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Leistungsstärkster Teilchenbeschleuniger der Welt muss Energie sparen

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Von: Tanja Banner

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Der leistungsstärkste Teilchenbeschleuniger der Welt steht in Genf. Doch der Large Hadron Collider (LHC) muss Strom sparen. (Archivbild)
Der leistungsstärkste Teilchenbeschleuniger der Welt steht in Genf. Doch der Large Hadron Collider (LHC) muss Strom sparen. (Archivbild) © imago/JAMES BRITTAIN

Der Teilchenbeschleuniger LHC in Genf reduziert seine Laufzeit, um Strom einzusparen. Doch ganz abschalten kann man das riesige Gerät nicht.

Genf – Die durch den Ukraine-Krieg ausgelöste Energiekrise trifft nicht nur Privathaushalte und Unternehmen – auch die Forschung ist betroffen und muss Energie sparen. Allen voran sind große, energieintensive Forschungsanlagen wie der Large Hadron Collider (LHC) im Cern bei Genf betroffen. Der leistungsstärkste Teilchenbeschleuniger der Welt benötigt pro Jahr etwa 1,3 Terawattstunden Strom – im Vergleich dazu hat die nahegelegene 200.000-Einwohner-Stadt Genf einen Stromverbrauch von drei Terawattstunden im Jahr.

Die Stromkosten des Teilchenbeschleunigers sollen nach ausführlichen Verbesserungen im Frühjahr nun bei etwa 88,5 Millionen Schweizer Franken (etwa 90,4 Millionen Euro) im Jahr liegen, erklärt der Cern-Forschungsdirektor Joachim Mnich gegenüber dem Wissenschaftsjournal Nature. Noch im Winter 2022 sollen jedoch einige Änderungen dabei helfen, den Stromverbrauch des Teilchenbeschleunigers zu senken: Als erste Maßnahme soll der alljährliche technische Stopp zum Jahresende um zwei Wochen vorverlegt werden und bereits am 28. November beginnen. Außerdem soll der Betrieb im Jahr 2023 um 20 Prozent reduziert werden, indem der Teilchenbeschleuniger ab Mitte November für vier Wochen schließt.

Teilchenbeschleuniger LHC bei Genf spart Strom

Diese Schritte helfen dabei, Stromkosten zu sparen, doch nach Angaben von Mnich waren die Kosten nicht der Hauptgrund für die beschlossenen Maßnahmen. „Das ist etwas, das wir nicht in erster Linie tun, um Geld zu sparen, sondern als ein Zeichen von sozialer Verantwortlichkeit“, erklärt Mnich. Durch den Schritt soll im Winter mehr Energie für Privathaushalte zur Verfügung stehen. Neben der reduzierten Laufzeit des Teilchenbeschleunigers sollen auch noch weitere Maßnahmen greifen – beispielsweise das Abschalten der Straßenbeleuchtung in der Nacht oder das Verschieben der Heizperiode um eine Woche. Sollte ein Energienotfall eintreten, soll es nach einem Bericht von Nature weiter Maßnahmen geben.

Das ist etwas, das wir nicht in erster Linie tun, um Geld zu sparen, sondern als ein Zeichen von sozialer Verantwortlichkeit.

Cern-Forschungsdirektor Joachim Mnich

Doch selbst wenn der LHC nicht im Einsatz ist – ganz abschalten kann man ihn nicht. Der 27 Kilometer lange unterirdische Tunnel ist fast auf der gesamten Länge mit Magnetspulen ausgekleidet, die sehr kalt sein müssen, um supraleitend zu sein. Dazu ist flüssiges Helium vonnöten, das konstant bei einer Temperatur von knapp zwei Grad über dem absoluten Nullpunkt gehalten wird. Die dauerhafte Kühlung von 120 Tonnen Helium benötigt eine Leistung von 40 Megawatt, berichtet Der Standard.

Auch andere Forschungsstandorte sind von der Energiekrise betroffen

Auch weitere Forschungsstandorte sind von der Energiekrise betroffen – beispielsweise das Deutsche Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg. Die Anlage kauft den Großteil ihres benötigten Stroms Jahre im Voraus und hat bereits 80 Prozent des Energiebedarfs für 2023, 60 Prozent für 2024 und 40 Prozent für 2025 eingekauft – ob die restlichen 20 Prozent für das kommende Jahr eingekauft werden können, ist jedoch noch nicht klar: „Bei den derzeitigen Preisen können wir uns das nicht leisten“, sagt Wim Leemans, Direktor des Beschleunigers gegenüber Nature. (tab)

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