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Astrid Kaufhold zeigt den Kickers-Profis um Niklas Hecht-Zirpel (rechts), wie man Sonnencreme richtig aufträgt.

Hautkrebs

„Die Kraft der Strahlen ist bei uns inzwischen so wie im Hochgebirge“

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Die Offenbacher Hautärztin Astrid Kaufhold über Sportler als Hautkrebs-Risikogruppe.

Wer regelmäßig im Freien Sport treibt, ist vor allem im Sommer doppelt gefährdet: durch die Hitze und durch die UV-Strahlen. So gehören beispielsweise Fußballer zur Hautkrebs-Risikogruppe, sagt Bernd Winter, Teammanager der Offenbacher Kickers. Um die Spieler für das Thema zu sensibilisieren, fand kürzlich ein Präventionstag unter der Leitung von Astrid Kaufhold, Tochter der 2009 verstorbenen OFC-Legende Gerd Kaufhold, statt. Im Interview gibt die in Offenbach ansässige Hautärztin ihre Tipps weiter.

Fußballer als Hautkrebs-Risikogruppe – ist das nicht übertrieben?
Keineswegs. Bei Menschen, die sich 15 Jahre lang täglich in der Sonne aufhalten, ist weißer Hautkrebs eine Berufskrankheit. Er ist die Addition der gesamten Belastungen im Laufe des Lebens. Daher ist es für die Gruppe der Personen zwischen 20 und 30 Jahren besonders wichtig, regelmäßig untersucht zu werden. Schwarzer Hautkrebs ist hingegen bei jedem Alter und Hauttyp möglich.

Wie oft sollten Sportler, die regelmäßig im Freien aktiv sind, zum Hautkrebs-Screening gehen?
Einmal im Jahr, auch wenn die Krankenkassen die Kosten dafür nur alle zwei Jahre übernehmen.

Warum ist Ihnen die Gruppe der 20- bis 30-Jährigen besonders wichtig?
Junge Menschen fühlen sich gesund und stark und sind daher sorglos. Sie denken entweder gar nicht daran, sagen, es brennt in den Augen, oder vergessen den Kopf oder die Ohren. Dabei gibt es längst Cremes, die wunderbar zur Haut passen und sich gut und problemlos auftragen lassen.

Welche Ausreden bekommen Sie sonst noch oft zu hören?
Häufig sagen mir die Patienten, dass sie nur einen kurzen Moment in der Sonne waren und deshalb ja nichts passieren könne. Aber 15 Minuten im Freien können bereits einen Sonnenbrand zur Folge haben. Die Kraft der Strahlen ist hier bei uns in der Stadt inzwischen so stark wie im Hochgebirge, heißt es. Das deckt sich mit meinen beruflichen Erfahrungen.

Inwiefern?
Ich haben meine Praxis seit 25 Jahren in Offenbach, war zuvor an der Uniklinik Frankfurt. Seit den 80er Jahren ist eine starke Vermehrung von Hautkrebsfällen festzustellen.

Was sollte man grundsätzlich beachten, wenn man beim Sport regelmäßig Sonnenstrahlen ausgesetzt ist?
Drei Dinge. Erstens: pralle Sonne weitgehend meiden, also Sport möglichst morgens oder abends machen. Zwischen 11 und 17 Uhr ist die Sonne am stärksten. Zweitens: Textilien sind besser als Sonnencreme. Wem es möglich ist, der sollte besser einen breiten Hut als eine Mütze tragen, um auch den Hals zu schützen. Drittens: bewusst immer wieder raus aus der Sonne und vor allem für den Kopf Schatten suchen.

Und regelmäßig Sonnencreme verwenden?
Ja. Auch Hobbysportler wie Radfahrer sollten sich vorher eincremen und dies wiederholen. Das gilt auch für alle, die sich zwischendurch mit einem nassen Handtuch abkühlen, da unklar ist, wie viel Schutz dann noch bleibt.

Sportler schwitzen schnell. In welchen Abständen sollten sie sich eincremen?
Durch das Schwitzen wird die Creme wieder abgewaschen. Es gibt bereits spezielle Produkte für Sportler, die besser auf der Haut haften, aber unter denen man nicht so sehr schwitzt. Generell sollte sich ein Sportler möglichst jede Stunde eincremen.

Welchen Schutzfaktor empfehlen Sie?
Die Geschichte der Lichtschutzfaktoren ist lang. Es fing an mit Piz Buin Faktor 3, heute liegen sie zwischen 30 und 50. Sie sind jedoch nicht immer genormt. Daher sollte man stets den höchsten Faktor nehmen.

Was ist beim Umgang mit Sonnencreme sonst noch zu beachten?
Nicht sparsam, sondern immer dick auftragen. Manche Sprays haben zu wenig Masse, dann lieber Sonnencreme auf die Hand sprühen und den Körper mit dieser eincremen.

Was ist zu tun, wenn man sich trotzdem einen Sonnenbrand geholt hat?
Spezialcremes und After-Sun-Produkte können Sonnenbrand nicht bremsen, sondern nur die Beschwerden lindern. Kühlen ist besser, gerne mit Quark oder Joghurt. Zudem raus aus der Sonne und möglichst einige Tage lang nicht mehr in die Sonne gehen. Ein Sonnenbrand ist eine Verbrennung, bei der Hautschichten zerstört werden. Das lässt sich nicht rückgängig machen. Und die Haut vergisst auch nichts.

Wie kann man seine Haut selbst am besten kontrollieren?
Eigenkontrolle sollte einmal im Monat gemacht werden. Wer es häufiger macht, läuft Gefahr, Veränderungen nicht wahrzunehmen. Der Partner oder die Partnerin kann den Rücken übernehmen. Jede Veränderung – größer oder kleiner, heller oder dunkler – ist wichtig. Wenn man etwas feststellt, zum Arzt gehen.

Interview: Christian Düncher

Die Erkrankung

Schätzungen zufolge erkranken jedes Jahr mehr als 200 000 Deutsche an Hautkrebs. In rund 90 Prozent der Fälle handelt es sich um den „hellen“ oder „weißen“ Hautkrebs. Er tritt in der Regel erst ab einem Alter von etwa 70 Jahren auf, ist oft eher harmlos und daher leicht zu behandeln.

Zehn Prozent der Patienten erkranken allerdings am malignen Melanom (schwarzer Hautkrebs), das – wenn es nicht frühzeitig erkannt wird – oft zum Tod führt, da sich die Krebszellen rasch über das Lymphgefäßsystem oder die Blutbahn im Körper ausbreiten können. Das Risiko ist ab einem Alter von etwa 50 Jahren am höchsten, doch auch jüngere Menschen sind gefährdet.

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