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Forschende haben eine Krebs-Impfung mit Erfolg getestet. (Symbolbild)
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Forschende haben eine Krebs-Impfung mit Erfolg getestet. (Symbolbild)

Wissenschaft

Krebs-Impfung: Schutzimpfung erfolgreich getestet – Ein Meilenstein für Forschende

  • Melanie Gottschalk
    VonMelanie Gottschalk
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Die Forschung an einer Krebs-Impfung schreitet voran. Forschende können jetzt „vielversprechende“ Ergebnisse verzeichnen.

Frankfurt – Rauchen, Übergewicht oder Alkohol können Faktoren für ein erhöhtes Darmkrebs-Risiko sein. Doch es gibt auch Darmkrebs-Patient:innen, die aufgrund ihrer Veranlagung ein erhöhtes Risiko auf eine Erkrankung haben. Nun haben Forschende des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und vom Universitätsklinikum Heidelberg eine Impfung gegen erblichen Darmkrebs erfolgreich an Mäusen getestet. Die Wissenschaftler:innen konnten die Krebs-Entstehung hinauszögern. Ein wichtiger Meilenstein.

Laut der Studie überlebten die Mäuse mit einer erblichen Veranlagung für Darmkrebs nach der Impfung signifikant länger als ungeimpfte Mäuse. Gepaart mit einem entzündungshemmenden Präparat steigerte sich der Schutzeffekt der Impfung sogar noch weiter.

Krebs-Impfung: Ein Viertel der Darm-Tumore ist erblich veranlagt

Bei den sogenannten Mikrosatelliten-instabilen Krebsarten ist ein wichtiges zelluläres Reparatursystem ausgefallen, das normalerweise kleine Fehler im Erbgut korrigiert. Bleiben solche DNA-Defekte unkorrigiert, so kann die gesamte Bauanleitung des Proteins aus dem Takt geraten. Die Zellen bilden dann neuartige Eiweißstrukturen, die „Neoantigene“ genannt werden. Sie werden vom Immunsystem oft als fremd erkannt, heißt es in der Mitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums. Dort soll die Darmkrebs-Impfung ansetzen.

Mikrosatelliten-instabile (MSI) Tumore können spontan entstehen oder als Folge einer erblichen Veranlagung, dem Lynch-Syndrom. Etwa ein Viertel der MSI-Darmtumoren werden durch das Lynch-Syndrom verursacht. Etwa die Hälfte der Betroffenen erkrankt im Laufe des Lebens an Krebs.

Impfung gegen Darmkrebs: Beurteilung erst in einigen Jahren

Ein Team unter der Leitung von Magnus von Knebel Doeberitz, der eine sowohl am Universitätsklinikum Heidelberg als auch am Deutschen Krebsforschungszentrum angesiedelte Abteilung leitet, konnte in langjährigen Vorarbeiten zeigen, dass bei vielen Patienten mit Lynch-Syndrom identische Mutationen und damit auch identische Neoantigene im Tumor auftreten.

„Wir wollten daher prüfen, ob solche häufig vorkommenden Neoantigene in der Lage sind, als Schutzimpfung das Immunsystem gegen die Tumorzellen zu aktivieren und so zu verhindern, dass Krebs entsteht“, sagt Matthias Kloor, der die Forschung zu präventiven Impfungen beim Lynch-Syndrom leitet. Ob diese Impfung tatsächlich Tumoren verhindern und das Überleben der Patient:innen verlängern könne, werde man jedoch erst in einigen Jahren beurteilen können.

Wichtiger Meilenstein in der Krebs-Impfung

Doch trotzdem konnte das Team um von Knebel Doeberitz und Kloor bereits heute einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Krebsimpfung erreichen. Mit ihrer aktuellen Arbeit zeigen die Forschenden erstmals an einem Tiermodell, dass eine Schutzimpfung mit MSI-typischen Neoantigenen tatsächlich vor Krebs schützen kann. Das Team untersuchte dazu einen Mausstamm, der in Folge eines Defekts der DNA-Reparaturenzyme Darmkrebs entwickelt – vergleichbar mit Menschen, die am Lynch-Syndrom leiden. Die „Lynch-Mäuse“ entwickeln ab einem Alter von sechs Monaten Tumoren im Darm, wenige Wochen oder Monate später versterben sie daran.

Ein spezieller Algorithmus sagte voraus, welche dieser Neoantigene eine starke Immunantwort der Mäuse auslösen können. Für die Versuche wurden schließlich vier Impfpeptide ausgewählt. Das Ergebnis: Die geimpften Mäuse überlebten im Durchschnitt 351 Tage, ungeimpfte Tiere dagegen nur 263 Tage. Auch die Tumormasse fiel bei den geimpften Tieren deutlich geringer aus. 

Naproxen steigert den Effekt der Krebs-Impfung weiter

Erhielten die Mäuse zusätzlich zur Impfung das Medikament Naproxen, so steigerte dies den präventiven Effekt der Impfung weiter. Naproxen ist ein Entzündungshemmer und Schmerzmittel, das wie Aspirin zur Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) gehört. Wirkstoffe aus dieser Gruppe werden bei Patienten mit Lynch-Syndrom bereits in einigen Ländern zur Chemoprävention von Darmkrebs empfohlen.

„Auch in ungeimpften Lynch-Mäusen haben wir gesehen, dass das Immunsystem gegen die vier Neoantigene aktiv ist“, erklärt Magnus von Knebel Doeberitz. „Unsere Schutzimpfung verstärkt also eine ohnehin vorhandene natürliche Immunreaktion gegen die Krebszellen.“

Impfung gegen erbliche Krebserkrankungen ein erfolgversprechendes Konzept

„Wir konnten zum ersten Mal in einem lebenden Organismus nachweisen, dass eine Impfung mit Neoantigenen vor Krebs schützt“, betont Matthias Kloor und ergänzt: „Besonders vielversprechend ist, dass sich Immunschutz und Prävention mit einem Entzündungshemmer offenbar in ihrer Wirkung ergänzen.“ Die Ergebnisse zeigten, dass die Impfung gegen erbliche Krebserkrankungen ein erfolgversprechendes Konzept sei. „Das wollen wir nun weiter in die klinische Anwendung übertragen.“ (msb)

Aktuell bekommt die Corona-Impfung die größte Aufmerksamkeit. Es stellt sich auch die Frage, wie lange man nach einer Impfung auf Alkohol und Sport verzichten sollte.

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