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Das Leben mit MS bringt für die Betroffenen einige Einschränkungen mit sich.

Multiple Sklerose

Die Krankheit mit den 1000 Gesichtern

Jedes Jahr erkranken etwa 2.500 Menschen an Multipler Sklerose. Doch noch immer fehlt es an Aufklärung über diese Krankheit, Vorurteile und Halbwissen dominieren.

Von Yannic Hertel

Schätzungen zufolge leben weltweit ungefähr 2,5 Millionen Menschen mit Multipler Sklerose, kurz MS genannt. Die Häufigkeit der Erkrankung hängt von der geographischen Entfernung vom Äquator ab: Je weiter ein Land vom Äquator entfernt liegt, desto häufiger leiden seine Bewohner an MS. Verantwortlich scheint dafür der genetische Hintergrund zu sein. Mittlerwiele ist bekannt, dass fast nur Angehörige der kaukasischen Bevölkerung an MS erkranken. Vor allem Skandinavier sind übermäßig häufig betroffen. Afroamerikaner hingegen haben ein zehnfach geringeres Risiko, an Multipler Sklerose zu erkranken. Die geografische Verteilung der MS hat auch die Bedeutung des "Sonnenvitamins" Vitamin D in das wissenschaftliche Interesse gerückt. In Untersuchungen wurde festgestellt, dass Menschen, die in Regionen mit starker Sonneneinstrahlung leben, seltener an MS erkranken. In Deutschland leben laut Bundesversicherungsamt mehr als 200.000 MS-Patienten, davon bis zu 8.000 in Hessen.

Unter ihnen sind etwa doppelt so viele Frauen wie Männer. Auch das hat einen genetischen Hintergrund, wie Wissenschaftler der Universität Oxford vermuten. Die meisten Patienten erhalten die Diagnose zwischen ihrem 20ten und 40ten Lebensjahr; Erkrankungen im Alter oder bereits als Kind sind eher selten.

Für eine an MS erkrankte Person sind die ersten Symptome erst einmal harmlos, von den Betroffenen werden sie häufig als auffällig wahrgenommen. Sehstörungen werden oftmals auf Stress zurückgeführt, weshalb man sich nicht untersuchen lässt. Erst wenn weitere Probleme wie Gefühlsstörungen der Haut wie Kribbeln, Missempfindungen oder Taubheitsgefühle auftreten, wird der Arzt aufgesucht.

Die Diagnose ist auch für den Arzt schwierig, da verschiedene Symptome nicht eindeutig zugeordnet werden können. Eine gesicherte Diagnose erfolgt erst durch eine umfassende Untersuchung: Dazu gehören neben neurologisch-körperlichen Untersuchungen auch Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeitsowie eine MRT Untersuchung des Gehirns und des Rückenmarkes. (Mehr dazu in der virtuellen Diagnoseklinik.)

Nach der Diagnose MS fallen viele Betroffene erst einmal in ein tiefes, emotionales Loch. Die Diagnose klingt für viele wie ein Todesurteil und Halbwissen nährt die Ängste noch weiter.

Dabei muss Multiple Sklerose nicht zwangsläufig schwer verlaufen. In den wenigsten Fällen (unter 5%) führt die Krankheit innerhalb weniger Jahre zu einer schweren Behinderung und Pflegebedürftigkeit. Laut dem Bundesverband der deutschen MS Gesellschaftsteigt die Wahrscheinlichkeit eines weiteren guten Verlaufs, je länger das Krankheitsbild stabil geblieben ist.

Das ist jedoch keine Faustregel. MS ist eine tückische Krankheit, die aufgrund ihres schubartigen Verlaufs bei jedem Menschen ein individuelles Krankheitsbild zeichnet. Daher nennt man Multiple Sklerose auch die „Krankheit mit den 1000 Gesichtern“.

Dieser unvorhersehbare Krankheitsverlauf stellt eine besondere Belastung für die Erkrankten und ihre Angehörigen dar. Zwischen einzelnen Schüben, die neue Beschwerden wie Spastiken, Inkontinenz oder kognitive Störungen mit sich bringen, können zuweilen sogar Monate oder Jahre liegen. Manchmal entwickeln sich die Symptome nach einem Schub auch wieder zurück, verschwinden teilweise sogar gänzlich. Etwa 10% der Patienten leiden von Beginn an jedoch an einer langsamen Verschlechterung ohne klare Schübe.

Den Krankheitsverlauf kann man jedoch auch verlangsamen. Mittlerweile ist es möglich, mithilfe von Therapien die beschwerdefreie Zeit zu verlängern.

Auch wenn mittlerweile Therapien Erkrankten das Leben erleichtern: Die Ursache der MS ist noch nicht geklärt. Wissenschaftler auf der ganzen Welt erforschen das Rätsel um Multiple Sklerose. Um ein Heilmittel zu finden, müssen Forscher jedoch zuerstdie komplizierten Steuerungsvorgänge des Immunsystems vollständig verstehen. Bis dahin ist es noch ein langer Weg.

Betroffene in Hessen können sich an den Landesverband Hessen der Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft wenden.

 

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