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Maria Weyersberg: Gottesanbeterinnen, Aquarell nach einer Felsmalerei in Namibia, 1929.

Leo Frobenius

Kunst trifft auf Wissenschaft

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Frobenius und die Frauen: Das Felsbildarchiv des Ethnologen wird in Frankfurt im historischen Kontext gezeigt.

Wie durch ein Schlüsselloch konnte die westliche Zivilisation dank der Expeditionen von Leo Frobenius Anfang des 20. Jahrhunderts auf die Kultur anderer Kontinente blicken. Insgesamt 22 Forschungsreisen nach Afrika, Indonesien, Indien, Australien sowie nach Skandinavien und Italien unternahmen der Ethnologe und sein Team zwischen 1904 bis zu seinem Tod im Jahr 1938.

Schillernde Persönlichkeit: Leo Frobenius, gemalt von seinem Bruder Herman 1924.

Neben der Sammlung von Objekten für Museen, mit deren Verkauf er seine strapaziösen Reisen in entlegene Gegenden der Welt finanzierte, ließ Frobenius einen faszinierenden Bilderschatz anfertigen. Größtenteils erschufen Künstlerinnen beeindruckende ästhetische Nachzeichnungen prähistorischer Felsbilder sowie ethnografische Zeichnungen, Ölgemälde und Fotografien.

Von den rund 8000 originalgetreuen Zeichnungen sowie rund 70 000 Schwarz-Weiß-Fotografien sowie Negativen aus dem Archiv des Frobenius-Instituts in Frankfurt sind nun 200 Bildwerke in der Ausstellung „Frobenius – Die Kunst des Forschens“ im Museum Giersch zu sehen. Nachdem vor allem sensationelle großformatige Bilder vor drei Jahren im Berliner Gropius-Bau gezeigt wurden, sind Exponate nun „endlich auch in Frankfurt“ zu sehen, betont der Museumleiter Manfred Großkinsky.

Allerdings liegt der Fokus nun stärker auf einer historischen Einordnung und den starken Frauen im Expeditionsteam – die Frobeniden, wie sie sich selbst nannten: Sie durchbrachen mit ihrer Abenteuerlust und ihren Reisen in die afrikanische Wüste, das australische Outback oder zu europäischen Eiszeithöhlen die Rollenbilder des gutbürgerlichen Milieus, aus dem sie kamen. Darüber schrieben sie wissenschaftliche Aufsätze, Arbeits- und Reiseberichte. Jahrzehntelang bildeten sie eine eingeschworene Gemeinschaft, schrieben Gedichte und inszenierten Theaterstücke. Etliche Ehen und Liebschaften mit Kollegen wurden eingegangen. Im Zweiten Weltkrieg führte dann die Forscherin Karin Hissink ihren „Amazonenstaat“ am Institut, da die Männer eingezogen wurden, und rettete später einen Teil der Sammlung vor den Bomben.

Alf Bayrle: Holzstelengruppe der Konso, Südäthiopien 1934/35.

Leo Frobenius war eine schillernde, umstrittene und vor allem unkonventionelle Forscherpersönlichkeit: ein konservativer Monarchist mit hervorragenden Beziehungen zu Kaiser Wilhelm II., zugleich war er ein Autodidakt ohne Abitur, aber auf dem neuesten Stand der Technik, was etwa die Fotografie anbelangte. Und der charismatische Ethnologe scharte an seinem Frankfurter Institut so viele Wissenschaftlerinnen und akademisch ausgebildete Zeichnerinnen um sich, wie sie sonst an keiner anderen deutschen Forschungseinrichtung in der Zeit zu finden waren.

„Spahis“ zeigt eine aus Nordafrikanern gebildete französische Reitertruppe, gemalt vom reisefreudigen Künstler Siegfried Sebba, 1932.

Frobenius’ leidenschaftliches Interesse galt der Kunst der Vorzeit und der Kultur Afrikas, die er als einer der ersten europäischen Ethnologen als äußerst wertvoll ansah und die er in populären Publikationen beschrieb. Dennoch war er durchaus kein Feind des Kolonialismus und befürwortete beispielsweise die Prügelstrafe in Deutsch-Togo. Die von ihm befragten Heiler, Würden- und Wissensträger konnten einem Europäer in der Kolonialzeit kaum einen Wunsch abschlagen – und oft ist nicht klar, ob die Objekte freiwillig weggegeben wurden.

Elisabeth Mannsfeld kopierte diese Felsmalerei in Südafrika zwischen 1928 und 1930.

Statt auf das positivistische Sammeln und die realistische Dokumentation setzte Frobenius von Anfang an stark auf die Wirkmacht des Visuellen, die Intuition und die Ergriffenheit. Das von ihm erschaffene Werk verbindet Wissenschaft mit Kunst.

Da er schlecht mit Geld umgehen konnte, war Frobenius ständig auf der Suche nach Sponsoren und vermarktete seine Expeditionen auch gezielt in der Öffentlichkeit – eine Aufnahme etwa zeigt ihn Anfang der 1920er-Jahre, wie er auf einem Elefanten durch München reitet.

Karin Hissink fotografiert Elisabeth Pauli (links) und Katharina Marr am Fels in Algerien 1934/35.

Mit dutzenden Ausstellungen prähistorischer Kunst, die Frobenius vor allem in Europa und den USA organisierte, beeinflusste er auch die Künstler der europäischen Moderne wie Paul Klee, den Frankfurter Städel-Professor Willi Baumeister oder Wols, von denen einige Werke ebenfalls in Frankfurt zu sehen sind. Höhepunkt war die Felsbild-Schau 1937 im Museum of Modern Art (Moma) in New York. Schriftsteller wie Hermann Hesse oder der US-Amerikaner Ezra Pound zeigten sich beeindruckt von Frobenius’ afrikanischen Volkserzählungen, von denen insgesamt zwölf Bände erschienen sind.

Ab ins Museum

Das Museum Giersch in Frankfurt zeigt vom 24. März bis zum 14. Juli mehr als 200 Bildwerke aus der weltweit bedeutenden Sammlung des Frobenius-Instituts. Darunter befinden sich Nachzeichnungen prähistorischer Felsbildkunst sowie ethnographische Zeichnungen, Werke in Öl und Fotografien. Diesen Bilderschatz erstellten Zeichnerinnen und Zeichner, die den Institutsgründer und Ethnologen Leo Frobenius (1873 bis 1938) auf seine Expeditionen nach Afrika, Indonesien, Südamerika, Australien sowie Nord- und Südeuropa begleiteten.

Die Schau „Frobenius – Die Kunst des Forschens“, Schaumainkai 83 (Museumsufer), ist Dienstag bis Donnerstag von 12 bis 19 Uhr geöffnet sowie Freitag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.

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