Öko-Logisch

Kunststoff-Deponie Meer: Schluss mit Ex-und-hopp-Produkten

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Meere sind zur Kunststoff-Deponie geworden, und die Corona-Pandemie verschärft das Problem in vielen Ländern noch. Doch es ist lösbar.

  • Die Meere sind voller Kunststoff
  • In der Corona-Krise wird zusätzlich viel Einweg-Plastik produziert
  • Die Meere innerhalb von einer Generation frei von Kunststoff zu machen, ist möglich

Corona hat lange Zeit alle anderen Probleme verdrängt. Nur: Verschwunden sind sie dadurch nicht, und sie harren weiter einer Lösung. So die Plastikmüll-Krise. Meere sind zur Kunststoff-Deponie geworden, und die Pandemie verschärft das Problem in vielen Ländern noch. Essensverpackungen, Einweg-Becher, Schutzanzüge, Plastik-Handschuhe – mehr Ex-und Hopp-Materialien denn je werden verbraucht.

Kunststoff boomt - aber die Lage ist nicht aussichtslos

Doch auch abgesehen von Corona – ein Ende des Plastikbooms ist nicht in Sicht. Derzeit gelangen pro Jahr rund elf Millionen Tonnen Kunststoff in die Weltmeere, so Experten der Beratungsgesellschaft Systemiq in einer aktuellen Studie. Wird nicht gegengesteuert, erhöht sich diese Menge bis 2040 auf 29 Millionen, haben sie hochgerechnet. Das hieße umgerechnet: Jede Sekunde würden dann vier Lkw-Ladungen Plastikmüll in die Ozeane abgekippt.

Tonnenweise Kunststoff in den Meeren - ein Problem, das die Pandemie noch verschärft hat.

Die gute Nachricht: Die Sache ist nicht aussichtslos. „Es hat nur eine Generation gebraucht, um dieses Problem zu erschaffen“, kommentiert Studienautor Martin Stuchtey. Der Bericht zeige aber auch, dass es in einer Generation wieder lösbar sei. Es gebe „keinen Raum mehr für Ausreden“, meint der Professor. Alle Lösungen, um die Plastikfrachten ins Meer um 80 Prozent zu senken, seien schließlich bereits vorhanden.

Recycling von Kunststoff: Weniger Emissionen und Ausgaben, mehr Arbeitsplätze

Freilich braucht es dafür radikale Änderungen in allen Bereichen, die mit dem Thema zu tun haben. Stichwörter: Verringerung des Produktionswachstums und des Verbrauchs von Plastik, Ersatz einiger Kunststoffe durch Alternativen wie Papier und kompostierbare Materialien sowie Design von Produkten und Verpackungen mit Blick auf das Recycling. Hinzu kommen eine Ausweitung der Abfallsammlung in Entwicklungs- und Schwellenländern, die Steigerung des Plastikrecyclings sowie die Verringerung der Exporte von Kunststoffabfällen.

Ein ambitioniertes Projekt – ein kompletter „Systemwechsel“, verglichen mit der bisherigen Ex-und-Hopp-Kultur. Doch lohnend. Laut Systemiq-Studie könnten die Treibhausgas-Emissionen, die bei der Herstellung von Kunststoffen anfallen, um 25 Prozent reduziert und zudem 700.000 Arbeitsplätze, etwa in der Recyclingbranche, neu geschaffen werden. Und die Regierungen könnten bis 2040 Ausgaben von 70 Milliarden US-Dollar einsparen. Das sind zwar Peanuts verglichen mit den Corona-Wiederaufbaukosten. Aber Kleinplastik macht eben auch Mist. (Joachim Wille)

Eine Plastiksteuer in der EU soll den Konsum von Einweg-Kunststoff eindämmen. Doch die deutsche Industrie meckert.

Nicht nur Kunststoff gefährdet die Meere: Auch Sonnenmilch ist äußerst schädlich, zum Beispiel für Korallenriffe.

Rubriklistenbild: © imago images/ZUMA Press

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