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Statt prognostiziertem Baby-Boom: Lockdown lässt die Geburtenrate sinken

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Von: Pamela Dörhöfer

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Der Geburtenrückgang nach Beginn der Corona-Pandemie scheint in Deutschland nicht von Dauer zu sein. Es wurden auch schon wieder Monate mit Anstiegen der Geburtenrate registriert.
Der Geburtenrückgang nach Beginn der Corona-Pandemie scheint in Deutschland nicht von Dauer zu sein. Es wurden auch schon wieder Monate mit Anstiegen der Geburtenrate registriert. (Symbolbild) © Annette Riedl/dpa

Ein Forschungsteam der Universitätsklinik Lausanne führt die Entwicklung auf Verunsicherung durch die Corona-Pandemie zurück.

Lausanne – Eigentlich hatten im Frühjahr 2020 viele angenommen, dass der Lockdown und der damit verbundene Wegfall von Vergnügungen außerhalb der eigenen vier Wände zu einem Babyboom führen würde; so zumindest war es häufig zu lesen und zu hören. Weit gefehlt: Tatsächlich ist es im Januar 2021 in Europa zu einem durchschnittlichen Rückgang der Geburtenrate um 14 Prozent gekommen – also neun bis zehn Monate nach dem ersten Lockdown, der in Deutschland am 22. März 2020 begann und bis zum 4. Mai 2020 dauerte. Das geht aus einer im Fachmagazin „Human Reproduction“ veröffentlichen Studie der Universitätsklinik Lausanne (Schweiz) hervor, die auf Daten der „Human Fertility Database“ beruht.

Demnach hat es in 22 der 24 untersuchten Länder im Januar 2021 einen Geburtenrückgang gegeben – wobei die Zahlen nur für Lebendgeburten erhoben wurden. Am stärksten war die Abnahme mit 28,1 Prozent in Litauen, gefolgt von der Ukraine mit 24,4 Prozent; in beiden Ländern waren die Geburtenzahlen bereits vor Beginn der Pandemie gesunken. Deutlich war der Rückgang auch in Spanien (23,5 Prozent), Rumänien (23,3 Prozent) und Russland (19,1 Prozent).

Ähnlich wie bei Ebola und Zika: Corona-Pandemie sorgt für Rückgang der Geburtenrate

Deutschland, wo die Geburtenrate vor der Pandemie leicht um 1,4 Prozent pro Jahr gestiegen war, lag mit einem Minus von 7,1 Prozent unter dem Durchschnitt der untersuchten Länder, der Rückgang war jedoch höher als in den Niederlanden (1,8 Prozent), in Kroatien (2,9 Prozent) sowie in Tschechien und Ungarn (jeweils 3,2 Prozent). Dänemark und Finnland schwammen gegen den Strom und legten sogar leicht um 1,9 beziehungsweise 0,5 Prozent zu.

So überraschend der Rückgang nach dem Lockdown zunächst klingen mag, so reiht er sich doch ein in ähnliche Beobachtungen bei früheren Epidemien und Pandemien. Als Beispiele führen die Forschenden um Léo Pomar vom Department Woman-Mother-Child der Universitätsklinik Lausanne die Spanische Grippe von 1918, die Ebola-Ausbrüche 2013 und die Zikavirus-Ausbrüche von 2016 an, die allesamt neun Monate nach ihrem Höhepunkt mit einem Rückgang der Geburtenraten verbunden gewesen seien – aufgrund hoher Sterblichkeit oder dem Wunsch von Paaren, „die Schwangerschaft in Krisenzeiten zu verschieben“.

Geburtenrückgang nach Corona-Ausbruch: Auch Stress kann Fruchtbarkeit beeinträchtigen

Letzteres könnte nach Ansicht der Studienautorinnen und -autoren auch in der Corona-Pandemie ein Grund gewesen sein. „Darüber hinaus ist bekannt, dass elterlicher Stress mit einem Rückgang der Fruchtbarkeit verbunden ist, was auch die Empfängnis während einer Krisenphase verhindern kann“, heißt es. Weitere mögliche Gründe sehen die Forschenden in der Angst vor wirtschaftlichem Problemen, der Furcht, dass eine Corona-Infektion ein Risiko für die Schwangerschaft bedeuten könnte, sowie in Berichten über die hohe Belastung des Gesundheitswesens.

Das Ende des Lockdowns führte neun bis zehn Monate später in 13 der 24 Länder wieder zu einem Anstieg der Geburtenzahlen. In Deutschland kam es ab Februar 2021 zu einer Zunahme von 6,9 Prozent, im Mai 2021 sank die Rate dann aber erneut um 1,9 Prozent. (Pamela Dörhöfer)

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