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Neue Methode zur Krebs-Früherkennung soll 14 Arten erkennen

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Von: Tanja Banner

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In Blut- und Urinproben soll ein neuer Test 14 Krebsarten frühzeitig erkennen. (Symbolbild)
krebs-test-frueherkennung-blut-urin-studie.jpg © Imago/Jannis Chavakis

Krebs früh zu erkennen, ist für eine wirkungsvolle Behandlung wichtig. Ein neuer Blut- und Urintest soll 14 Krebsarten finden können – günstig und einfach.

Uppsala – Um Krebs möglichst wirkungsvoll zu bekämpfen, ist es wichtig, die Erkrankung früh zu erkennen. Forschende aus Schweden haben nun einen neuen Test vorgestellt, der 14 Krebsarten frühzeitig erkennen können soll. Die Studienergebnisse dazu wurden in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht.

Der Krebstest analysiert sogenannte Glykosaminoglykane (GAGs). „Das sind Zuckerverbindungen, die wichtige Aufgaben in der extrazellulären Matrix übernehmen, also in dem Material, das unsere Zellen umgibt“, erklärt Almut Schulze vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. „In Krebszellen scheinen diese GAGs eine andere Struktur aufzuweisen als in gesunden Zellen“, so Schulze weiter. Diese Veränderung lässt sich in Blut und Urin nachweisen.

Bei dem Test handelt es sich um eine sogenannte Flüssigbiopsie, bei der Körperflüssigkeiten wie Blut und Urin auf bestimmte Biomarker hin untersucht werden. Weil der Test sehr einfach durchzuführen und nicht-invasiv ist, kommt er auch für Krebsarten infrage, bei denen die Entnahme einer Gewebeprobe riskant ist – etwa bei Lungen- oder Hirntumoren.

Neuer Test erkennt 14 Krebsarten frühzeitig in Blut und Urin

An der Studie haben 1260 gesunde und an Krebs erkrankte Personen teilgenommen. Nach Blut- und Urintest wurden sechs von zehn Krebskranken korrekt erkannt, bei vier Erkrankten war der Test falsch negativ. Der Krebstest wurde außerdem mit Proben aus einer niederländischen Blutbank sowie an Mäusen getestet.

Dem Forschungsteam zufolge könnten bei der Untersuchung von GAGs bereits wenige Merkmale aussagekräftige Informationen über den räumlichen und zeitlichen Status von Krebs in einem frühen Stadium liefern. Zudem wiesen die meisten der mit dem Test entdeckten Krebsarten eine schlechte Prognose für die Patientinnen und Patienten auf. Dies könne die klinische Bedeutung des Tests erhöhen, schreibt das Forschungsteam.

Aktuelles aus der Krebs-Forschung

Erst kürzlich haben Forschende eine Krebs-Schwachstelle identifiziert, die die Präzisionsmedizin revolutionieren könnte. Außerdem wurde die Ursache für die Entstehung von Metastasen wohl entdeckt.

Aus praktischer Sicht sei der Test einfach und kostengünstig und eigne sich gut für den Einsatz in Massenuntersuchungen. Die Autoren gehen von einem Preis von rund 50 Dollar aus – sehr viel günstiger als andere experimentelle Testverfahren. 14 verschiedene Krebsarten konnte der Test in der Studie erkennen, darunter Brustkrebs, Darmkrebs, Prostatakrebs, Eierstockkrebs und Nierenkrebs (RCC).

Studie zu neuem Krebs-Test: bestimmte Erkrankungen können Aussagekraft verfälschen

Almut Schulz leitet die Abteilung Tumor-Metabolismus und Microenvironment beim DKFZ. Sie findet es „ziemlich beeindruckend“, dass die Autoren eine große Kohorte untersucht haben und betont, dass es in Deutschland nicht möglich gewesen wäre, „vergleichbar viele Blutproben für derartige Forschungszwecke zu bekommen“. Die Expertin betont jedoch auch, dass es bestimmte Erkrankungen gibt, die die Aussagekraft des Tests verfälschen dürften, „weil sich durch derlei Erkrankungen auch die GAGs verändern und dann womöglich zu einem falsch positiven Test führen“.

Die Fachfrau ist sich trotzdem sicher: „Wenn sich der Test auch mit Real-World-Daten mit verschiedenen Populationen bewährt, könnte er früher oder später in die Screening-Routine mit einfließen.“

Krebs-Test „noch weit von regelhafter Anwendung entfernt“

Edgar Dahl, Leiter der Arbeitsgruppe Molekulare Onkologie der Uniklinik der RWTH Aachen findet, „dass die Analyse von Glykosaminoglykanen interessant sein könnte für die Krebsfrüherkennung“. Der Test sei allerdings „noch weit von einer regelhaften Anwendung entfernt“. Davor stünde noch eine „umfangreiche Validierung in großen prospektiven Studien“. (tab)

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