1. Startseite
  2. Wissen

Fortschritt in der Krebsforschung: Wirkstoff macht Tumorzellen unbeweglich

Erstellt:

Von: Vincent Büssow

Kommentare

Wachsende Krebszellen greifen gesundes Gewebe an.
Ein neuentdeckter Hemmstoff soll Krebszellen unbeweglich machen. Dadurch können Metastasen verhindert werden, sagt das Forscher:innenteam aus Konstanz. (Symbolbild) © Michael Osterrieder/imago

Metastasen sind auch für Menschen gefährlich, die bereits eine Krebserkrankung überstanden haben. Ein neuer Wirkstoff soll die Tumor-Streuung verhindern.

Konstanz – Forscher:innen haben einen Durchbruch in der Krebsforschung erzielt. Ein neuer Wirkstoff soll bösartige Tumorzellen derart beeinflussen, dass diese nicht mehr beweglich sind. Wie das Team von der Universität Konstanz mitteilte, kann dadurch die Bildung von Metastasen verhindert werden. Diese Streuung der Tumore durch den Körper holt oft auch Menschen ein, die bereits eine Krebserkrankung überstanden haben.

Der neuentdeckte Stoff wirkt hemmend auf die Krebszellen, es handelt sich also um einen Inhibitor. Die Wirkung bezieht sich auf die Beweglichkeit der Zelle. Ein entscheidendes Enzym wird ausgeschaltet, woraufhin Tumorzellen nicht mehr in gesundes Gewebe eindringen können. Der Hemmstoff der Froscher:innengruppe um Professor Christof Hauck und die Doktorandin Tanja Grimm setzt dabei genau an dem Punkt einer Zelle an, die oft für die Entstehung von Krebs verantwortlich ist. Dass es bislang schwierig war, dieses bestimmte Enzym zu beeinflussen, ist kein Zufall.

Krebsforschung: Wirkstoff kann Metastasen verhindern

Die Enzyme in der Gruppe der Phosphatasen, an denen der neue Wirkstoff ansetzt, sind schwer mit Inhibitoren zu erreichen, wie die Entdecker aus Konstanz mitteilen. Die Beschaffenheit der Zellteile bietet kaum geeigneten Stellen, an die sich Wirkstoffe binden können. Deshalb ist das Forscher:innenteam einen anderen Weg gegangen: Der Hemmstoff, der in Konstanz entdeckt wurde, beeinflusst die Phosphatasen aus der Distanz, und schafft es ohne Bindung, die Krebszelle unbeweglich zu machen.

Um einen Wirkstoff zu finden, der den gewünschten Effekt erzielt, hat das Team aus Konstanz mehr als 55.000 Verbindungen untersucht. Von den 200 Kandidaten, die letztendlich infrage kamen, hat nur einer seine Wirkung auf das entsprechende Enzym beschränkt. Die darauffolgenden Tests ergaben, dass die anvisierten Tumorzellen weder beweglich, noch in der Lage waren, gesundes Gewebe zu durchdringen. Die Bildung von Metastasen könnte deshalb verhindert werden. Die Forscher:innengruppe hat auch bereits einen Namen für ihren Inhibitor. In Anspielung auf seine Fähigkeit, Zellen unbeweglich zu machen, haben sie den Stoff „Lockdown“ getauft.

Erst vor Kurzem meldeten Forscher aus den USA Erfolge bei einer neuen Krebs-Therapie: Verletzte Tumorzellen sollen dabei das Immunsystem stimulieren. (vbu)

Auch interessant

Kommentare