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Blutentnahme für Analyse im Labor

Vorsorge

Brustkrebs im Blut erkennen

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Heidelberger Forscher entwickeln einen Bluttest, mit dem sich Brustkrebs nachweisen lassen soll.  

Mit einer einfachen Blutuntersuchung Krebs im Körper aufspüren – daran arbeiten Forscher weltweit seit vielen Jahren. Bislang existierte jedoch kein Test, der das Vorhandensein eines Tumors zuverlässig nachweisen und unter Umständen unangenehme Untersuchungen ersetzen kann. Wissenschaftlern der Universitätsklinik Heidelberg soll nun genau das gelungen sein: Demnach hat ein Team um Christof Sohn, den Ärztlichen Direktor der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, einen Bluttest entwickelt, mit dem sich Brustkrebs ähnlich sicher wie mit einer Mammographie entdecken lassen soll. Die Trefferquote wird mit durchschnittlich 75 Prozent angegeben, bei einer Röntgenuntersuchung der Brust beträgt sie 78 Prozent. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse basieren auf einer Studie mit mehr als 900 Frauen, rund 500 Patientinnen davon sind Brustkrebspatientinnen. Die Wissenschaftler sprechen von einem „Meilenstein in der Brustkrebsdiagnostik“.

„Der von unserem Forscherteam entwickelte Bluttest ist eine neue, revolutionäre Möglichkeit, eine Krebserkrankung in der Brust nicht-invasiv und schnell anhand von Biomarkern im Blut zu erkennen“, erklärt Christoph Sohn. Bei dem Test handelt es sich um eine „Liquid Biopsy“, eine „flüssige Biopsie“, die ohne invasive Gewebeentnahme auskommt und stattdessen nur wenige Milliliter Blut benötigt. Das Verfahren der Heidelberger Forscher basiert auf dem Prinzip, dass sich aus Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel oder Urin Informationen über das Vorliegen bestimmter Erkrankungen gewinnen lassen. In diesem Fall geht es um spezielle Botenstoffe, die Tumorzellen produzieren. Im Blut von Frauen mit Brustkrebs konnten 15 verschiedene solcher Biomarker identifiziert werden.

Die neue Methode sei „deutlich weniger belastend für Frauen, weil sie weder schmerzhaft ist noch mit einer Strahlenbelastung einhergeht“, sagt Sarah Schott, Sektionsleiterin Translationale Frauenheilkunde und Leiterin für Familiäre Krebserkrankungen an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg. Der Test soll für Frauen jedes Alters geeignet sein, wobei Frauen unter 50 Jahren besonders profitieren würden. Denn bei ihnen gilt die Mammographie als weniger zuverlässig, weil in diesem Alter das Gewebe noch dicht und hormonell bedingten monatlichen Veränderungen unterworfen ist, zudem reagiert es sensibler auf die Strahlenbelastung. Gerade bei diesen jüngeren Frauen habe sich der Test als besonders zuverlässig erwiesen und Tumore zu 80 bis 90 Prozent erkannt, erklären die Heidelberger Forscher.

Laut Statistik des Deutschen Krebsinformationsdienstes muss eine von 80 Frauen im Alter zwischen 40 und 49 Jahren damit rechnen, an Brustkrebs zu erkranken. Frauen mit einer genetischen Vorbelastung haben ein deutlich erhöhtes Risiko, in noch jüngeren Jahren Brustkrebs zu bekommen. Insgesamt ist Brustkrebs in den Industrieländern die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen, in Deutschland wurde 2018 rund 70 000 Patientinnen diese Diagnose neu gestellt.

Der neue Test soll nach Angaben der Forscher nicht nur Brustkrebs, sondern auch Eierstockkrebs anzeigen können und dabei eine Treffsicherheit von 82 Prozent besitzen. Noch in diesem Jahr soll der Bluttest auf den Markt kommen. Dafür wurde auf dem Gelände, wo auch die Heidelberger Uniklinik beheimatet ist, eigens eine Gesellschaft mit dem Namen „HeiScreen GmbH“ ausgegründet. Dort wollen die Forscher noch weitere Bluttests entwickeln, so zur Früherkennung von Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Außerdem arbeiten die Wissenschaftler daran, im Blut künftig auch solche Biomarker frühzeitig zu erkennen, die auf ein Rezidiv oder eine Metastasenbildung hinweisen und Auskunft geben können, ob eine Therapie anspricht oder es zu Resistenzen kommt. Wenn Krebs zum Tode führt, sind fast immer Metastasen die Ursache. Bislang lässt sich jedoch nur schwer prognostizieren, ob ein Tumor Tochtergeschwulste bilden wird.

Sollte sich für den vorliegenden Bluttest die 75-prozentige Sicherheit bestätigen, so wäre das tatsächlich ein Durchbruch und eine Alternative zur Mammographie. Eine Entnahme von Gewebe aus der Brust mittels Biopsie bliebe den Patientinnen im Anschluss gleichwohl nicht erspart, um den Befund abzuklären. Noch nicht geklärt ist zudem die Frage, wie der Bluttest künftig eingesetzt werden könnte – ob als Bestandteil der allgemeinen Früherkennung oder nur bei bestimmten Risikogruppen. Die Forscher weisen darauf hin, dass ihr Test für jedes Labor geeignet sei.

Die Heidelberger Forscher sind nicht die einzigen, die sich mit Liquid Biopsy beschäftigen. Neben der Suche nach Botenstoffen gibt es unter anderem auch den Ansatz, bösartige Zellen oder Erbgutschnipsel mit krebstypischen Mutationen im Blut nachzuweisen – das vor dem Hintergrund der Erkenntnis, dass bereits in frühen Stadien der Erkrankung Genmaterial aus Tumorzellen kontinuierlich ins Blut gelangt. So arbeiten Wissenschaftler derzeit auch an verschiedenen Bluttests zur Darmkrebs-Früherkennung. Diese suchen nach zirkulierender Tumor-DNA, aber nach speziellen krebstypischen Polysacchariden oder nach bestimmten Merkmalen auf Immunzelle, die als Reaktion auf Tumore auftreten. Optimale Ergebnisse lieferten sie in Versuchen bislang jedoch nicht.

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