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Bildungsbericht

Homeschooling: Corona-Krise offenbart Defizite im Bildungswesen

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Der nationale Bildungsbericht zeigt Defizite auf, die durch die Corona-Krise unübersehbar geworden sind – etwa bei der Digitalisierung.

  • Das Coronavirus zeigt durch Homescholling die Defizite auf. 
  • Nutzung digitaler Möglichkeiten scheitert am Einfachsten.
  • Weniger Abiturienten laut Bildungsbericht.

Der Run aufs Abitur scheint gebremst, die Zahl von Schülern ohne Abschluss nimmt wieder zu, die familiäre Herkunft spielt noch immer eine große Rolle für den Bildungserfolg. Und bei der Digitalisierung hinkt Deutschland weit hinterher. Das Zeugnis, das der am Dienstag veröffentlichte nationale Bildungsbericht dem deutschen Bildungssystem ausstellt, fällt mau aus. Aber es gibt auch Lichtblicke.

Corona zeigt Bildungsungerechtigkeit auf

Die Zahlen für die Bestandsaufnahme stammen zwar aus dem Jahr 2018, die Corona-Krise spielt in den Statistiken also keine Rolle. Schulschließungen und Homeschooling aber haben die Defizite, die der Bericht beschreibt, deutlich vor Augen geführt. Und die Folgen, die diese Defizite für das Lehren und Lernen haben.

„Corona hat uns gezeigt, dass sich die Bildungsungerechtigkeit zu verschärfen droht“, sagt Stefanie Hubig (SPD), Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz und amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz der Länder (KMK). „Das ist ein Weckruf an uns alle“, mahnt sie. Der Einfluss des sozialen Hintergrunds auf den Bildungsweg sei viel zu groß. Die Digitalisierung sei wichtiger denn je geworden. Denn Digitalisierung und Bildungs(un)gerechtigkeit hängen eng zusammen.

Digitalisierung: Vielen Schülern fehlt technische Ausrüstung

So stellen die Autoren des Berichts fest, dass die Nutzung digitaler Lernmöglichkeiten oft schon daran scheitert, dass Kinder und Jugendlichen keinen Zugang zu entsprechenden Medien oder Geräten haben. Gerade dieser Zugang sei stark von der sozialen Herkunft abhängig. Technik allein aber genüge nicht.

„Bislang fehlt es an einer überzeugenden und abgestimmten Strategie für die Bildung in der digitalisierten Welt“, kritisiert Kai Maaz. Maaz ist geschäftsführender Direktor des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation (Dipf), das den alle zwei Jahre von einer Autorengruppe herausgegebenen Bericht federführend erstellt. „Wir sehen im internationalen Vergleich einen deutlichen Nachholbedarf“, sagt er. So müsse der Einsatz digitaler Technik systematisch in die Aus- und Weiterbildung des pädagogischen Personals integriert werden. Auch die Ausstattung der Schulen sei zu verbessern.

Bericht zu Digitalisierung verweist auf andere Trends

Der Bericht, der in diesem Jahr die Digitalisierung zu seinem Schwerpunkt gemacht hat, verweist auch auf übergreifende Trends im Bildungswesen. So scheint der Anteil von Schülern und Schülerinnen, die das Abitur oder die Fachhochschulreife anstreben, an eine Grenze gekommen zu sein. Lag dieser Anteil im Jahr 2014 noch bei 53 Prozent, hat er sich 2018 auf rund 50 Prozent eingependelt.

Dafür kommen mehrere Gründe in Frage. „Angesichts der kognitiven Anforderungen, die mit der Erlangung eines bestimmten Bildungsabschlusses verbunden sind, scheint es ganz logisch, dass es eine normale Grenze gibt“, sagt etwa Maaz. Schließlich könnten nicht alle besser sein als der Durchschnitt. Eine Umkehr hin zu niedrigeren Abschlüssen erwartet er allerdings nicht.

Ein anderer Grund für den geringeren Anteil von Abiturienten und Abiturientinnen könnte in einer von den Verfassern des Bildungsberichts festgestellten höheren Durchlässigkeit des Bildungssystems liegen. Man kann immer häufiger auch ohne Abitur oder Fachhochschulreife studieren, etwa nach einer Ausbildung. Abschlüsse seien weniger als früher an Schularten gekoppelt, Erwachsene nutzten zudem verstärkt die Möglichkeiten zur Weiterbildung im Beruf.

Leistungsschere durch Homeschooling weiter geöffnet

Doch verlassen auch wieder mehr Jugendliche die Schule ohne Abschluss. Deren Anteil stieg von 5,8 Prozent im Jahr 2014 auf 6,8 Prozent 2018. Ein Trend, der sich weiter fortsetzen könnte. „Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass sich die Leistungsschere [durch die Schließung der Schulen und Homeschooling] geöffnet hat“, sagt KMK-Präsidentin Hubig. Es erfülle sie mit Sorge, dass wieder mehr Menschen ohne Hauptschulabschluss die Schule verließen. Eine Aufgabe der nächsten Jahre sei es, diese Zahl wieder zu reduzieren und die Schere bei den Bildungschancen zu schließen.

Den gesamten Bericht gibt es unter: www.bildungsbericht.de

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