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„Jedes Gasschiff schlägt Schwerölschiffe in puncto Luftschadstoffbelastung um Längen“, betont ein Nabu-Experte.

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Kreuzfahrt-Schiff „Aidanova“: Blauer Engel für einen Ozeanriesen?

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Auf Kreuzfahrt gehen ist im Trend. Die Aidanova fährt als erstes Schiff mit Flüssigerdgas und erhält den „Blauen Engel“. Zu Unrecht, sagen Umweltschützer.

Die Welt blickt auf Papenburg, wenn ein strahlend weißes Kreuzfahrtschiff die Bauhallen der Meyer-Werft verlässt. Die in der Kleinstadt im Emsland entstehenden Ozeanriesen sind mehr als nur Hotels auf See. In die Schiffe werden Träume und neuerdings auch Hoffnungen projiziert – Hoffnungen auf eine Energiewende in der Schifffahrt: Denn die im Dezember gebaute „Aidanova“ ist das erste Kreuzfahrtschiff weltweit, das vollständig mit Flüssigerdgas betrieben wird. Und sie ist das erste Kreuzfahrtschiff, das mit dem „Blauen Engel“ ausgezeichnet wurde – ein Siegel des Bundesumweltministeriums.

Die Kreuzfahrtbranche boomt. Allein in Deutschland buchten im vergangenen Jahr rund 2,23 Millionen Menschen einen Ozeantrip, ein Anstieg um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und das, obwohl die Schifffahrt mit zunehmenden CO2-Emissionen das Klima belastet. Schließlich fahren fast alle Kreuzfahrt- und Handelsschiffe mit Schweröl. Der fossile Brennstoff schadet aufgrund des hohen Ausstoßes von Treibhausgasen und Schadstoffen sowohl der Gesundheit als auch der Umwelt.

Kreuzfahrt: „Blauer Engel“ für umweltfreundliche Schiffe

Damit die Schifffahrt ökologischer wird, können Schiffsunternehmer seit 2009 den Blauen Engel für umweltfreundliche Schiffe erwerben. Dafür müssen bestimmte Kriterien erfüllt werden, die etwa den Materialeinsatz an Bord oder die Luftschadstoffminderung betreffen. Die Anforderungen werden von verschiedenen Interessenvertretern entwickelt – darunter der Umweltverband Nabu.

„Die Aidanova erfüllt alle verbindlichen Kriterien und hat bei den optionalen mehr als die notwendige Mindestpunktzahl erreicht“, erkennt Felix Poetschke vom Umweltbundesamt an. „Durch den Betrieb des Schiffes mit Flüssigerdgas erlangt die Aida bei der Minderung der Luftschadstoffemissionen viele optionale Punkte.“ Dass die „Aidanova“ einen Blauen Engel erhalten hat, liege an der Systematik des Umweltzeichens, erläutert Nabu-Verkehrsexperte Daniel Rieger. Der Blaue Engel sei immer ein Vergleich, und in seiner Branche sei das Kreuzfahrtschiff zurzeit das abgasärmste Schiff, denn „jedes Gasschiff schlägt Schwerölschiffe in puncto Luftschadstoffbelastung um Längen“.

Kreuzfahrt-Schiffe: Flüssigerdgas ist ein Fortschritt in Sachen Luftreinhaltung

Als die Kriterien für umweltfreundliches Schiffsdesign 2013 aktualisiert wurden, sei Flüssigerdgas noch Zukunftsmusik gewesen, erläutert Rieger den Umstand, dass ein Kreuzfahrtschiff den Blauen Engel bekommen konnte. Wichtiger sei dem Umweltverband damals der flächendeckende Einbau von Abgastechnik in der bestehenden Flotte gewesen – doch in dem Punkt sei der Nabu von anderen Jurymitgliedern des Blauen Engels überstimmt worden.

Sein Fazit fällt hart aus: „Man sollte kein Kreuzfahrtschiff mit dem Blauen Engel auszeichnen“, sagt Nabu-Experte Rieger. Flüssigerdgas sei zwar im Gegensatz zu Schweröl ein Fortschritt in Sachen Luftreinhaltung, aber keiner in Sachen Klimaschutz.

Grund für die Umweltbedenken beim Flüssigerdgas ist der „Methanschlupf“. Immer wenn Flüssigerdgas im Spiel sei, entweiche Methan in die Atmosphäre, sagt der Nabu-Experte. Ob bei der Gewinnung per Fracking oder beim Transport in Leitungen oder Tankern: „in der gesamten Kette gibt es Methanleckagen“.

Kreuzfahrt-Ranking des Nabu: Aidanova auf Platz eins

Flüssigerdgas (liquefied natural gas, LNG) ist auf minus 162 Grad heruntergekühltes Erdgas. In diesem flüssigen Zustand weist LNG nur etwa ein Sechshundertstel des Volumens von Erdgas auf – das ermöglicht den Transport per Schiff. LNG zeichnet sich außerdem durch einen geringen Ausstoß von Feinstaub und Stickoxiden aus. Allerdings ist Flüssigerdgas fast reines Methan und damit, wenn es entweicht, etwa 25-mal so klimaschädlich wie Kohlendioxid.

Trotzdem schlitterte die Aidanova vom Papenburger Hafen direkt auf Platz Eins im diesjährigen Kreuzfahrt-Ranking des Nabu. Sie erhielt vier grüne Schiffsschrauben in puncto Luftschadstoffminderung, was neben ihr nur ein weiteres Schiff geschafft hat. Bei den Treibhausgasemissionen erhielt sie wie die meisten anderen Schiffe die schlechteste Wertung.

Nur ein kleiner Teil der Branche werde sauberer, kritisiert der Nabu, das Gros setze weiterhin auf Schweröl und verzichte auf Abgastechnik. Nicht so Aida: Schon in vier Jahren sollen „94 Prozent aller Aida-Gäste auf Schiffen reisen, die vollständig mit emissionsarmem Flüssigerdgas oder, wo möglich, im Hafen mit grünem Landstrom betrieben werden“, versichert Hansjörg Kunze von Aida auf Nachfrage. Trotzdem sei LNG nur ein Zwischenschritt. Denn „unser Ziel ist der emissionsneutrale Schiffsbetrieb“, sagt Michael Thamm, Chef des Aida-Mutterunternehmens Costa.

Aida erforscht Einsatz von Brennstoffzellen in der Kreuzfahrt

Bis zur Klimaneutralität muss die Papenburger Meyer-Werft noch viele weitere Umweltmeilensteine bauen. Aber auf Aida ist Verlass: Vor wenigen Tagen hat das Schiffsunternehmen die künftige Nutzung von Strom durch Batteriespeichersysteme an Bord angekündigt. Der Konzern befasst sich außerdem mit der Gewinnung von LNG aus regenerativen Energien und erforscht den Einsatz von Brennstoffzellen in der Kreuzfahrt. Diese nutzen Wasserstoff, um Strom zu erzeugen, der einen Elektromotor antreibt.

Lesen Sie hier eine Kolumne zum Thema Kreuzfahrt

Die Papenburger Geschichte könnte hier enden, gäbe es nicht die bestehende Schweröl-Flotte. Und so dämpft Nabu-Experte Rieger den Optimismus: „Solange der Einsatz fossiler Energieträger massiv subventioniert wird und auch die Emissions- und Energieeffizienzstandards für die Schiffe lächerlich niedrig sind, wird es keine Antriebswende in der Schifffahrt geben.“

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