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Erschreckende Studie: Langeweile kann sadistisches Verhalten auslösen

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Von: Pamela Dörhöfer

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Man ist das langweilig.
Man ist das langweilig. © Markku Ulander/dpa

Studien aus Dänemark zeigen einen erschreckenden Zusammenhang zwischen Langeweile und Sadismus. Das bestätigen nicht nur Experimente.

Aarhus – Sadismus kann man wohl als eine der scheußlichsten menschlichen Eigenschaften bezeichnen. Die Lust, andere zu quälen, dürften deshalb gewiss die meisten weit von sich weisen. Gleichwohl haben frühere Studien gezeigt, dass die Zahl der Menschen, die sadistisches Verhalten an den Tag legen, durchaus groß ist. Das reicht vom Beleidigen, Verspotten und Mobben bis hin zu körperlichem Missbrauch. Und um das auszulösen, braucht es offenbar mitunter nicht viel.

So hat ein Forschungsteam der Universität Aarhus (Dänemark) bei einer Analyse von neun Studien festgestellt, dass Langeweile ein auslösender Faktor für sadistisches Verhalten sein kann. Ihre Erkenntnisse haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Fachmagazin „Journal of Personality and Social Psychology“ veröffentlicht.

Langeweile und Sadismus: Menschen zermahlen Maden in Kaffeemühle

Für eine dieser Studien beispielsweise hatten Forschende Fragebögen an eine große Zahl von Menschen verteilt, die zufällig auch Fragen zu Langeweile enthielten. Ein genauerer Blick zeigte, dass Menschen zugaben, andere absichtlich häufiger zu verletzen, wenn sie sich langweilten. In einer zweiten Studie ging es um Gewalt beim Militär, auch hier stellte das Forschungsteam fest, dass Langeweile eine Rolle spielte, wenn andere absichtlich geschädigt wurden. Und Langeweile kann ebenfalls ein Treiber zu sein, wenn Erwachsene Kinder verbal oder körperlich missbrauchen; auch das legte eine Studie nahe.

Während diese Arbeiten auf Selbstberichten beruhten, basierten andere auf Experimenten. Für eines davon wurden Freiwillige gebeten, sich Videos anzuschauen – von denen einige langweiliger waren als andere. Während die Teilnehmenden zusahen, konnten sie Maden durch eine Kaffeemühle schieben (wobei sie von den Forschenden getäuscht wurden, tatsächlich wurde den Maden kein Schaden zugefügt). Die Studienautorinnen und -autoren fanden heraus, dass der Löwenanteil der scheinbaren Madenquälerei auf das Konto jener ging, die sich die langweiligeren Videos anschauten. In zwei weiteren Studien zogen Freiwillige anderen Teilnehmenden Geld ab, wenn sie sich langweilten.

Die Forschenden der Universität Aarhus schließen aus ihrer Analyse nicht nur, dass Langeweile ein Auslöser sadistischen Verhaltens ist, sondern auch, dass Menschen durch das Quälen anderer vermutlich negative Gefühle kompensieren wollen, die durch Langeweile entstanden sind. (Pamela Dörhöfer)

Dabei kann Langeweile auch sehr wertvoll sein: Ein Wirtschaftspsychologe findet es wichtig, auch mal völlig planlos durch die Welt zu laufen. 

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