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Forschung am Coronavirus.

Impfstoff

Langwierige Suche mit etlichen Hürden

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Experten rechnen frühestens 2021 mit der Zulassung eines Impfstoffes gegen das neuartige Coronavirus.

Immer wieder sind in den vergangenen Wochen Meldungen aufgetaucht, Forscher hätten einen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus gefunden. Experten und Politiker betonen jedoch stets, dass ein Impfstoff frühestens 2021 zur Verfügung stehen könnte. Tatsächlich arbeiten in mehreren Ländern Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Forschungsinstituten und Biotech-Firmen daran, ein Vakzin – so der Fachbegriff für Impfstoff – gegen Sars-CoV-2 zu entwickeln. Bis ein solches Mittel jedoch Millionen Menschen vor einer Ansteckung schützen kann, sind noch etliche Hürden zu überwinden.

Selbst wenn ein Impfstoff gefunden ist, muss er erst noch an Tieren und dann in klinischen Tests an Menschen erprobt werden. Erst wenn diese erfolgreich und ohne gravierende Nebenwirkungen abgelaufen sind, kann ein Impfstoff zugelassen werden und auf den Markt kommen. Stephan Becker, Direktor des Instituts für Virologie an der Philipps-Universität Marburg und Koordinator des Bereichs „Neu auftretende Infektionskrankheiten“, rät dazu „viele verschiedene Impfstoffe zu entwickeln, bis wir sagen können, welcher ist der beste“.

Impfstoffe sind biologisch oder gentechnisch hergestellte Antigene, die eine Abwehrreaktion des Körpers hervorrufen sollen. Dabei werden Antikörper gegen diese speziellen Strukturen gebildet, die zu einer Immunität führen. Je nach Erreger hält sie unterschiedlich lange an, weshalb Impfungen oft regelmäßig wiederholt werden müssen. Ein wesentlicher Schritt bei der Entwicklung ist es, beim Erreger eine Zielstruktur zu finden, die als „Vorbild“ für den Impfstoff dient. Ein Favorit beim Coronavirus ist das Spike-Protein, sagt Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen – des Bundesinstituts für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel. Dieses Protein befindet sich auf der Virushülle und „ist das Hauptantigen, das man braucht, um neutralisierende Antikörper zu entwickeln“, erklärt Florian Krammer, Professor für Vakzinologie an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York. Als Antigen habe ein solches Spike-Protein bei Tierstudien für eine Impfung gegen Mers – einem Verwandten des neuen Coronavirus – zu einem „sehr guten Schutz“ geführt, wie Klaus Cichutek berichtet. Allerdings sind die Spike-Proteine auf beiden Erregern nicht komplett identisch.

Bei den Vorbereitungen für präklinische Tests eines potenziellen Impfstoffs gegen eine Infektion mit Sars-CoV-2 auf Basis des Spike-Proteins ist allerdings ein Problem aufgetaucht: „Es wird nach einem Tiermodell gesucht“, erklärt Florian Krammer. „In Mäusen funktioniert das neue Coronavirus zum Beispiel überhaupt nicht.“ Eine Möglichkeit könnte das Verwenden von transgenen Mäusen sein, also Tieren mit manipuliertem Erbgut.

Eine weitere Hürde auf dem Weg zur schnellen Verfügbarkeit eines Impfstoffs sieht der Mikrobiologe darin, dass viele der derzeit beteiligten Biotech-Firmen nicht die Kapazitäten besäßen, Millionen von Dosen herzustellen: „Es muss im Prinzip alles erst aufgebaut werden.“ Krammer sieht es deshalb als „sehr unwahrscheinlich“ an, dass vor 2021 ein Impfstoff für die Bevölkerung erhältlich sein wird. Der Zeitpunkt könne für die aktuelle Pandemie zwar zu spät kommen, ein Impfstoff sei aber auch danach wichtig. „Eines der Szenarien ist, dass das Virus sich jetzt ausbreitet und dann in der Bevölkerung hält und zu einem zentralen Virus wird.“

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