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Limitierte Fantasie

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Von: Verena Kern

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Ganz normaler Berufsverkehr in München. Können wir eine Welt ohne Autos denken?
Ganz normaler Berufsverkehr in München. Können wir eine Welt ohne Autos denken? © Sven Hoppe/dpa

Die menschliche Vorstellungskraft scheint nicht so groß wie gedacht. Sie scheitert bei vielen schon an einer Mobilität ohne Auto. Höchste Zeit für Experimente.

Glauben Sie an die menschliche Vorstellungskraft, diese besondere Fähigkeit, die uns gegenüber allen anderen Lebewesen auf dem Planeten auszeichnet? Wir können Neues erfinden, Innovationen hervorbringen, andere Welten entwerfen, unsere Ideen Wirklichkeit werden lassen. Ich bin mir mittlerweile nicht mehr sicher, ob es damit so gut steht, wie wir uns gerne einreden.

Die menschliche Fantasie scheint doch eher limitiert zu sein. Nur drei Beispiele: Die katastrophalen Risiken des Klimawandels – können wir uns nicht vorstellen. Knappheiten bei der Energie – außerhalb unserer Imagination. Mobilität ohne eigenes Auto – kaum denkbar.

Ich habe kein Auto, nehme mich aber gar nicht aus. Aufgefallen ist es mir, als neulich die Straße vor meinem Haus aufgerissen und neu asphaltiert wurde. Die Straße ist eher schmal, für jede Richtung gibt es nur eine Spur, rechts und links parken Autos, daneben stehen große Bäume. Eigentlich ist die Straße gar nicht so schmal. Das wirkt nur so wegen der parkenden Autos. Ich wusste das, aber bloß theoretisch. Erst als die Autos weg waren, wurde mir klar, wie viel Platz da eigentlich ist – der jetzt für ein paar Wochen frei war für flanierende Menschen und spielende Kinder.

Experimente sind gefragt

Ich glaube, so ähnlich ist es überall. Wir haben uns die Welt auf eine bestimmte Weise eingerichtet, und das ist jetzt der Referenzrahmen, in dem wir Vorstellungen entwickeln. Um den Rahmen und damit die Spielräume zu erweitern, müsste man herumexperimentieren. Parkplätze in Grünflächen umwandeln, mehr Radwege anlegen, Bürgersteige verbreitern. Aber das wird bislang rechtlich ausgebremst. Straßenverkehrsgesetz und Straßenverkehrsordnung sind auf den fließenden Autoverkehr ausgerichtet, der nicht gestört werden soll. Neue Radwege oder Tempo-30-Zonen können Kommunen nur einrichten, wenn sie aufwendig eine besondere Gefahrenlage nachweisen.

Im Koalitionsvertrag hat die Ampel eine Reform versprochen. Klimaschutz und Gesundheit sollen künftig auch eine Rolle spielen, Kommunen mehr Freiheiten bekommen, selbst zu entscheiden, was sie verändern wollen. Ein Entwurf von Verkehrsminister Wissing von der FDP lässt immer noch auf sich warten. Dabei müsste das für ihn doch ein Herzensanliegen sein. Mehr Eigenverantwortung wird in seiner Partei ja sonst sehr großgeschrieben. Oder stelle ich mir da was Falsches vor?

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