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Moderates Krafttraining kann helfen, gesundheitliche Probleme nach einer Krebserkrankung zu mindern.

Medizin

Krebs und Sport: Bewegung hilft gegen Beschwerden

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Experten legen Empfehlungen vor, wie körperliche Aktivität die Folgen von Krebserkrankung und Therapie mindern kann.

Früher galt: Wer ein Krebsleiden überstanden hat, sollte sich am besten erst einmal schonen. Das scheint zunächst auch naheliegend zu sein. Die Erkrankung selbst, aber auch die Behandlungsmethoden wie Operation, Chemo- und Immuntherapie oder Bestrahlung belasten den Körper und die Psyche schwer – und das oft nicht nur für kurze Zeit, sondern mitunter auch langfristig. Viele Patienten fühlen sich deshalb erschöpft und ausgelaugt. Dann noch Sport machen und sich zusätzlich anstrengen?

Ja durchaus, sagen Experten mittlerweile. Denn was das Thema Bewegung und Krebs angeht, so hat vor einigen Jahren ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Demnach soll ein gezieltes körperliches Training nach und sogar bereits während der Therapie helfen, dass die Patienten sich schneller erholen, wieder mehr Fitness erlangen und sich insgesamt besser fühlen.

Auf Krebs-Patienten abgestimmte Sportangebote in die Krebsnachsorge integrieren

Ein internationales Konsortium von Spezialisten hat kürzlich auf Initiative des American College of Sports Medicine alle verfügbaren Daten dazu ausgewertet und konkrete Empfehlungen veröffentlicht. Daran beteiligt war auch ein Vertreter des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen in Heidelberg (NCT). Ziel ist es nun, in jedem Land flächendeckende, auf onkologische Patienten abgestimmte Sportangebote in die Krebsnachsorge zu integrieren. Die Empfehlungen der Experten richten sich sowohl an onkologische Patientinnen und Patienten als auch an alle Berufsgruppen, die in die Behandlung und Betreuung eingebunden sind.

Die Chancen, von Krebs geheilt zu werden oder zumindest noch viele Jahre nach der Diagnose zu leben, sind dank verbesserter Verfahren zur Früherkennung und Therapie in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Allein in Deutschland leben derzeit vier Millionen Menschen, die eine Tumorerkrankung überstanden haben – die in vielen Fällen jedoch nicht spurlos an ihren vorübergegangen ist.

Krebs: Beschwerden nach überstandener Tumorerkrankung sind vielfältig

Zu den typischen Beschwerden gehören Erschöpfung bis hin zur gefürchteten „Fatique“, einem dauerhaften Zustand bleierner, zermürbender Müdigkeit, Kraft- und Antriebslosigkeit. Es zählen Schmerzen dazu und Polyneuropathie (Missempfindungen wie Kribbeln vor allem in Füßen, Beinen, Händen und Armen), Schlafstörungen, Lymphödeme, eine eingeschränkte Mobilität und eine allgemein eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit. Aber auch Ängste und Sorgen, die sich zu Depressionen auswachsen können, sind verbreitet.

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Mehrere Studien aus den vergangenen Jahren haben gezeigt, dass eine gezielte Bewegungstherapie diese oft quälenden Nebenwirkungen von Krankheit und Behandlung lindern kann. „Trotz dieser positiven Erkenntnisse sind Bewegungsangebote für Krebspatienten in der Nachsorge noch längst nicht überall in Deutschland vorhanden und auch in den Leitlinien zur Nachsorge einzelner Krebsarten nur unzureichend verankert“, sagt Sportwissenschaftler Joachim Wiskemann, Leiter der Arbeitsgruppe Onkologische Sport- und Bewegungstherapie am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen und am Universitätsklinikum Heidelberg. Wiskemann hat als deutscher Vertreter am internationalen Expertentreffen zu diesem Thema in den USA mitgewirkt.

Wer Krebs überstanden hat, sollte Inaktivität vermeiden

Die Spezialisten aus verschiedenen Ländern haben dabei alle verfügbaren Daten zur Wirksamkeit von Sport bei Krebs ausgewertet. Die Ergebnisse: Als Erstes stellten sie fest, dass sowohl Training als auch die notwendigen körperlichen Tests sicher sind und den Patienten gesundheitlich nicht schaden. Grundsätzlich gelte, dass jeder Mensch, der Krebs überstanden hat, Inaktivität vermeiden sollte. Zudem erstellten die Wissenschaftler und Ärzte eine Liste mit möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die als Folge einer Tumorerkrankung und der damit verbundenen Therapie entstehen können. Schließlich geben sie klare Empfehlungen für Ausdauer- und/oder Krafttraining bei einzelnen Krebsarten – und zwar jeweils in Bezug auf die Intensität, die Dauer und Frequenz der Trainingseinheiten.

Die Wissenschaftler räumen allerdings auch ein, dass es noch Forschungsbedarf zu den unerwünschten Folgen von Krebstherapien und den positiven Effekten von Sport gebe. So sei das Wissen etwa über die kardiotoxischen - also das Herz möglicherweise schädigenden – Nebenwirkungen von Therapien, zu Polyneuropathie, Schmerzen oder Übelkeit begrenzt. Hier müssten noch weitere Forschungsarbeiten folgen, „die die Wirksamkeit von Bewegungstherapie prüfen“, sagt Joachim Wiskemann.

Krebs-Patienten: 

Ausdauertraining für jeweils 30 Minuten an drei Tagen in der Woche kann die quälende Müdigkeit mildern, wenn es über einen längeren Zeitraum durchgehalten wird. Auch Krafttraining entweder alleine oder in Kombination mit Ausdauertraining empfehlen die Experten – und zwar jeweils 30 Minuten an zwei Tagen in der Woche. Belegt sind positive Effekte unter anderem bei Patientinnen, die Brustkrebs und Patienten, die Prostatakrebs hatten. 

Empfehlungen bei d

Ausdauertraining wird drei Mal die Woche für jeweils 30 bis 60 Minuten empfohlen, wahlweise auch eine Kombination mit Krafttraining ebenfalls drei Mal die Woche für jeweils 20 bis 40 Minuten. Belegt sind positive Effekte unter anderem bei Brust-, Prostata- und Darmkrebs sowie Leukämien und Lymphomen. 

Empfehlung bei Lymphödemen als Folge einer Brustkrebsbehandlung

Diese unangenehmen Schwellungen durch gestaute Lymphflüssigkeit können eine Folge einer Brustkrebsbehandlung sein. Empfohlen wird Krafttraining, jeweils ein bis drei Sätze mit acht- bis fünfzehn Wiederholungen an zwei bis drei Tagen in der Woche, wobei mit leichten Gewichten begonnen werden soll. 

Der tabellarische Überblick zu den Empfehlungen der Experten ist im Internet auf der Seite des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen zu finden. Die Originalpublikation finden Sie hier (PDF).

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