Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ein Stück Plastik auf dem Weg in einen  Pottwal.
+
Ein Stück Plastik auf dem Weg in einen Pottwal.

Kunststoffe

Die langlebigen Alleskönner

Kunststoffe sind leicht, bruchfest oder elastisch und halten mitunter Jahrhunderte. Fragen und Antworten zu dem vielfältigen Material.

Von Lilo Berg

Wie kein anderer ist Kunststoff der Werkstoff der Moderne. Man kann ihn mögen oder nicht, aber niemand entkommt ihm. Und oft ist er überaus nützlich.

Was macht Kunststoff so langlebig?

Die meisten Kunststoffe bestehen aus sehr langen, wasserabweisenden Molekülen. Sie sind anders als die in der Natur vorkommenden Stoffe und deswegen resistent gegen natürlichen Abbau, etwa durch Bodenbakterien. Manche Produkte überdauern Hunderte von Jahren.

Um welche Mengen geht es?

1950 betrug die Weltproduktion nur 1,5 Millionen Tonnen. Heute sind es schon knapp 270 Millionen Tonnen. Der Markt wuchs durchschnittlich um 9 Prozent pro Jahr, die Tendenz ist steigend. In Deutschland wurden 2010 knapp 21 Millionen Tonnen Kunststoffe hergestellt, vor allem für Verpackungen und für das Bauwesen.

Warum ist die Nachfrage so hoch?

Kunststoffe sind Multitalente: Sie sind leicht, bruchfest und elastisch, sie trotzen hohen und niedrigen Temperaturen, sind wiederverwendbar und lassen sich am Ende recyceln. Nach Angaben des Verbandes der Kunststofferzeuger Plastics Europe liegt die Verwertungsquote in Deutschland bei 97 Prozent.

Wird der Verbrauch in Zukunft sinken?

Im Gegenteil: Er wird zunehmen, vor allem bei High-Tech-Produkten. Kunststoffe sind leichter, vielseitiger und stabiler als herkömmliche Werkstoffe wie Stahl oder Aluminium. Leichtere Automobile und Flugzeuge brauchen weniger Treibstoff. Beim Klimaschutz geht es kaum ohne Kunststoffe: So bestehen Wärmedämmplatten für Gebäude vor allem aus Polystyrol und Polyurethan. Und Faserkunststoffe geben den Rotoren von Windrädern die erforderliche Stabilität.

Welche Gesundheitsgefahren drohen dem Menschen?

Aus Laborversuchen ist bekannt, dass winzig kleine Plastikpartikel in die Körperzellen von Weichtieren wie Muscheln eindringen und Immunreaktionen hervorrufen können. Noch ist unklar, ob die Kunststoffe über die Nahrungskette zum Menschen gelangen. Umstritten sind Polycarbonate, weil sie die Chemikalie Bisphenol A enthalten. In hoher Konzentration wirkt die Substanz wie das weibliche Hormon Östrogen. Der Kunststoff PVC enthält oft Weichmacher wie etwa Phtalate, die, wenn hochkonzentriert, die Fruchtbarkeit mindern können. Anderen Weichmachern sind Polyzyklische Aromate beigemischt, die als Krebs erregend gelten. Hinzu kommt, dass Mikroplastik im Meer wie ein Magnet auf Schadstoffe in der Umgebung wirken kann, zum Beispiel auf Umweltgifte wie das Insektizid DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) und den Weichmacher PCB (Polychlorierte Biphenyle).

Sind biologisch abbaubare Kunststoffe die Lösung?

Biokunststoffe basieren in der Regel auf nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, Kartoffeln oder Weizen. Aus Maisstärke produzieren Bakterien zum Beispiel den weit verbreiteten biobasierten Kunststoff Polymilchsäure (Polylactid, kurz PLA). Das Material ist bioabbaubar, aber nur in speziellen Anlagen. In der Natur kann es Jahre dauern, bis Stoffe wie PLA verrotten. Zudem ist etlichen Produkten konventionelles Plastik beigemengt. Experten empfehlen vielfach die Entsorgung in der Restmülltonne. Ein Problem ist auch der bei Biokunststoffen erforderliche Verbrauch landwirtschaftlicher Flächen: Sie entfallen für die Lebensmittelproduktion.

Ist das Verbot von Plastiktüten sinnvoll?

In Italien dürfen seit Anfang des Jahres nur noch biologisch abbaubare Plastiktüten ausgegeben werden. Ob das der Umwelt wirklich hilft, ist umstritten. Wirkungsvoller sei es, die Kunden für Kunststoffbeutel zahlen zu lassen, sagen manche Kritiker. Bis zum Verbot der Kunststoffbeutel waren die Italiener europäische Spitzenreiter im Verbrauch herkömmlicher Plastiktüten.

Was kann der Einzelne tun, um die Plastikmüllmenge zu reduzieren?

Jeder kann zum Beispiel seine Einkäufe im eigenen Beutel, Netz oder Korb nach Hause tragen, Mehrwegsysteme bevorzugen, also Pfandflaschen statt Einwegflaschen, Kunststoffabfälle in die dafür vorgesehen Behälter werfen und bei Sammelaktionen mitmachen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare