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Viele deutsche Unternehmen sind enttäuscht von den Bachelor-Stundenten.

Bachelor-Abschlüsse

Kritik an Überspezialisierung

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Bildet deutsche Hochschulen zu viele Fachidioten aus? Der Wissenschaftsrat kritisiert den Wildwuchs der Bachelorstudiengänge und warnt: Zu viel Spezialisierung kann den Berufseinstieg erschweren.

Der Wissenschaftsrat übt harte Kritik am Wildwuchs der Bachelorstudiengänge an deutschen Hochschulen. Das Gremium, das die Bundesregierung und die Länder berät, warnt ausdrücklich davor, „dass die Bachelorprogramme nicht durch Überspezialisierung den Berufseinstieg und die berufliche Entwicklung erschweren dürfen“. In einem Gutachten, das am Montag in Berlin vorgestellt wurde, appelliert der Wissenschaftsrat an die Universitäten und Fachhochschulen, ihre Studiengänge zu überprüfen und entsprechend zu überarbeiten.

Die Zeiten, in denen sich Studenten auf einer Party über ihre Fächer unterhalten und jeder von dem des anderen schon mal gehört hatte, sind längst vorbei. Insgesamt gibt es nach Angaben der Hochschulrektorenkonferenz mehr als 17.000 Studiengänge, etwa 8000 davon mit einem Bachelor-Abschluss. Auch jene, die direkt von der Schule kommen, studieren also teils schon Fächer, die recht spezialisierte Inhalte anbieten. Bachelor-Studiengänge tragen Namen wie „Computervisualistik“, „Energiemanagement“ oder auch „Gesundheitskommunikation“.

Spezialisierung erst im Master

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Manfred Prenzel, befürchtet, dass gerade eine sehr enge Spezialisierung schon während des Bachelors den Studenten zu wenige Anschlussmöglichkeiten bietet – sowohl bei der möglichen Auswahl eines Masterstudienganges als auch bei der Suche nach einem Arbeitsplatz. In Zeiten, in denen jeder Zweite eines Jahrgangs eine Hochschule besuche, sei die Frage nach der Arbeitsmarktrelevanz eines Studiums von hoher Bedeutung. Es müsse vermieden werden, dass die Hochschulen „esoterische Qualifikationen in hoher Zahl“ hervorbrächten, von denen man weder als Angestellter noch als Freiberufler leben könne.

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Dem Wissenschaftsrat gehören Forscher und Personen des öffentlichen Lebens an, die vom Bundespräsidenten berufen werden, sowie Vertreter von Bund und Ländern. Der Vorsitzende und Bildungsforscher Prenzel, dessen Name auch eng mit der Schulvergleichsstudie Pisa verbunden ist, befürchtet, dass häufig gerade Bachelor-Studientitel, die sehr berufsbezogen klingen, die Studenten „in eine sehr enge Spur“ führten. Besser seien breiter angelegte Studiengänge, bei denen aber sowohl auf Praktika als auch auf frühzeitige Berufsberatung gesetzt werden müsse. Eine Spezialisierung könne, wenn gewünscht, im Master-Studiengang erfolgen.

Des Professors Ego

Was aber sind die Gründe für den Trend zu einer Spezialisierung und teils auch Zerfaserung des Angebots schon zu so früher Zeit? Die treibende Kraft ist in doppelter Hinsicht Wettbewerb. Einige Hochschulen versuchen über speziell zugeschnittene Studiengänge Bewerber anzulocken. Die Tücke aus der Sicht des Wissenschaftsrats: Diese Studientitel klingen oft sehr berufsbezogen, bieten aber trotzdem nicht unbedingt eine Perspektive nach dem Studium. Das Studienfach-Marketing von Universitäten und Fachhochschulen kann somit zur Falle für die Studenten werden.

Ein zweiter Grund ist der Wettbewerb unter den Professoren um Prestige und auch darum, die eigenen Lehrinhalte unterzubringen. Wenn jemand einen bestimmten Lehrstuhl habe, sei es für ihn verführerisch, sich mit einem darauf zugeschnitten Studiengang „zu verewigen“, wie Prenzel sagt. Insofern seien entsprechende Entwicklungen im Einzelfall oft auch von wenigen Personen getrieben. Wenn das Fach dann nur wenige Studenten anziehe, seien die Mittel schlecht eingesetzt.

Das Fazit des Wissenschaftsrats: Für diejenigen, die von der Schule kommen, braucht es fachlich breit angelegte Studiengänge, die einen guten Überblick bieten.

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