Öko-logisch

Klimakrise: Corona-Lockdown ist keine Lösung

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Zwar wird im Zug der Corona-Pandemie viel CO2 eingespart. Das reicht aber nicht, um die Klimakrise abzuwenden. Die Kolumne Öko-logisch.

  • Die weltweiten Corona-Lockdowns im Frühling haben für einen erheblichen Rückgang der CO2-Emissionen gesorgt.
  • Über die Entlastung für das Klima kann man nicht allerdings nicht freuen.
  • Der Kampf gegen die Klimakrise muss auch über die Corona-Pandemie hinaus stattfinden.

Corona ist gefährlich für den Menschen. Spart aber CO2 ein. Das ist bekannt, seit britische Forschende Mitte des Jahres erste Berechnungen zum Rückgang der Emissionen durch den Lockdown vorlegten. Inzwischen gibt es noch genauere Zahlen. Und die sind durchaus erstaunlich. Der Rückgang der globalen Emissionen im ersten Halbjahr 2020 war nämlich beispiellos. Er fiel stärker aus als in der Finanzkrise von 2008/2009, der Ölkrise von 1979 oder sogar während des Zweiten Weltkrieges.

Tatsächlich wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 1551 Millionen Tonnen weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre gepustet als im gleichen Zeitraum 2019, wie ein internationales Forscherteam berechnet hat. Macht einen Rückgang um 8,8 Prozent. In der globalen Wirtschaftskrise nach der Lehman-Pleite zum Beispiel waren es 2009 nur 1,3 Prozent gewesen. Im Monat April gingen die Emissionen sogar um 16,9 Prozent zurück. Das war während des Höhepunkts der ersten Corona-Welle, als die meisten Länder das öffentliche Leben kräftig zurückfuhren. Erschienen ist die Untersuchung im Fachblatt „Nature Communications“.

Ein weiterer Lockdown reicht nicht, um die Klimakrise abzuwenden.

Corona-Lockdown gegen die Klimakrise: Hauptfaktor Homeoffice

Das größte CO2-Minus gab es im Bereich Landverkehr. Vor allem aufgrund des Wechsels vieler ins Home-Office sanken die Emissionen hier in der Spitze um satte 40 Prozent. Der Energie- und der Industriesektor trugen mit 22 respektive 17 Prozent weniger zu dem Rückgang bei, ebenso die Bereiche Luft- und Schifffahrt.

Überrascht hat die Forschenden, dass sogar der Wohnsektor einen kleinen Rückgang um drei Prozent verzeichnete, und das obwohl die meisten Menschen während des Lockdowns häufig mehr zu Hause waren. Mit Corona hatte das nichts zu tun. Es war eine Folge des ungewöhnlich warmen Winters auf der Nordhalbkugel, der den Heizenergie-Verbrauch senkte.

Corona-Lockdown allein hilft nicht gegen die Klimakrise

Wissenschaftliche Fachleute lassen aber keinen Zweifel daran, dass der Kampf gegen Corona angesichts der zweiten Infektionswelle fortgesetzt werden muss. Und nicht einmal über die Klima-Entlastung kann man sich freuen. Denn sie ist, obwohl historisch groß, zu klein, um die CO2-Konzentration in der Atmosphäre unter der Schwelle für eine unbeherrschbare Klimakrise zu halten. Ein Lockdown, selbst wenn die zweite Welle ihn erzwingt, ist keine Antwort darauf. Es braucht einen radikalen ökologischen Umbau der Industriegesellschaften.

Rubriklistenbild: © YAMIL LAGE/afp

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