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Die Behandlung von klimakterischen Beschwerden mit Hormonpräparaten scheinen das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, doch zu erhöhen.(Symbolbild)

Wechseljahre

Hormontherapie in den Wechseljahren erhöht Krebsrisiko - Neue Studie veröffentlicht

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Das Krebsrisiko steigt durch Hormon-Therapien gegen Beschwerden in den Wechseljahren. Eine Meta-Analyse von 58 Studien bestätigt die Kritiker.

Erst war der Aufschrei groß, dann gab es teilweise eine Entwarnung und nun gibt es doch wieder verstärkten Grund zur Vorsicht: Seit US-Wissenschaftler 2002 und 2004 ihre zweiteilige Studie „Women’s Health Initiative“ zur Hormonersatztherapie in den Wechseljahren vorlegten, herrschte bei vielen Frauen im mittleren Alter große Verunsicherung – auch deshalb, weil die Ergebnisse in der Zwischenzeit unterschiedlich ausgelegt wurden.

Der aktuelle Stand: Offenbar erhöht die Behandlung von klimakterischen Beschwerden mit Hormonpräparaten doch das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Das gilt sowohl für Kombinationspräparate mit Östrogen und Gestagen als auch für Monopräparate, die nur Östrogen enthalten. Darauf weist eine Meta-Analyse epidemiologischer Studien hin, die eine Forschergruppe der Universität Oxford im Fachmagazin „Lancet“ veröffentlicht hat.

Hormonpräparate in den Wechseljahren? Studie stellte die Praxis in Frage

Vor 17 Jahren hatte die Präsentation der WHI-Studie Ärzte und Patientinnen gleichermaßen erschüttert, denn sie stellte die bisherige Praxis in Frage, Frauen in den Wechseljahren Hormonpräparate zu verschreiben. Das geschah oft relativ sorglos – und häufig selbst dann, wenn die Frauen nicht unter massiven Beschwerden wie starken Hitzewallungen oder schweren Schlafstörungen litten. Dahinter stand die Annahme, Frauen nach der Menopause mit der Therapie in jedem Fall etwas Gutes zu tun, denn man ging davon aus, dass die künstlichen Hormone auch das Risiko für Herz-Kreislauf- Erkrankungen, Osteoporose und Demenz senken könnten.

Die WHI-Studie sorgte bei ihrem Erscheinen für Ernüchterung und Erschrecken: Die Ergebnisse wiesen darauf hin, dass die Hormontherapie sogar das Auftreten jener Erkrankungen fördern kann, die sie eigentlich verhindern sollte.

Unter einer Östrogen-Gestagen-Kombinationstherapie waren bei den Studienteilnehmerinnen vermehrt Herzinfarkte und Brustkrebs aufgetreten, eine Monotherapie mit Östrogen (sie darf nur Frauen ohne Gebärmutter gegeben werden) erhöhte das Risiko für einen Schlaganfall.

Hormone nur noch bei starken klimakterischen Beschwerden

Fast von einem auf den anderen Tag brachen damals weltweit die Verordnungen der Hormonpräparate ein. Ärztliche Leitlinien, so auch in Deutschland, wurden geändert. Sie empfahlen nun, Hormone nur noch bei starken klimakterischen Beschwerden zu verschreiben – und das auch nur so kurz wie möglich. Zudem raten Ärzte, bei einer Einnahme von Hormonen das Brustgewebe engmaschig mit einer Mammographie untersuchen zu lassen.

Vor fünf Jahren dann relativierten die Autoren selbst die bis dahin vorherrschende Deutung der WHI-Studie, wobei ihnen viele Experten folgten. Die negativen gesundheitlichen Auswirkungen, die sich in der Studie gezeigt hatten, wurden mit dem relativ hohen Alter der Teilnehmerinnen erklärt, die meisten Frauen hatten die 60 bereits überschritten. Für jüngere Frauen hingegen sollte die Hormontherapie kaum riskant sein, hieß es nun - und das vor allem bei einer Einnahme über einen begrenzten Zeitraum von wenigen Jahren.

Erhöhtes Krebsrisiko: Hormontherapie in den Wechseljahren kann zu Brustkrebs führen

Die Verordnungen der Hormonpräparate sind seither wieder nach oben gegangen. Jetzt aber gibt es erneut Anlass, nicht zu schnell zur Hormontablette zu greifen: Wissenschaftler der Universalität Oxford um die Epidemiologin Valerie Beral haben bei ihrer Meta-Analyse gezielt Brustkrebs in den Fokus genommen – jene mögliche Nebenwirkung, die Frauen höchstwahrscheinlich am allermeisten fürchten dürften.

Die Forscher nahmen sich dafür 58 Studien mit 100 000 Brustkrebserkrankungen vor. Was sie herausfanden, ist dazu angetan, Kritiker der Hormonersatztherapie zu bestätigen: Demnach erkrankten Frauen, die in den Wechseljahren eine Hormontherapie begannen, häufiger an Brustkrebs. Das galt sowohl für Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparate als auch für Monopäparate, die nur Östrogen enthalten, für Letztere allerdings in deutlich geringerem Maße. Damit ist dieses jüngste Ergebnis in Bezug auf Brustkrebs noch „schlimmer“ als das der WHI-Studie, die kein erhöhtes Risiko bei einer alleinigen Östrogengabe erkannte. Auch sieht es nun so aus, dass das Risiko für jüngere Frauen sogar noch höher ist als für ältere.

Krebsrisiko: Bösartige Tumore in der Brust treten häufiger auf

Vor allem traten jene Mammakarzinome (bösartige Tumore der Brust) häufiger auf, deren Wachstum durch Östrogene gesteigert wird. Eine Besonderheit zeigte sich in Bezug auf das Gewicht von Frauen: Es gilt als gesichert, dass starkes Übergewicht das Risiko für Brustkrebs erhöht. Das hat damit zu tun, dass Östrogene auch im Fettgewebe gebildet werden, selbst dann, wenn die Produktion in den Eierstöcken bereits versiegt ist. Eine zusätzliche Hormongabe erhöhte das Risiko bei übergewichtigen Frauen allerdings weniger stark als bei schlanken. Auch zeigte die Studie, dass das Krebsrisiko mit der Dauer der Einnahme wächst.

In westlichen Ländern erkranken pro 100 Frauen, die niemals Hormone eingenommen haben, durchschnittlich 6,3 im Alter zwischen 50 und 69 an Brustkrebs. Die Studie zeigte, dass bei Frauen, die ab dem Alter von 50 fünf Jahre lang ein Kombinationspräparat einnahmen, die Häufigkeit auf 8,3 pro 100 stieg. Bei Frauen, die ab 50 fünf Jahre lang ein Östrogen-Monopräparat einnahmen, erkrankten 6,8 von 100.

Krebsrisiko: Wie viele Brustkrebs-Fälle hat die Hormontherapie verursacht?

Studienautorin Valerie Beral geht aufgrund der Ergebnisse davon aus, dass von circa 20 Millionen Brustkrebsfällen, die in den vergangenen 30 Jahren in den westlichen Industrieländern aufgetreten sind, rund eine Million durch die Hormontherapie verursacht wurden.

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