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Lärm stört nicht nur den Schlaf, sondern schädigt auch die Gefäße.

Fluglärm

Wie Lärm die Gefäße schädigt

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Eine Studie der Kardiologie an der Uniklinik Mainz testet die Auswirkungen zweier verschiedener Lärmszenarien auf die Gefäße von Tieren.

Dass Menschen, die über einen längeren Zeitraum Fluglärm ausgesetzt sind, ein höheres Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung haben, ist bereits seit einigen Jahren bekannt. Kardiologen der Universitätsmedizin Mainz haben nun die molekularen Mechanismen entschlüsselt, die zu einer Schädigung der Gefäße führen – und hoffen, dass es auf dieser Basis möglich sein wird, Medikamente zu entwickeln, die den durch Lärm verursachten Effekt abschwächen. Bereits 2013 hatte die Arbeitsgruppe um Thomas Münzel, den Direktor der Mainzer Kardiologie, herausgefunden, dass simulierter Nachtfluglärm das Stresshormon Adrenalin erhöht, die Schlafqualität vermindert und einen Gefäßschaden auslöst. Die genauen Vorgänge dahinter waren jedoch unbekannt.

Für ihre neue Studie testeten die Kardiologen die Auswirkungen zweier verschiedener Lärmszenarien in einem Tiermodell: In einem Versuch wurden die Mäuse vier Tage lang Fluglärm, im anderen über die gleiche Dauer Umgebungslärm ausgesetzt; die mittlere Schallintensität war jeweils identisch. Es stellte sich heraus, dass Fluglärm schon innerhalb eines Tages einen Gefäßschaden auslöst, eine Überempfindlichkeit gegenüber gefäßverengenden Substanzen verursacht und den Spiegel an Stresshormonen deutlich steigen lässt. Das führt unter anderem zu Bluthochdruck.

Vermehrte Bildung von freien Radikalen

Verantwortlich für diesen Effekt war in erster Linie eine vermehrte Bildung von freien Radikalen als Folge des Fluglärms. Die Forscher identifizierten dabei zwei Enzyme, die solche freien Radikale bilden: die die Nicotinamidadenindinukleotidphosphat-Oxidase und Stickstoffmonoxidsynthase. Waren die Mäuse hingegen während der vier Tage mit dem gleichen Pegel an Umgebungslärm konfrontiert, so hatte das keinen negativen Effekt auf die Gefäße.

Die an der Studie ebenfalls beteiligte Arbeitsgruppe von Erwin Schmidt vom Institut für Molekulare Genetik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz analysierte die Erbanlagen in den Gefäßen, die durch den Lärm entweder hoch- oder herunterreguliert werden. Im Fokus standen dabei vor allem jene Gene, die für den Spannungszustand der Gefäße, der Gefäßwandstruktur und den Gefäßzelltod verantwortlich sind, erklärt Schmidt.

Für die Wissenschaftler stellen ihre Ergebnisse einen „Durchbruch in der Lärmforschung“ dar. Man müsse damit rechnen, dass Lärm die Wirkung von Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verstärke und damit die Gefäßverkalkung stimuliere. Demnächst wollen die Forscher auch die Effekte von Straßen- und Schienenlärm untersuchen.

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