten. Grob ließen sich die Symptome in drei Gruppen einteilen: Atemwegssymptome, psychische und kognitive Probleme sowie ein breites Spektrum von weiteren Symptomen. Zu den häufigsten Symptomen bei Long Covid gehören laut der Studie:

Häufigste Symptome bei Long Covid:
Anosmie (Verlust des Geruchssinns)
Kurzatmigkeit
Brustschmerzen
Fieber
Quelle: Studie Symptoms and risk factors for long COVID in non-hospitalized adults

Symptome bei Long Covid beinhalten Amnesie und Halluzinationen

Zu den weiteren häufig gemeldeten Symptomen bei Long Covid gehören laut der Studie folgende:

Weitere Symptome bei Long Covid:
Amnesie (Gedächtnisschwund)
Apraxie (Unfähigkeit, Aufgaben zu bewältigen, für die Bewegungsmuster oder -abläufe aus dem Gedächtnis abgerufen werden müssen)
Stuhlinkontinenz
erektile Dysfunktion
Halluzinationen
Anschwellen der Gliedmaßen
Kalte Gliedmaßen
Fatigue (Ermüdungserscheinungen)
Orthopnoe (Atmen ist nur in aufrechter Haltung möglich)
Brain Fog (Gehirnnebel)
Husten
Ohrenschmerzen
Verstopfte Nase
Tinnitus
Angstzustände
Depressionen
Haarausfall
Veränderung der Menstruation
Allergien
Kopfschmerzen
Quelle: Studie Symptoms and risk factors for long COVID in non-hospitalized adults

Long Covid kann vielfältige Symptome mit sich bringen

Die Studie zeigt, wie vielfältig die Symptome bei Long Covid sein können. Shamil Haroon, ein Autor der Studie, betont: „Diese Untersuchung bestätigt, was Patienten Ärzten und politischen Entscheidungsträgern während der gesamten Pandemie mitgeteilt haben, nämlich dass die Symptome von Long Covid extrem breit gefächert sind und nicht vollständig durch andere Faktoren wie Risikofaktoren des Lebensstils oder chronische Gesundheitszustände erklärt werden können.“ Die in der Studie identifizierten Symptome sollen Haroon zufolge nun helfen, „die Beurteilung von Patienten mit Langzeitfolgen von Covid-19 zu verbessern“.

Die Co-Autorin Jennifer Camaradou erklärt: „Diese Studie trägt wesentlich dazu bei, die Komplexität und Pathologie von Long Covid zu verstehen und zu verbessern. Sie verdeutlicht den Grad und die Vielfalt der Ausprägung von Symptomen zwischen verschiedenen Clustern. Patienten mit Vorerkrankungen werden auch die zusätzliche Analyse von Risikofaktoren begrüßen.“ Tatsächlich listet die Studie nicht nur 62 Symptome bei Long Covid auf – die Forschenden haben auch demografische Gruppen und Verhaltensweisen ermittelt, die ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Long Covid mit sich bringen.

Studie zu Long Covid: Frauen und jüngere Menschen zählen zur Risikogruppe

Zu den Risikogruppen für Long Covid zählen laut der Studie Frauen, jüngere Menschen sowie „Angehörige schwarzer, gemischter oder anderer ethnischer Gruppen“. Auch Personen mit geringem sozioökonomischem Hintergrund, Raucher:innen und übergewichtige Menschen berichteten laut der Studie häufiger von Long-Covid-Symptomen. Außerdem wurde eine große Bandbreite von Gesundheitszuständen mit Long Covid in Verbindung gebracht.

„Wir wissen, dass bestimmte veränderbare Merkmale wie Rauchen und Fettleibigkeit ein erhöhtes Risiko für verschiedene Krankheiten und Zustände, einschließlich Long Covid, mit sich bringen“, erklärt Anuradhaa Subramanian, die Hauptautorin der Studie. „Aber auch andere Merkmale wie das biologische Geschlecht und die ethnische Zugehörigkeit scheinen wichtig zu sein.“

Diese Untersuchung bestätigt, was Patienten Ärzten und politischen Entscheidungsträgern während der gesamten Pandemie mitgeteilt haben, nämlich dass die Symptome von Long Covid extrem breit gefächert sind und nicht vollständig durch andere Faktoren wie Risikofaktoren des Lebensstils oder chronische Gesundheitszustände erklärt werden können

Studienautor Shamil Haroon

An der Studie, die im Fachjournal Nature Medicine veröffentlicht wurde, haben unter anderem Epidemiolog:innen, Krankenhausärzt:innen, Datenwissenschaftler:innen, Statistiker:innen sowie Patient:innen mitgewirkt. Studienautor Haroon betont: „Ich hoffe, dass unsere Forschung auch die Stimmen von Patienten und Betroffenengruppen weiter bestätigt und einen Ansatz zur Unterstützung von Reaktionen des Gesundheitswesens auf neue und neu auftretende Krankheiten liefert.“ (tab)

Auch interessant

Kommentare