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„Gefährlich, leichtsinnig und unverantwortlich“ – USA wollen auf Anti-Satelliten-Tests verzichten

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Von: Tanja Banner

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Zahlreiche Satelliten umkreisen die Erde – ihre Dienste werden auf der Erde täglich genutzt. Andere dienen militärischen Zwecken. (Symbolbild)
Zahlreiche Satelliten umkreisen die Erde – ihre Dienste werden auf der Erde täglich genutzt. Andere dienen militärischen Zwecken. (Symbolfoto) © CHROMORANGE/Imago Images

Anti-Satelliten-Raketen verursachen Weltraumschrott und bedrohen so die Raumfahrt. Deshalb fordern die USA dazu auf, künftig darauf zu verzichten.

Washington D.C. – Knapp 65 Jahre sind vergangen, seit mit „Sputnik 1“ der erste künstliche Satellit die Erde umkreiste. Seitdem hat sich in der Raumfahrt einiges getan. Dienstleistungen aus der Branche sind aus dem Alltag kaum noch wegzudenken – auch wenn sich kaum jemand darüber Gedanken macht, woher die Daten für das Navigationssystem oder das Wetter stammen. Dass Satelliten auch in einer Konfliktsituation sehr wertvoll sein können, zeigt gerade der Ukraine-Krieg, in dem die Ukraine von zahlreichen privaten Satellitenbetreibern mit aktuellen Daten aus dem Erdorbit versorgt wird.

Doch die scheinbare Ruhe und der Frieden im Weltall sind trügerisch: In den vergangenen Jahrzehnten wurden nicht nur friedliche Missionen wie die Internationale Raumstation ISS, die seit mehr als 20 Jahren von Menschen bewohnt wird, ins All geschossen – der Weltraum wurde zunehmend auch militärisch interessant. Schon der „Weltraumvertrag“ von 1967 regelte unter anderem, dass keine Massenvernichtungswaffen im Weltall installiert werden dürfen. 110 Staaten haben diesen Vertrag, der auch verhindern soll, dass Himmelskörper von Staaten annektiert werden, bisher unterzeichnet.

Krieg im Weltraum: USA erteilen Anti-Satelliten-Tests eine Absage

Ein Waffen-Typ, der im Weltraum bereits für große Aufregung gesorgt hat, wird im „Weltraumvertrag“ jedoch nicht reguliert: Anti-Satelliten-Raketen. Eine solche Waffe, die von der Erde abgeschossen wird und einen Satelliten gezielt zerstört, hat Russland im November 2021 getestet. Die Rakete traf einen ausrangierten russischen Satelliten in etwa 480 Kilometern Höhe. Der 2,2 Tonnen schwere Satellit Cosmos-1408 zerbarst in tausend kleine Teile – Weltraumschrott, der eine Gefahr für weitere Satelliten in der Erdumlaufbahn darstellt. Auch die ISS war in Gefahr, die Astronaut:innen, die sich zum damaligen Zeitpunkt an Bord befanden, mussten teilweise in ihren Raumschiffen Schutz suchen.

Bekannte Anti-Satelliten-Tests
USA:1985, 1986, 2008
China:2007
Indien:2019
Russland:2021
Quelle: Secure World Foundation, via Washington Post

Mehr als 1600 Schrottteile des ehemaligen russischen Satelliten sowie rund 2800 Bruchstücke, die bei einem chinesischen Anti-Satelliten-Test im Jahr 2007 entstanden, sollen nach US-Angaben die Erde umkreisen. Dieser Weltraumschrott ist eine große Gefahr für Satelliten und die ISS – schon winzige Teile können durch ihre hohe Geschwindigkeit große Schäden anrichten. Aus diesem Grund sorgte der russische Anti-Satelliten-Test für einen Aufschrei in der Branche und darüber hinaus. Auch die USA und Indien haben in der Vergangenheit Anti-Satelliten-Raketen getestet.

Weltraum: Satelliten sind im Ukraine-Krieg wichtiges Hilfsmittel

Bedenkt man, wie wichtig die Aufklärung mittels Satelliten im Ukraine-Krieg ist – durch die Aufnahmen aus dem Weltall können Truppenbewegungen verfolgt, Hinweise auf Kriegsverbrechen gesammelt und sogar die eingesetzten Waffensysteme analysiert werden – kann man sich vorstellen, dass Satelliten ein potenzielles militärisches Ziel sein könnten. Doch kürzlich überraschten die USA mit einem Vorstoß: Die US-Vizepräsidentin Kamala Harris erklärte bei einem Besuch einer US-Luftwaffenbasis, dass die USA sich verpflichten würden, „keine destruktiven Anti-Satelliten-Raketentests durchzuführen“. Diese Tests seien „gefährlich, leichtsinnig und unverantwortlich“ und würden „so viel von dem, was wir im Weltraum tun, gefährden“.

Harris ging noch weiter: In ihrer Rede forderte sie andere Staaten dazu auf, künftig ebenfalls auf Anti-Satelliten-Tests zu verzichten. Die USA sprechen sich für ein internationales Regelwerk über das Verhalten von Saaten im Weltraum aus. „Diese Verpflichtung und die Aufforderung an andere Länder, dem Beispiel zu folgen, ist ein bedeutender Schritt nach vorn“, betonte Brian Weeden von der Secure World Foundation gegenüber der Washington Post. Die Proklamation würde „Druck“ auf China, Russland und andere potenzielle Gegner ausüben, „um entweder dem Beispiel zu folgen oder als diejenigen gesehen zu werden, die potenziell zukünftige Trümmerunfälle verursachen, die allen schaden werden.“

Bei dem freiwilligen Verzicht auf Anti-Satelliten-Tests gehe es jedoch nicht darum, das Militär daran zu hindern, „anderen Ländern die Nutzung des Weltraums in einem Konflikt zu verweigern oder zu erschweren“, erklärte Weeden weiter. Denn es gibt weitere Möglichkeiten, einen Konflikt auf das Weltall auszudehnen, beispielsweise das Hacken von Satelliten oder das Stören von Satelliten-Signalen. Das kann auf der Erde große Auswirkungen haben – dabei entsteht jedoch kein Weltraumschrott, der im schlimmsten Fall sämtliche Satelliten im Erdorbit gefährdet. (tab)

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